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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1879-08-05 · Heft 32 (5.8.1879) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
43 (1879)
Issue
Heft 32 (5.8.1879)
Date
1879-08-05
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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) Mlkgemeine itllilC Ein unpartciischcs Organ für alles jüdische Interesse. Diese Zeitung erickeint wöchentlich einmal in 2 diS 2'/, Bogen. Preis Bi^tirll.'ivrig3Mark. Inserate werden mn 20 Pf. für die Peiikzriie oder deren Raum berechnet. Alle Poi'täuncr und Buchhandlungen nehmen BcsteNungen an. Herausgegeben von Rabbiner I)r. Ludwig Philippson in Bonn. Verlag voll Baumgärtncr's Buchhandlung in Leipzig. In rcdactioneNen Angelegenheiten :rende man sich an Kr. £'. Pditippso« in Bonn; hinsichtlich der Inserate '» A. Zllosse in rciviig uuB -rfft» Filialen I in Berlin. Breslau re. 1 Inserate, >el t e bisvannrrilag einzehen, finden in der darauffolgenden Plummer Berücksichtigung. Beilagen werden mit 12 Mark berechnet. 43. Jahrgang. Leipzig, den 5. August 1879. Jß 32. .Inhalt. Leitende Artikel: lieber russisch-jüdische Zustände. — Der tt mpf m Rumänien. III. — Zeitungsnachrichten: Deutschland: Berlin/Bonn, Freiburq i. Br., Emden. — Italien: Aus Oberitallen. — Belgien: Brüssel. — Großbritannien: London.— Türkei: Konslantinopel. - Serbien: Belgrad. — Amerrka.- Rew-Aork. — Bonn: Notizen. — Feuilleton: Bermischtes: Richard Wagner und Emile Zola. i?eitcu<)6 (ftthfieC. Bonn, 30. Juli. lieber rufltfdj-jiiMfdje Zustände. Wir theilen aus einem Petersburger Briese folgende charakterisirende Stelle mit. Petersburg, 18. Juli. „Man haßt uns, man fürchtet uns, man verfolgt uns hier zu Lande wegen einer Tugend, die man uns andichtet. Diese ist die Solidarität, die Brüderlichkeit des jüdischen Volkes, die man seit dem Erscheinen des berüchtigten dcnunciatorischcn Pamphlets von Bravmann mit dem Worte „Kahal" gebrandmarkt hat. So oft die Rede auf die Erlveiterung der Rechte der Juden kommt, sofort wird der „Kahal" mit all' den ihm zugemutheten Schrecken und Gräueln herausbeschworen, um die Gefahr zu zeigen, welche die Judenemancipation im Schooße berge. Unglücklicher Weise wird uns diese Tugend, die einst unsere Väter, und unsere Brüder im Auslande noch heute so rühmlich auszeichnet, nur angedichtet, in Wirklichkeit sind kaum ihre Spuren noch nachgebliebcn. An die Stelle jener Solidarität und Brüderlichkeit ist eine gräuliche Zerfahrenheit und eine bis auf die Spitze getriebene Uneinigkeit und Interesselosigkeit gegen das Schicksal unseres Volkes getreten. Doch das wäre noch so schlinun nicht, wenn es auf bloßer Indolenz und zeitweiliger unbewußter Apathie beruhen würde, dann brauchte nur ein Wecker zu kommen, der an die erkalteten Herzen Israels pocht, sie erwärmt, heiliges Interesse darin lveckt, und die alte Einheit würde in verjüngter Kraft frisch erwachen und Großes schaffen, wie wir es in unserer Geschichte oft gesehen haben. Dem ist aber nicht so. Unsere Zerfahrenheit, unser Jndiffercntismus sind meist bewußt und systematisch. Sie sind die Productc einer Verworrenheit der Ideen, die Frucht falscher Meinungen, die sich als elvige Wahrheiten geberden. Man beruft sich auf die allerneuesten Ideen und die letzten Resultate der Wissenschaft. Die. Einen schwören auf die Wahrheiten des Romans „Daniel Deronda" und träumen von einer baldigen Herstellung des jüdischen Reichs: „Jedes Volk muß sein Land undseinen Staat haben", und man bombardirt mit National-Staats-Theorien, während die Andern meinen, aus diesem Grunde eben müßten die Juden, die schon seit zwei Jahrtausenden ihren Staat und ihr Land verloren Haben, aufhören, Juden zu sein. Und wieder Andere sehen von der Höhe des Kosmopolitismus auf unsere Bestrebungen als auf eine Beschränktheit und Kleimnüthigkeit herab. „Es ist höchste Zeit, daß auch Juden Menschen werden und auf ihre „Auscrwähltheit" verzichten." „Wozu diese qualvolle, langwierige Agonie?" Bei alledem fehlt eS auch nicht an Solchen, die partout nach „dem gelobten Lande" tvallen, den Tempel auf Morias Höhen aufrichten, auf den Altären Opfer; rauchen lassen, die Fahnen Jehuda's auf den Thürmen ZionS aufpflanzen.wollen. Man sieht sich oft in der höchst traurigen Lage, den Juden gegen den Juden vertheidigen zu müssen. Ich spreche schon nicht von den Angriffen jener edlen Heldenseelen, die mit Koth auf ihre Väter werfen und über

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