Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 43 (1879)
- Issue
- Heft 34 (19.8.1879)
- Date
- 1879-08-19
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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I Allgemeine OS Ji II Ein impartciischcs Organ für alles jüdische Interesse. I Dicke Zeitung ericbeint wöchentlich I einmal in 2 vi- 2'/, Lögen. Prei» j Vierteljährig 3 Mark. Inserate werden i mit 20 Pf. für die Perirzeilc oder deren I Raum berechnet. A.'le Postämter und Luchhandlungeu , nehme« Bestellungen an. Heraus gegeben von Rabbiner Dr. Ludwig PhilippslM in Bonn. Verlag von Baumgärmcr'ö Buchhandlung in Leipzig. Beilagen werden mit 12 Mark berechnet. In redactionellen Angelegenheiten , wende man sich an Nr. €. Pvilippson in; Bonn: dinücktlich der Inserate » Ht. - Masse in Leipzig und dessen Filialen in Berlin. BrcSlau re. j Instratk, welche disvouaerita-eingehen,! finden in der darauffolgenden Nummer! Berücksichtigung. 43. Jahrgang. Leipzig, den 19. August 1879. As 34. Znbntl. Leitende Artikel: l^a morale lle Aloise prr L. Xstruc. HI. — Der Kampf in Rumänien. V. — Zeitungsnachrichten: Deutschland: Berlin. — Oesterreich-Ungarn: Aus «alijten. — Frankreich: Paris. — Schwei z: Bern.' — Großbritannien: London. — Amerika: New-York. — Aegypten: Alexanorlen. — Feuilleton: Der Kuß in der Bibel. — Aus dem Volksleben mit seinen Licht- und Schattenseiten. Vlll. — Vermisch t es: Eine Hochzeit in Besan^on. O'Connell über die Juden. Verlobnngsfeier beim Rabbi von Sadagura. Bonn, 13. August. La morale de Moise par E. A. Astruc. iii.1) Als die modernen Lehrer des Judenthums begannen, den Inhalt der Neligionslehre systematisch zu behandeln, begingen sie, wenn auch aus erklärlichen Gründen, den Fehler, das bei den christlichen Theologen gewohnte Schema anzunehmen und an die Lehre von Gott die „Sitten- oder Pflichtenlehre" zu schließen, unter welcher letzteren man eben nur die Moralvorschriften für das Individuum in seinem Verhalten gegen andere Individuen versteht. Dem Christenthum ist dies völlig entsprechend. Es proclamirte sich von seinem Ursprung an als eine Religion des Individuums, die allein das individuelle Seelenheil befaßt und bezweckt. Desto mehr widersprach dieses Verfahren dem Mvsaismus und dem gesammten Judenthume. Allerdings findet man diese Anschauung auch in der heiligen Schrift da, wo bereits die Religion des Individuums ihre Anbahnung findet, z. B. Ps. 10. 24, 3, wo der Ausdruck: „den Berg des Herrn besteigen", das bedeutet, was späterhin die Erlangung der Seligkeit benannt wurde. Der Mvsaismus will die Einheit der Lehre und des Lebens; er betrachtet daher N Wir bitte» im ersten Artikel Rr. 30 S. 46? Sp. 2 Z. 3 v. o. zu lc.en: „dcS Guten und Schlechten", und Z. v „Reu- Seeland". den Menschen nicht in einer einzelnen, sondern in allen Beziehungen des Lebens; er erkennt ihn zuerst als das in einem unmittelbaren Verhältniß zu Gott stehende Geschöpf Gottes, dann als ein Mitglied der menschlichen Gesellschaft, der nationalstaatlichen Gesellschaft, der Familie und dann erst als Individuum an. Der Mvsaismus behandelt daher alle diese Beziehungen des Menschen als eine Einheit, als ein dem menschlichen Wesen inhärirendes Ganzes, von welchem ein einzelnes Interesse herauszllreißen völlig unstatthaft ist. Der Mvsaismus verbindet deshalb auf das Innigste, als ganz und gar einheitlich, das religiöse, sociale, politische und private Leben des Menschen, ja auch das leibliche in seiner Verbindung mit dem seelischen, stellt als höchstes Princip die Heiligung, „wie Gott heilig ist", auf und specialisirt dies dann in dem Princip der Verehrung des einzigen, unkörperlichen, heiligen Gottes, in den Principien der Gleichheit, der Freiheit, des Rechtes, der Nächstenliebe und der leiblich-seelischen Reinheit. Dies hat auch das Judenthum in seiner weiteren Entwicklung stets festgehalten und das talmudische Judenthum hat nicht blos die rituellen und moralischen Vorschriften, sondern auch alle socialen und politischen Verhältnisse, das ganze Jus als integrirende Theile des jüdischen Religionssystems behandelt, und deshalb mit vollem Ernst und Eifer Fragen diseutirt, die damals schon nach der politischen Lage der Juden gar keinen practischen Boden und Anhalt mehr hatten. Es ist daher wohl möglich, einzelne Moralvorschriften nach den mosaischen Aussprüchen zu behandeln, aber wer hiermit „die Moral Mosis'" zu geben meint, geht vollständig fehl und