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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1879-09-02 · Heft 36 (2.9.1879) · p. Seite 567

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
43 (1879)
Issue
Heft 36 (2.9.1879)
Date
1879-09-02
Page
Seite 567 (sequence 7)
Language
German
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567 , daß den „keine Be- Nachdem daß als einer abgesonderten Neligionsgesellschast spricht und von dem Deckmantel der Freiheit und Menschlichkeit, unter welchem schließlich ,srcmde Besonderheit zur Herrschaft gelangen tottt'!" Tie „Germania" gicbt hier wieder ein Beispiel der Verdrehung , die sie sich mit größter Leichtfertigkeit zu Schulden kommen laßt. Sie insinuirt der „Bresl. Ztg." von den Juden als einer „abgesonderten Neligionsgesellschast" zu sprechen, während letztere diesen Ausdruck nur von denjenigen Religionsgesellschaften gebraucht, welche die Eidesleistung überhaupt verweigern. Doch die „Bresl. Ztg." selbst begeht den Fehler, die Eidesformel: „So wahr mir Gott helfe" als eine jüdische und darum wieder als eine „fremde Besonderheit" zu bezeichnen. Die gedachte Formel ist durchaus keine jüdische, dem Judcnthumc entsprungene, wenn auch dem Judenthume nicht widersprechende; sic ist vielmehr den Juden vom Gesetze auferlegt. Andererseits ist es eine eigenthümliche Aeußcrung Christen der Eid ohne die angeführten Formeln deutung habe"!! Tcutsch-Crone, im August. (Privatmitth.) sich allgemein die Uebcrzcugung Geltung verschafft hat der Wechsel in unserem Cultusministcrium mehr als einen bloßen Wechsel der Personen zu bedeuten habe, rüsten sich die verschiedenen kirchlichen Parteien: die Einen um in den letzten Jahren verlorenes Terrain wiederzugewinnen. die Andern um gemachte Errungenschaften zu wahren. Daß der Kampf sich bald auf das Gebiet der Schule hinüberziehen wird, ist mehr als wahrscheinlich. Hier ist aber die Stelle, bei der auch die jüdischen Gemeinden interessirt sind. In den letzten Jahren hat in mancher Gemeinde die jüdische Schule der Simultanschule Weichen müssen. Manche Gemeinde gab ihre Einwilligung zu dieser Umwandlung erst nach vergeblichem Widerspruche, dem Drucke von oben weichend, in anderen Gemeinden hat man von einem Sträuben wenig oder nichts gehört. Das Judenthum ist jedoch mehr als die christlichen Confessionen bei. der Sache interessirt, weil nach der Natur der Sache das Judcnthum in Simultanschulen mit wenigsten Berücksichtigung findet und finden kann. Im günstigsten Falle werden die jüdischen Schüler vom Schulbesuche am Sonnabend und an den Festtagen dispcnsirt, verlieren aber natürlich den Unterricht an diesen Tagen. Findet keine Dispensation statt, dann werden die Kinder schon im frühesten Alter selbst am Sonnabende von der Theilnahme am öffentlichen Gottesdienste zurückgchalten und dem jüdisch religiösen Leben immer mehr cntsrcmdct. Die wenigen Ncligionsstundcn können nur einen sehr unvollkommenen Ersatz bieten. Das Judenthum hat daher das größte Interesse an der Erhaltung der' noch bestehenden jüdischen Schulen. Ja, es dürfte nicht zu den Unmöglichkeiten gehören, in größeren Gcineinden, wo Simultanschulen eingeführt sind, wenn christliche confessionelle Schulen hier und da wieder hergestellt werden sollten, auch wieder zu selbstständigen jüdischen Schulen zu gelangen. Die! Frage ist ttur: Haben die jüdischen Schulen für die Erhaltung und Entwickelung des Judenthums so viel geleistet, daß sie! verdienen, daß ihrer Erhaltung resp. Wiedererlangung wegen! bedeutende Opfer gebracht werden? Die Antwort wird von der» j schiedcnen Standpunkten aus verschieden gegeben werden, ver-; schieden auch nach den Erfahrungen, welche der Beurthcilcr an i dieser oder jener Schule gemacht hat. Was aber kaum be-! stritten tvcrden kann, ist, daß die Schtlle, wenn sie gut organisirt und geleitet ist, viel für das religiöse Wissen und, was noch wichtiger ist, für das religiöse Leben thun kann, wenn nur auch bei den erwachsenen Gemeindemitgliedern Sinn für Religion vorhanden ist und die nothtvendigen Opfer nicht gescheut werden. Den Schulen könnte dann leicht eine Organisation gegeben werden, wodurch dieselben in den Stand gesetzt werden, viel mehr für das religiöse Wissen zu thun, als gewöhnlich geschieht. Die Lehrer sind an den meisten Schulen herzlich schlecht besoldet. Ihre Thätigkeit nimmt aber auch in den meisten Fällen nicht eine volle Manneskraft in Anspruch. Beweis sind die vielen Privatstunden, welche die Lehrer in den meisten Fällen geben. Wenn die Gemeinden sich dazu hcrbeilicßen, mit ihren Lehrern ein Abkommen zu treffen, laut dessen! sie ihnen ein Exträeinkommen für eine Extraleistung gewährten, j fo könnte leicht die Einrichtung getroffen werden, daß die! Lehrer wöchentlich 10 Stunden mehr Unterricht ertheiltcn,! als wozu sie vocationsmäßig verpflichtet sind, und dieser Unterricht könnte ganz oder theilwcise den religiösen Disciplinen! zu Gute kommen. Rechnet man die Stunden hinzu, welche I im Stundenplan diesen Fächern schon gewidmet sind, so müßte , es mit eignen Dingen zugehen, wenn nicht, besonders in mehr- ' klassigen Schulen, Erfreuliches geleistet werden sollte. Die j Schüler könnten ohne zu große Anstrengung dahin gebracht I werden, daß sie die nicht zu schweren Theilc der Bibel, also | beit Pentateuch, die ersten Propheten und einige andere -Bücher im Urtexte verständen. Begabtere Ivürden, besonders j in mehrklassigen Schulen, auch schtverere Partien lesen können. : Jüdische Geschichte, worauf bisher so wenig in Schulen geachtet wird, könnte gepflegt werden; und was ist Wohl geeigneter, Liebe zu unserer Religion zu Wecken und zu stärken, als gerade jüdische Geschichte? Noch mehr kann erreicht werden. Die nteisten Lehrer, besonders die jüngeren, haben die Befähigung Kinder für dir mittleren Classen eines Gymnasiums oder einer Realschule vorzubereiten. Ein Theil der Mehrleisttutg der Lehrer über das vorgeschriebene Maß könnte sich auf diese Vorbereitung erstrecken, wodurch unter andern Vorthcilcn auch der erreicht würde, daß die Kinder bis nahe zur nVÄ “D dem öffentlichen Gottesdienste beiwohnen könnten. In Städten ohne höherr Lehranstalt deckt sich der Mehraufwand für die Schule dann schon leicht dadurch, daß die Eltern ihre Kinder längere Zeit im Hause behalten können. Aber selbst in Städten mit höherer

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