Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 43 (1879)
- Issue
- Heft 30 (22.7.1879)
- Date
- 1879-07-22
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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IX M ttg e m ei n e.- > Gilt tmMtciischcs Organ für alles jüdische Jnlereffc. Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal in 3 diS 2>/, Bogen. Preis Bierreljährig 3 Mark. Inserate werden m,r Lv Pf. für tote Petitzeile oder deren Raum berechnet. Alle Postämter und Buchhandlungen nehmen Bestellungen an. Herausgegebeu von Rabbiner Dr. Ludwig Philippson tu Bonn. Verlag von Baumgärtucr's Buchhandlung in Leipzig. Beilagen werden mit 12 Mark berechnet. In redactionellen Angelegenheiten wende man sich an Dr. t. Philippson in Bonn; hinsichtlich der Inserate an Hl. Masse in rcipzia und dessen Filiale» in Berlin. BreSlau re. . Inserate, welche biS vomieritag eingehen, finden in der darauffolgenden Nummer Berücksichtigung. 43. Jahrgang. Leipzig, den 22. Juli 1879. Jß 30. Znbnlt. Leitende Artikel: La morale de Moise par R. A. Astrue. I. — Der Kampf in Rumänien. — Zeitungsnachrichten: Deutschland: Berlin, Frankfurt a/M., .Hamburg, Trier, Minden, Stuttgart. — Oesterreich-Ungarn: Aus Galizien, Krakau, Lemberg. — Belgien: Brüssel. — Türkei: Aus Ostrumelien, Lonstantinopel, Philippopel. — Rußland: Moskau..— Bonn: Notizen. — Feuilleton: Antipessimistische Tenksprüche (Forts.). — Vermischtes: Immer zwei verschiedene Maße. Bonn, 16. Juli. Ea morale <le Moise par E. A. Astrue. i. Bekanntlich stehen sich in Belgien, wie auch in Frankreich, die „Freidenker" und die Clericalen im heftigsten Kampfe gegenüber. In Frankreich haben die ersteren gegenwärtig eine sehr große, in Belgien eine knappe Majorität für sich. Dieser Kampf stcht sich daselbst nicht blos in der Literatur und Tagespresse, sondern auch auf dem politischen und insonders auf dem gesetzgeberischen Gebiete aus. An irgend eine Vermittelung, an eine Ausgleichung oder Abschleisung der Extreme ist nicht zu denken, denn diese beiden großen Parteien sind eben selbst Extreme. An und für sich nun ist das Judenthum eine Mitte zwischen dem Clcrikalismus und der radikalen Freidenkerei. Aber daß cs darum nicht im Stande ist, eine Vermittelung zu erwirken oder nur in einer entscheidetlden Weise zu repräsentiren, liegt in der Natur der Sache, die nicht tvenig durch die Geringzähligkeit seiner Bekenner in den gedachten Ländern bestimmt wird. Selbstverständlich soll das Judenthnm auch unter den heftigsten Kämpfen der Parteien« seine Stellung fefthalten, behaupten und unter Umständen kräftig kundgeben. Dahingegen ist ein absichtliches Hinaustreten in den wüstenKäm pf,' derentbrann t ist,' unserer Meinung nach nicht rathsam, da dies einentheils erfolglos, andrcntheils aber darum schlüpfrig ist, weil hier zu weit gehende Eonnivenz, über das wahre Judenthüm hinausgreifende Concessionen allzu leicht eintreten. Noch nachdrücklicher scheint es uns aber geboten, daß, wenn ein jüdischer Kämpe ein derartiges Expcrintent unternimmt, er nach jeder Seite hin vollkommen gerüstet, mit gründlicher Auffassung und Beweisführung auftreten müsse. In diese Gefahr hat sich jüngst Herr Großrabbiner Astrue abermals begeben, indetn er gerade in den heißesten Schlachttagen des belgischen Kampfes in der Ilevue de lielg-ique vom 15. Juni einen Aufsatz: „La morale de Aloise“, erscheinen ließ. Daß er einen Standpunkt der Mitte einnehmen wollte, giebt er selbst an, indem er einerseits die bekannte Rede des verstorbenen Bischofs Dupanloup in der französischen Nationalversammlung citirt, in welcher dieser die Zehngebote als die höchste Moral enthaltend, als das einzige Heil, zu welchem sich die Gesellschaft retten. könne, verherrlichte; andrerseits aber die Worte anführt, die jüngst ein junger Redner in der belgischen Kämmer aussprach und in denen dieser die Zehngebote als unendlich unter dem Niveau der gerechten Ansprüche der gegenwärtigen Welt bezeichnete (infiniinent au-dessous des aspiralions legitimes du münde contemporain). Die Tendenz des Herrn Astrue ging nun dahin, ohne dem Bischof in allen Stücken Recht zu geben, dem andern Redner gegenüber die Trefflichkeit der mosaischen Moral an's Licht zu stellen. Der Erfolg seines Artikels war der, daß er von der clerikalen Preffe auf's Heftigste angegriffen, von der. liberalen Preffe aber in einer Weise vertheidigt wurde, die ihm keine große Freude bereiten känn. Was uns betrifft, so