Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 43 (1879)
- Issue
- Heft 25 (17.6.1879)
- Date
- 1879-06-17
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Allgemeine Ein imMtciischcs Organ für alles jüdische Interesse. Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal in 2 bi« 2'/, Bogen. Prei« BierteljLhriaAMark. Inseralewerden mit 20 Ps. für die Pctirzeile oder deren Raum berechnet. Alle Postaniter und Buchhandlungen nehmen Bestellungen an. „p » * » f.« u nntt ' In redactionellen Angelegenheiten Herausgegeben von wende man sich an I»r.e. Pdilippiay i» Bonn: hinsichtlich der Inserate n A. Rabbiner O,-. QiLwig Philipps-N in Bonn. > *“"",7 | jufrralf, u «lcke bi« Danntritag eingehen,! finden in der darauffolgenden Nummer Verlag von Baumgärtncr'ö Buchhandlung in Leipzig. j__Berücksichtigung.__ Beilagen w er beit mit 12 Mark berechnet. 43. Jahrgang. Leipzig, bm 17. Juni 1879. .*? 25. Inhalt. Leitende Artikel: Zur Situation in Deutschland. — Tie Einheit der Ideen in der heiligen Schrift Israels. X. — Das Beispiel einer Mischehe. — Zeitungsnachrichten: Deutschla nd: Berlin. Aus dem Kreise Kosten, Aus Württemberg, Aus Rhein- Hessen, Braunschwcig, Linz a. Rhein, Nordhauscn. — Oesterreich-Ungarn: Wien, Lemberg, Czernowitz. — Frankr eich: Paris. — Belgien: Brüssel. — Großbritannien: London. — Rumänien: Bukarest. — Türkei: Constantinopel. — Bonn: Notizen. Literarische Notizen. — -fettende Aus der Schweiz, 5. Juni. Iur Situation in Deutschland. Ihr Artikel in Nr. 23, in welchem Sie die Aufmerksamkeit auf die neue Lage der Dinge in Deutschland lenken, hat auch in unsrem Kreise einen lebhaften Wiederhall gefunden. Sie wissen, ich bin nicht etwa ein politischer Flüchtling, sondern der Lebensberuf. hat mich in das Ausland geführt; ich habe keine Ursache, meinem Vaterlands zu zürnen, und habe .mir die wärmste Anhänglichkeit für dasselbe erhalten. Um so lmparteiischer bcurtheile ich und Andere, die sich in derselben Lage befinden, die Entwicklung oder sage ich besser den Umschwung, der sich im deutschen Reiche vollzieht. Da lassen Sie mich zuerst bcrncrken, wie durch die neuesten Vorgänge zu unsrem liefen Bedauern die Sympathien, die in den letzten Jahren, besonders auch durch den Berliner Eongrcß, für Deutschland in den anderen europäischen Staaten ertvacht waren, sich wieder in das Gegentheil gewandelt und sich Frankreich zugcwandt haben, das sich liberaler, geordneter und an Hülfsmitteln reicher erweist. Uns Deutschen im Auslande ist dies höchst fatal; aber ich glaube, daß eine solche Umwandlung in der europäischen Meinung auch innerhalb des deutschen Reiches nicht gleichgültig sein könne, denn cs liegt doch ein schwerwiegendes Urtheil darin und unter Umständen kann es auch sehr fühlbare Ihatsächliche Wirkung haben. Das Schlimmste ist, daß man in Europa seit 1866 gewohnt ist, jedem Schritte Deutschlands einen entschiedenen Charakter beizulegen, den eines Kampfes oder Krieges, durch dessen Ausgang ein Entweder-Oder erreicht werden soll, und so erblickt man in der „Zollrcform" einen Zollkrieg gegen die Staaten ringsum und in dem Sturz der liberalen Partei einen Krieg gegen den Liberalismus. Wir hier draußen sehen mit eineüi Male diejenige Partei, welche gegenwärtig in Frankreich und Belgien zur Minorität geworden, auf lange Zeit nicht die geringsten Aussichten hat und gegen die bestehende Gesellschaft und Staatsform den heftigsten Krieg führt, dieselbe Partei, die auch im deutschen Reiche eine Minorität und die Reichsregierung bekäinpfende war, mit einem Male gouvernemental und in Verbindung mit den Conservativen zur bedeutenden Majorität geworden. So Plötzlich dies erscheint, so glaubt man doch, tvenigstens auswärts, daß es seit längerer Zeit geplant und vorbereitet worden. Die Vermehrung der Conservativen im Reichstage, die doch früher ebenfalls zur Opposition gehörten, ist zu offenbar gefördert worden und nicht minder die Annäherung des Ccntrums, als daß eine absichtliche Leitung nicht vorausgesetzt werden sollte. Dies sind ja auch die Parteien, welche seit vielen Jahren den ungerechtesten und schmählichsten Krieg gegen die Juden führen, die Jahre lang Alles daransetzten, um das Volk zu Thatlichkeiten gegen die Juden aufzuhetzen, und da ihnen dies nicht gelang, die Juden so verächtlich und verhaßt zu machen strebten, daß späterhin das Princip der Gleichberechtigung tvieder außer Geltung zu bringen, einige Aussicht hätte. Die Tendenz dieser Parteien geht nicht