Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 43 (1879)
- Issue
- Heft 39 (23.9.1879)
- Date
- 1879-09-23
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Allgemeine Cm Muirlciischcs Organ für alles jüdische Interesse. Diese Zeitung erildeint wöchentlick eiuma l in 2 diS 2 V, Bogen. Preis Bicrreljähi i>, N Mork. Inserate werden mm Ä» Ps. iür die Pclik^eile oder deren Raum berechnet. Alle Postämter und Buchhandlungen nehmen BesteNungen an. Herausgegebcn von Rabbiner Or. Ludwig Philippson in Bonn. Verlag von Baumgärtncr'S Buchhandlung in Leipzig. Beilagen w e r d c n mit 12 Mark berechnet. In redactioneNr» Anaeleaenbeitcn wende man sich an Dr. C. Philippson in Bonn: binsichllich der Inserate 'N A. Zklosse iurciprig und -essen Filialen in Berlin. Breslau re. 3uferatr, uclibe bis vonnerrlag eingehen, finden in der darauffolgenden Nummer Berücksichtigung. 43. Jahrgang. Leipzig, den 28. September 1879. Jß 39. Leitende Artikel: Die erste und die zweite Hälfte des Jahrhunderts. — Der Kampf in Rumänien. X. — Literarischer Bwcl'enbericbt. — Zeitungsnachrichten: Deutschland: Dessau, Eldiug. Frankfurta.M., Hannover, Darmstadt, Homburgv. d. Höhe.— Oesterreich-Ungarn: Krakau. — Großbri tannien: London.— Amerika: Rew->')ork. — B onn: Notizen. Literarische Notizen.— F-euillcton: Das neue israelitische Gemeindehaus, insbesondere dessen ReligionSschule. — Die Juden in China. — Aus Aegypten. — Bermi schtes: Cin Kampf mit Zöllnern. .feilende (fltlilicf Bonn, 17. September. Die erste und die zweite Hülste -es Zührhunderts. In der IUiViiu dos deux Mondes vom l. August finden wir in einem trefflichen Artikel des Herrn Paul Jauet über den Begründer des „(..'lobt;" und Leiter dieses lvichtigen Journals in den schweren Jahren 1821-1880, Dubois, einen Schriftsteller, der unter Anderin die GetvissenSsreiheit mit der größten Energie verteidigte, eine Stelle, welche in kurzen Worten die erste und die zweite Halste unsres Jahrhunderts auf's Zutreffendste charakterisirt. Da wir die daselbst ausgesprochenen Ansichten aus eigener Erfahrung und Kenntniß nur bestätigen können, und diesen Charakter der beiden Zeiträume in den Bewegungen innerhalb des Jildcnthunls wiederfinden, übertragen wir hier den bez. Absatz. Es heißt: „Welcher war aber der Charakter dieses ersten halben Jahrhunderts, von dem die folgende Halste unsres Säeulums sich so weit entfernen sollte? Es lvar die Liebe für allgemeine Ideen, ein Geist der Ausgleichung und hoher Unparteilichkeit, die Vorherrschaft des literarischen Geistes vor dem wiffenschastlichen Geiste, die besondere Beschäftigung mit den Interessen der Menschheit, der Geschniack für den Idealismus und Spi-, ritualismus in der Literatur wie in der Philosophie und im . Allgemeinen der Enthusiasmus und der Glaube, oder wenigstens, der mit Glaube und Hoffnung gemischte Zweifel. Die zweite; Hälfte des Jahrhunderts scheint sich durch sehr verschiedene Züge charakterisiren zu sollen: die Liebe für die Thatsachen, die Vorherrschaft des wissenschaftlichen Geistes, der kritische Geist, der Geschmack für die Realität in den Künsten und in der Poesie, die Verneinung mehr als der Zweifel,, in einem Worte, ein gewisser Geist der Trockenheit, der die männliche Reife anzeigt, während diegroßmüthige Offenheit das Eigenthum der Jugend ist. Dieser Geist der Großmuth (xenerosito) war demnach der unterscheidende Zug der ersten Hälfte unsres Jahrhunderts." — Wer den Entwicklungsgang des Judenthnms innerhalb derselben Zeiträume näher beobachtet, kann im Allgemeinen die eben gezeichneten Züge nur wiederfinden. Die Dreißiger- und Vierzigcrjahre besonders geben dafür hinlängliche Vetveise. Fragt man, tvodurch denn diese Umwandlung erfolgt ist, die, außer den Gesetzen der Entwicklung an sich, etwas so Plötzliches und Entschiedenes an sich-hat, daß man besondere und stürmische Ereignisse als deren Urheber voraussetzen muß: so wird der Blick wie von selbst auf das Jahr 1818 und dessen Folgen hingeleitel. Dieses plötzliche Ausflammen des aufgehäuften Zündstoffes, diese stürmische Entladung des inneren und idealen Geistes war von einer doppelten Enttäuschung gefolgt. Die unglücklichen Ausgänge und die darauf folgende Reaction nutßten ein bitteres Mißtrauen sowohl gegen die Ideen selbst als gegen die Träger derselben — wir meinen hier nicht einzelne, sondern die gcsammte dabei thätige Generation — Hervorrufen, und hieraus erklärt sich leicht der Gang, den die weitere Entwicklung nahm und der von dem französischen Autor so scharf gezeichnet ist.