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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1879-08-26 · Heft 35 (26.8.1879) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
43 (1879)
Issue
Heft 35 (26.8.1879)
Date
1879-08-26
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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"Allgemeine Ein ililMtciischcs Organ flir alles jüdische Interesse- Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal i» 2 bi» 2'/, Dogen. Prri» Bierteljäbrig 3 Mark. Inserate werden mit 20 Pf. für die Perilzeile oder deren Raum berechnet. Alle Postämter und Buchhandlungen nehmen Bestellungen an. Heransgegeben von Rabbiner Dr. Ludwig WlippsüN in Bonn. Verlag von Bamngärtncr's Buchhandlung in Leipzig. Beilagen werden mit 13 Mark berechnet.! In rcdaclioneae» Angelegenbeiten > n-cude man sich an I»,. C. Philippsoa in - Bonn; binttckttich der Inserate n Ht.; zrrossc in ecivu'k nnd Scffttt Filialen in Berlin. Breslau :c. Znserale, nel-Ue biSvonnerrlageingehen» sinken in der darausiolgcnde» Rümmer Bcrüäsichtigung. 43. Jahrgang. Leipzig, den 26. August 1879. M 33. Inhalt. Leitende Artikel: Eine Antwort, die Reform betreffend. — Der Kampf in Rumänien. VI. — Strcitfcftriftm für die Juden. — Zeitungsnachrichten: Deutschland: Berlin, Gießen, Bielefeld, Frankfurt a. M., Aachen, Fürth. — Oesterreich-Ungarn: Aus Mähren. — Frankreich: Paris. — Belgien: Brüssel. — Bulgarien: Konstantinopel.— «Griechenland.- Athen. - Bonn: Notizen. — Feuilleton: Ein Bild aus dem Mittelalter (Forts.) — Bcrmischtes: Die Inden in Kairo. Etwas von der „Germania". i f ()<! thft c£. Bonn, 20. August. Eine Änlwort, die Uestrm betreffend. Unsre Artikel über ,,I^a morale de Meise“ haben uns mehrere zustimmende Zuschriften gebracht, unter welchen auch eine anonyme, „Ein Jehudi belcw" unterschrieben. Wir würden diese unbeachtet gelassen haben, wie Hunderte anonymer Schreiben, die uns im Laufe der Jahre zugekommen, wenn nicht ein ähnliches Schreiben aus einem anderen Theile des Vaterlandes nachgefolgt wäre und die darin geäußerte Ansicht sich nicht schon öfter an uns herangedrängt hätte. Es hieß endlich darin, daß auch unter unsren Glaubensgenossen die Demoralisation Platz gegriffen hätte, und dies die Folge der „Reform" sei. Der Briefsteller sagte von sich selbst, daß er kein frommer Jude, aber „Zeit seines Lebens auf dem Wege dahin" sei, und daß er, wenn er in die Synagoge komme, keinen „fremden Göttern dienen wolle". — Diese so schroff ausgesprochene Ansicht, welche gewisse Leute cisrigst zu verbreiten suchen, ist durch und durch falsch, und so einleuchtend dies jedem Sachkundigen ist, müssen wir sie doch einmal näher besprechen. Wir wollen dies nicht an der Hand theoretischer Voraussetzungen, sondern von der Erfahrung geleitet thun. Es wird hierbei zunächst die Reform des Gottesdienstes mit jener Umwandlung in Lebenslveise und Sitte und in der strengen Beobachtung überkommener Satzungen unter einander geworfen. Beide sind aber durchaus unterschieden. Als Knabe lebte ich in meiner Vaterstadt, deren jüdische Gemeinde die erste in Deutschland tvar, tvclche regelmäßige Predigt, Eonfirmation und eine getvisse Ordnung des Gottesdienstes eingeführt hatte. Doch tvar damals von den zahlreichen jüdischen Läden nur ein einziger, nnd zwar mit einem Flügel der Thür, am Sabbath geöffnet. In meinem vierzehnten Jahre kam ich nach Halle an der Saale, wo der Gottesdienst noch völlig in der alten verkommeueu Gestalt stattsand; aber von sämmtlichen jüdischen Läden tvar am Sabbath nur noch ein einziger geschloffen. Es ist dies jetzt über f>o Jahre her. Dabei ist zu bemerken, daß in Dessau nur deutsche Juden wohnten, während ein großer Theil der Halleschcn Gemeinde aus Leuten bestand die unmittelbar aus den frommen östlichen Provinzen gekommen tvaren. Ganz ähnlich fand ich es in vielen Gemeinden, welche ich späterhin besuchte. Was folgt hieraus!- Daß die Umwandlung in Sitte und Gesetz mit der gottesdienstlichen Reform gar nichts gemein hat. Vielmehr ist an den »leisten Orten die letztere lange Zeit nach der ersteren gekommen, und kann, daher gar keine Folgen haben, welche etwa mit dieser verbunden tvären. Woher ist nun diese Umtvandlung in Sitte und Gesetz gekommen? Mit Nichten könnt Ihr irgend einen oder mehrere einzelne Männer nennen, welche dieselbe ausgesprochen und bewirkt hätten. Mendelssohn hielt bekanntlich streng an den überkommenen Satzungen und Bräuchen, und stellte sogar eine Theorie des Judenthums ans, in welcher das Gesetz allein Raum halte. Es giebt eben keinen Refvrmator des Judenthums. Jene Umwandlung ging aus und in der

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