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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1879-10-14 · Heft 42 (14.10.1879) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
43 (1879)
Issue
Heft 42 (14.10.1879)
Date
1879-10-14
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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tgemeine Gilt Mpartciischcs Organ siir alles jüdische Intcrcssc. Diese Zeitung criLcint wochentlitb einmal in L bi* LV, Bogen. Preis vierteljährig 3 Mark. Inserate werden mir 20 Pf. für die P::i:;ei1e oder deren Raum berechnet. Alle Postämter und Buchhandlungen nehmen Bestellungen an. Heraus gegeben von Rabbiner vr. Ludwig Philipps«» in Bonn. Verlag von Baumgiirtncr's Buchhandlung in Leipzig. Beilagen werden mit 12 Mark berechnet. In rcdactionesten Anaelegenhciten :rende man stch an Nr. C. Philipps«» in; Bonn: hinsichtlich der Inserate an A. Moffe i» vcipzig und dcffcn sttttalen in Berlin. BreSlau rc. Inskratt. ncl.tie bisvonnrrilaaeingehen, finken in der darauffolgenden Nummer Berücksichtigung. 43. Jahrgang. Leipzig, dm 15. October 1879. Jß 42. '^nbnft leitende Artikel: Ter Fortbestand des Judcnthnms. II. — Der Kamps in Rumänien. XIII. — Zeitungsnachrichten: Dciitfcötanb: Breslau, Berlin, Essen Straßburg, Darmstadt. — Oesterreich-Nngarn: Pest. Brody. - Frankreich: Paris. — Rußland: Brom. — Bonn: Notizen. Vom Rhein: Literarische Notizen. - Feuilleton: Kossuth. — Vermischtes: Euriosität. . -!?eric'll?s(' Äthf;ef. Bonn, 8. October. Der Fortbestand des Äudenthums. An einen Freund in F. II. Ich bin weder Optimist noch Pessimist. Ich kenne, so lveit meine Beobachtung reicht, die großen Errungnisse unb Vorzüge unsrer Zeit, sowie die Nachtheile und Schwächen, die mit ihnen verbunden sind, die schlvcrm Schatten, die auf unsrer Gegenwart ruhen, und zwar ebenso in der allgemeinen Welt als im Kreise des Judcnthnms. Ich weiß auch, daß die mächtigen Umwandlungen, lvclche lvir im letzten halben Jahrhundert durchgemacht, nicht zur Festigkeit und Durcharbeitung gelangen können, ohne noch viele Kämpfe, Rückschläge und Rückschritte zu erfahren; halte mich aber überzeugt, daß alles Dies nothwendig ist, um eine geschichtliche Wirklichkeit daraus zu machen, um allen diesen Veränderungen eine dauernde Gestalt zu schaffen und das reale Dasein völlig damit zu durchdringen. Bei dieser Betrachtungsweise werden die verschiedenartigsten Erscheinungen nicht mehr auffallcn und bei allem Bedauern doch keine Befürchtungen für den Fortbestand der großen tvelthistorischen Erzeugniffe, der nothwcn- >igen Richtungen und Formen des menschlichen Geistes erstehen. — Wenden wir uns nun tviedcr speciell zum Judenthume, so muffen wir uns noch folgende geschichtliche Wahrnehmung zurückrufen. Stets, wann und wo den Juden gestattet wurde, aus ihrer Absonderung herauszutretcn und am allgemeinen Eulturleben der Zeit sich zu bethciligen, geivahren lvir bei einem Thcile derselben eine Lockerung des religiösen Bandes, der religiösen Zucht, und zwar diese neben dem glänzenden Aufschwünge des jüdischen Geistes. So in Alexandrien zur Zeit, als die Entlvicklung der Tradition in Palästina erst begonnen hatte. War man doch daselbst bis zu einer völligen Unkenntnis; der heiligen Schrift in der Ursprache gekommen, und mit der hellenischen Sprache lvar ägyptisch-hellenischer Brauch und Luxus in das Leben der Juden cingedrungen. Dennoch fand dort jene geistige Entfaltung statt, aus welcher in der versuchten Verquickung des Hebräismus mit dem Hellenismus die Philonianische Philosophie und die Sibyllinischen Orakel (diese zum größten Thcil) hervorgingen, Schriftiverke, welche allerdings weniger innerhalb des Judenthums, als über dieses hinaus, eine große Wirksamkeit übten. So noch mehr in der spanischen Epoche. Von ihr nährten sich geistig die folgenden Jahrhunderte; an sie knüpfte das moderne Judenthum an; sie wird noch heute als die glänzendste Entfaltung des jüdischen Geistes in der nachtalmudischcn Zeit gefeiert. Sie ging vor sich zu einer Zeit, wo das traditionelle Gesetz die unbedingte Gültigkeit und Nachfolge besaß. Und dennoch! wissen uns die jüdischen Dichter und Sittenschilderer jener Zeit nicht genug mit dunklen Farben die damaligen religiösen und sittlichen Zustände der Juden zu malen. Ich erinnere nur an den Tachkemoni von Eharist (blühte im Anfang des 13. Jahrhunderts), durch die meisterhaften Übertragungen von K rafft"

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