Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 43 (1879)
- Issue
- Heft 40 (30.9.1879)
- Date
- 1879-09-30
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Allgem ei tt e Ein unpartciischcs Organ für alles jüdische Jntereffe. MIR 5ierausaeaeben von I In redactioncklen Anaelearnheiten .ytrausgegeotn uun j ,rfKfce man an Pf $ Hii1»ps.,n in Bonn; hinsichtlich der Inserate n Hl. Rabbiner I)r. Ludwig Philippson in Bonn. Ä?lÄ."ÄÄn"?c.lil,Ica Inserate, ,.el>üe di» vaaneritag eingehrn. . finden in der doraufsolgenden Nummer Verlag von Baumgärlner's Buchhandlung m Leipzig. Berückfichtigung. Beilagen werden mit 12 Mark berechnet. Diese Zeitung erscheint wöchentlich einma l in 2 di» 2'/, Bozen. Brei» BierreljähriA s Mark. Inserate werden mir 20 Pf. für die Petitzeile oder deren Raum berechnet. Alle Postämter und Buchhandlungen nehmen Bestellungen an. 43. Jahrgang. Leipzig, den 30. September 1879. Jß 40. Andrst. Leitende Artikel: Der Fortbestand des Judenthums. I. — Der Krmpf in Rumänien. XI. — Die Gymnasialfrage in Oesterreich-Nugarn. l. — Zeitungsnaclirichken: Deutschland: Berlin, Hamburg. Dortmund, Osfenbach a. M. — Oesterreich-Ungarn: Wien, Budapest. — Belgien: Antwerpen. — Bonn: Notizen. — Feuilleton: Die erste jüdische Hochzeit in Honolulu. -fcUc’ncle (fl thl;cf. Bonn, 24. September. Dcr /orfbrlhiiib drs Iudcnthums. An cincn Freund in F. I. Sie müssen mir schon gestatten, daß ich Ihr liebes Schreiben vom *-'2. d. an dieser Stelle beantworte. Aeußerungen von der allgemeinsten Bedeutung und aus gewichtigeur Munde gethan, werden am füglichsten in der Oeffentlichkeit behandelt. Wir dürfen in unserer Zeit eingreifende Fragen nicht im Schatten freundschaftlicher Gespräche zurückhalten. Denn mehr oder weniger sprechen sich Ansichten und Urthecke darin aus, welche in vielen Seelen leben und viele Herzen bewegen, und darum einer offnen Erörterung bedürfen. Sie schreiben mir u. A.: „Wir kamen aus der von Andächtigen bis auf das letzte Plätzchen dicht gefüllten Synagoge. Ein schwungvoller Gottesdienst, selbstverständlich in seinem größten Theile hebräisch, eine geistreiche Predigt, erhebende Gesänge hatten die Weihe des Tages durch unsre Seelen gebreitet. Dennoch traten jene mich drückenden Bedenken allmälig vor meinen Geist, die ich Ihnen schon mehrfach angedeutet habe, Bedenken, sage ich es offen, über den Fortbestand des Judenthums. Ich sehe die Menge meiner Glaubensgenoffen innner! mehr von dem historisch tradirten Boden sich entfernen, die' ganze bisherige Gestalt und Erscheinung des Judenthums aufgeben und zwar in einem Maße, daß die auswachsenden | Generationen gar keine Vorstellung mehr von jener haben und selbst aus dem Religionsunterrichte, wenn sie solchen genügend erhalten, nur eine schwache Kenntniß derselben davontragen. Ich sehe gerade in dem intelligentesten Theile unserer Jugend den Unglauben einen erschreckenden Umfang gewinnen, und nicht wenige Jünglmge sich auf ihre Irreligiosität, auf ihre materialistische Anschauung Etwas zugute thun Ich sehe in den sog. gebildeten Kreisen die religiöse Gleichgültigkeit so weit wachsen, daß nicht eininal an der jüdischen Literatur, tritt sie auch in einer völlig ebenbürtigen Gestalt mit den Erzeugnissen der allgemeinen Literatur auf, der geringste Antheil genommen wird. Abgesehen von den beiden hohen Festen im Herbste gerathen Sabbath und Fest völlig in Verfall, ja sogar in Vergessenheit, und die geschichtlichen Erinnerungen des Judenthums erwecken kein Interesse mehr. Ich sehe in dem größten Theile der Rabbiner und Lehrer jenen Geist der Propaganda — ich meine selbstverständlich nach innen — fehlen, der unermüdlich und spontan für die Religion nach allen Seiten hin und gemeinsam zu wirken, überall zu zünden und das heilige Feuer zu erhalten strebt. Ich gehe hier auf weitere Details nicht ein, denn sie liegen jedem beobachtenven Auge offen vor. Aber ich kann unter diesen Umständen die Zweifel nicht beseitigen, ob eine Religion, die so sehr wie das Judenthum aus geschichtlichen Bausteinen! geformt und so sehr auf ein historisches Fundament gestellt ist, sich zu erhalten vermöge, wenn jene auseinander gefallen sind und dieses verlassen? Ich brauche Ihnen nicht erst zu sagen, daß ich der neueren Entwicklung des Judenthums und der