Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 43 (1879)
- Issue
- Heft 36 (2.9.1879)
- Date
- 1879-09-02
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Altg ein c i ne » Ein Mportciischcs Organ für alles jüdische Interesse. Diese Zeitung erickieknt wöchentlich einmal in 2 di» 2'/, Dogen. Preis Vierteljährig 3 Mark. Inserate werden mil 20 Pf. für die Peritzeile oder deren Raum berechnet. Mle Postämter und Buchhandlungen nehmen Bestellungen an. ' Beilagen werden mit 12 Mark berechnet. Herausgcgeben von Rabbiner Dr. Ludwig Philippjon in Bonn. Bcrlag von Bamngärtner's Buchhandlung in Leipzig. In redactlonellen Angeleaenheiten :rende man sich an Nr. e. Philippso, in Bonn: hinstchtlich der Inserate an A. Masse in Vcivrig NUS vcffen Filialen in Berlin. Breslau re. Inserate, n elwe bisvonnerilag eingehen, finden in der darauffolgenden Nummer Berücksichtigung. 43. Jahrgang. Leipzig, den 2. September 1879. JS 30. afnbaft. Leitende Artikel: Zur Situation. — Der Kampf in Rumänien. VII. — Da§ 25.jährige Jubiläum des jüdisch-theologiscben Seminars zu Breslau. — Streitfckriften für die Juden, ll. — Zeitungsnachrichten: Deutschland: Breslau, Deutsch-Erone, Leipzig, Bremen. — Frankreich: Paris. — Serbien: Belgrad. ~ Bonn: Notizen. Literarische Notizen.- - Feuilleton: Correspondenz: Lehrerversammlung. — Ein Bild aus dem Mittelalter (Forts.). Bonn, 27. Allgnst. Zur Situation. Die außerordentliche Verwirrung, in welche die Parteien im deutschen Reiche gerathen sind, und in der weder die Ziele noch die Machtstellung der einzelnen Parteien sich selbst und Anderen klar, aber ebensowenig die Wege zu erkennen sind, welche die Staatsregierung zu beschreiten beabsichtigt, macht es uns zur besonderen Pflicht, die Aufmerksamkeit wach zu erhalten und die Symptome nicht zu übersehen, welche llns die nächste Zukunft anzudeuten vermögen. Zu lailge schon und mit zu großer Anstrengung haben gewisse Parteien alle Welt gegen uns Juden aufzuhctzen, uns in jcVer möglichen Weise zu verdächtigen und zu beschuldigen, unsre Stellung nach allen Seiten hin zu untergraben gesucht, haben zu diesem Zwecke keine Dlittel gescheut, und wären sie die gemeinsten und niederträchtigsten, als daß wir nicht voraussctzen müßten, daß diese Parteien Wesentliches gegen uns im Schilde führen. Nun hat sich die Situation im deutschen Reiche völlig geändert, wenigstens im Reichstage. Durch den Anwachs der conscr-! vativen Parteien und die Schwenkung des Centrums hat die; liberale Seite die Mehrheit verloren und liegt diese gegenwärtig in der Verbindung der Conservativen und des Centrums. Daß dies uns mit Gefahren bedroht, kann sich Niemand verbergen. Das Centrum zeigt sich in dieser Hinsicht durch seine Preßorganc bereits völlig entschlossen. Wir werden dies sofort näher beleuchten. Weniger entschieden kann dies von den conservativen Parteien angenommen lverden. Ausschlag gebend ijt endlich nach dieser Seite hin die Staatsregienmg selbst. Es wird Jedem bcdünken, daß es einem Manne, wie Fürst Bismarck ist, unmöglich sei, nachdem er auf dem Berliner Congres; der Rechtsgleichheit aller Confessionen so nachdrücklich das Wort geredet, dieser irgend wie entgegen zu treten. Aber allerdings hat die Geschichte der modernen Politik zu oft Beispiele von der Wandlung gegeben, welcher auch die ernstesten Staatsmänner sich unterlverfcn, so daß tvir einen unerschütterlichen Ankergrund gesunden zu haben nicht vermeinen dürfen. Dabei ist es doch ersichtlich, daß sich das preußische Staatsministerium immer mehr nach rechts verschoben hat, und der neue Cultusminister hat offen bekannt, daß er in politischer wie religiöser Beziehung in wesentlichen Fragen mit Falk nicht übereinstimme. Nun gehört Falk zu der freiconservativen Partei und wir haben uns daher den jetzigen Unterrichtsminister weit mehr rechts zu denken. Dennoch können wir gegenwärtig annehmcn. daß in den jüngsten Veränderungen weit mehr ein Sieg des orthodoxen Protestantismus, als ein Sieg des Centrums und des Ultramontanismus enthalten sei. Was auch die Redner des letzter» vorgeben: sie haben mit, Aufgeben der von ihnen namentlich in ihren' Wahlprogrammen ausgesprochenen und betonten. Grundsätze dem Schutz- und Finanzzoll die Mehrheit verschafft, ohne daß ihnen für ihre kirchlichen Pläne irgend eine haltbare Bürgschaft gegeben worden. Wenn nun das Centrum in seinem