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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1879-10-14 · Heft 42 (14.10.1879) · p. Seite 668

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
43 (1879)
Issue
Heft 42 (14.10.1879)
Date
1879-10-14
Page
Seite 668 (sequence 12)
Language
German
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668 von der Zeit des Bibelabschlnffes bis zur Gegenwart für Schüler jüdischer Lehranstalten, höherer Bürgerschulen und Gymnasien, für Familien und Schulbibliotheken" von Emanucl Hecht ist jetzt in dritter, gänzlich mngearbeiteter Auflage von Rabbiner M. Kayserling veröffentlicht worden < Leipzig, Baumgärtncr's Buchhandlung, 187V). In der That ist von dem alten Werk fast nur der Titel übrig geblieben und kann das Buch in seiner jetzigen Gestalt als fast ausschließliche Arbeit Kayserling's betrachtet werden. Es ist weder eine Erzählung für Kinder, noch eine dürre Notizensannnlung: in kurzer, prägnanter, anziehender Sprache schildert es die Erlebnisse unserer Glaubensgenossenschaft, ihre Leiden für die Gotteslehre, ihre geistige und sociale Entwicklung, ihre reiche literarische Thätigkeit. Der jüdische Jüngling, jeder gebildete Israelit wird aus diesem Werke eine hinreichende Kenntnis; der Geschichte des Judenthums und zugleich Liebe und Anhänglichkeit für dessen Lehre und Bekenner schöpfen. Manche Einzeldarstellungen, wie z. B. Seite 10 ff. über die Parteien der Pharisäer, Sadducäer und Essäer, sind in ihrer prägnanten Anschaulichkeit geradezu meisterhaft zu nennen. Für die hoffentlich zahlreichen Leser, die aus diesem' Buche Lust und Antrieb zum Weiterforschen in der Stammesgeschichte schöpfen werden, ist durch zahlreiche bibliographische Andeutungen, sowie durch Anhang 111. gesorgt, der die hauptsächlichen historischen Werke, nach den von ihnen behandelten Epochen geordnet, giebt. Sonstige Anhänge bringen die Reihenfolge der für die Israeliten wichtigsten Dynastien, eine Zeittafel und ein alphabetarisches Namenverzeichnis;, zumal das letztere eine Beigabe von großem Werthe. Erfreulicher Weise werden die Judenverfolgungen des spätem Mittelalters so kurz wie möglich abgemacht, auch in dieser traurigen Epoche der Hauptnachdruck auf die Eultur- und Literaturgeschichte der Israeliten gelegt. Tie Verdienste christlicher Gelehrten um das Judenthum und seine Wiffenschaft werden bereitwillig geschildert; so zeigt einerseits der Verfasser, das; das Judenthum auch bei competenten Richtisraeliten Anerkennung und Würdigung findet, und trägt er andrerseits eine Schuld der Dankbarkeit ab. Die wenigen Aussetzungen, die Referent an dem trefflichen Buche zu machen hätte, beziehen sich nur auf die ersten .Vogen. Die sagenhaften Erzählungen von Alerander dem! Großen (S. 1), der Verfolgungen des Ptolemäus Philopator ^S. o) :c. wären besser weggeblieben. Die politischen Parteikämpfe und Metzeleien zur Zeit des zweiten Tempels, die i abstoßend auf den Leser wirken und für die Weiterentwicklung!des Judenthums ganz unfruchtbar waren, hätten wohl kürzer \ behandelt werden müssen. Kleine Jrrthümer sind außerdem; unvermeidlich bei einem solchen Werke, Z. B. war Godefroi : nicht in Belgien, sondern in Holland Justizminister (S. 142). In ihrer neuen Gestalt wird diese „Geschichte Israels" sich gewiß sehr zahlreiche neue Freunde und Schüler gewinnen und eine segensreiche Wirksamkeit üben! — n—n. Ieuitteto n. Äoffllth. Es ist gut, auch seine Feinde zu kennen. Daß Kossuth nie ein Freund der Juden war, ist allgemein bekannt, daß! aber der ungarische Agitator ein so verbissener Gegner der Judenemancipation noch heute ist, erfahren wir erst. Al§! neulich ein Professor des Reusatzer Gymnasiums den Erilirten' in Barracone besuchte, kam das Gespräch auch auf die Juden. „Wir kamen auch auf die Juden zu sprechen", erzählt der Professor, „und es ist charakteristisch, wie Kossuth sich über sie geäußert. Auf meine Bemerkung, wie sehr die Juden die Beschlüsse des Berliner Eongresses beeinflußten, sagte Kossuth, „daß er trotz seiner liberalen Grundsätze die vollständige Emancipation der Juden in solchen Ländern nicht billigen könne, welche in cultureller Hinsicht zurückgeblieben sind und, in welchen Juden in größerer Anzahl wohnen." Diesen Standpunkt motivirte Kossuth damit, das; die Juden in den Ländern, wo sic eingewandert, sich als fremdes Element betrachten, als ein Element, welches kein stärkeres Band an jene Länder und ihre Institutionen knüpft und welches nur bestrebt ist, semT mgeiien materiellen Vortheile zu fördern. „Die vollständige Emancipation der Juden sollte insolange nicht durchgeführt werden" — sagte er weiter — „bis sie sich den übrigen Staatsbürgern nicht auch social und politisch assimilircn; bis sic nicht aufhören, sich als ein besonderes fremdes Element zu betrachten; sie müßte erst dann durchgeführt werden, wenn sie von den übrigen Staatsbürgern sich nur in Glaubenssachen unterscheiden werden, wie dies in England, Frankreich und Italien der Fall ist." Aus dieser Aeußerung Kossuth's zeigte sich, das; er das Vorgehen der Rumänen billige, welche den Beschluß des Berliner Eongresses nicht durchführen wollen, der in der Frage der vollen Emancipation der rumänischen Juden gefaßt wurde, ohne das; man die außerordentlichen Umstände genau untersucht hatte, welche in dieser Hinsicht in Rumänien obwalten und welche der vollen Durchführung dieses Eongreßbeschluffes diametral entgegenstehen. Der „P. Lloyd", dem wir diese Mittheilung entnehmen, findet cs kaum glaublich, daß ein von Vornrtheilen freier Mann wie Kossuth über eine Frage, die in allen civi.lisirten Ländern längst übcrtvunden ist, solch' anachronistischen und auch | die Thatsachcn selbst deSavouirten Anschauungen huldigen könne.

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