Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 43 (1879)
- Issue
- Heft 24 (10.6.1879)
- Date
- 1879-06-10
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Allgemeine Em nnpartcilschcs Organ für alles jüdische Jntereffe. ♦ Diese Zeitung erscheint wöchentlich einui a l in 2 bis 2'/, Bogen. Preis Dierteliähria 3Mark. Inserate werden l mit 20 Pf. für die Petitzeile oder deren Raum berechnet. Alle Postämter und Buchhandlungen nehmen Bestellungen an. Herausgegeben von Rabbiner Dr. Ludwig Philippsim in Bonn. Verlag von Baumgärtner's Buchhandlung in Leipzig. Beilagen werden mit 12 Mark berechnet. In redactionellen Angelegenheiten wende man sich an Dr. f. Philipps», in Bonn; hinsichtlich der Inserate an A. Masse in Leipzig und dessen Kilialen in Berlin. BreSlau re. Iaseratr, welche biSvonnrrrlag eingehen, finden in der darauffolgenden Nummer Berücksichtigung. 43. Jahrgang. Leipzig, den 10. Juni 1879. Jß 24. Inhnli. Leitende Artikel: Die Anerkennung des Judenthums. — Die Einheit der Ideen in der heiligen Schrift Israels. IX. — Zeitungsnachrichten: Deutsch!« nd: Berlin, Bonn, Nürnberg, Darmstadt. — Oesterreich-Ungarn: Wien, Aus Böhmen. — Frankreich: Paris. — Italien: Aus Italien. — Belgien: Brüssel. — Rumänien: Bukarest. — China: Peking. — Bonn: Notizen. Literarische Notizen. — Feuilleton: Ein Bild aus dem Mittelalter. (Forts.) — Antipessimistische Denksprüche. (Forts.) -fettend ßLiti&ei. Bonn, 4. Juni. Die Anerkennung des Iudenthums. Wenn die Nachwelt Nichts als die Presse der reactionärcn Parteien dereinst zu lesen hätte, so würde sie über die gegenwärtigen Jlldcn einen ganz außergewöhnlichen Begriff erhalten. Blickte sie, die von allen Vorurtheilen befreite, auf das friedliche, nur in seinen religiösen Anschauungen und in seinen geschichtlichen Erinnerungen von den übrigen Staats- und Weltbürgern verschiedene, in allen sonstigen Zwecken und Zielen, Triebfedern und Beschäftigungen mit ihnen übereinstimmende Häuflein der Bekenner des Judenthums und würde nun all' die Auslassungen des rcactionären Schriftthums der heutigen Zeit über die Juden wahrnehmen: so glaubte sie sicher, diese wären im neunzehnten Jahrhundert von einem dämonischen Geiste besessen und mit einer dämonischen Macht ausgerüstet gewesen! Denn was wird heutzutage von gedachter Seite dem Judenthum und den Juden nicht Alles zugeschrieben?! Der ganze Liberalismus ist Judenthum, alle liberalen Institutionen jüdisch, eine humane Justizgesetzgebung jüdisch, die ganze liberale Preffe von Juden und Judenfreunden hergestellt und geleitet, der Freihandel, die Gewerbefreiheit, die Freizügigkeit jüdische Erfindungen, alle Capitalien der Welt in den Händen der Juden, alle Industrie von ihnen abhängig; in den Parlamenten herrschen sie vor, in alle Aemter drängen sie sich ein; hier überwältigen sie das mächtige Germanenthum, das während zweier Jahrtausende allen Stürmen getrotzt hat, dort fühlt sich das Rumänenthum von ihnen auf's Schwerste gefährdet. Da schreibt ein Herr von Thüngen an den Fürsten Reichskanzler, daß die Grundbesitzer ganzer Landstriche die Hörigen der Juden geworden seien, und der Brief wird von dem Adreffaten mit Gunst ausgenommen; dort schreibt ein Kaufmann in Lahr an denselben Reichskanzler, er möge wie einst vr. Martin Luther das Papstthum, so „das Alles überwuchernde Judenthum" bekämpfen und das Germanenthum zum Siege führen und die ofsiciöse „Nordd. Allg. Zeitung" druckt den Brief ab und sieht ihn also als eine von officieller Seite gebilligte. Kundthuung an. Es sind dies nur einige Züge, wie sie täglich in der Preffe aller reactionären Parteien, der ultramontanen voran, zum Vorschein kommen und mehr oder lveniger drastisch illustrirt werden. Die Nachwelt, wie gesagt, wird sich kaum eine Vorstellung davon zu machen vermögen. Bedenkt sie, daß es sich hierbei nur um den 84sten Menschen im deutschen Reiche handelt, daß diese halbe Million Juden vor einem Jahrhundert uvch schwer geknechtet waren, vor einem halben Säculum erst in Etwas von ihren Feffeln erleichtert lvurden, und erst kaum seit dreißig Jahren die volle Gleichberechtigung erhalten haben : so wird sie sich vor den Scheideweg gestellt sehen, alle diese Expectorationen als lächerliche, aber tendenziöse Uebertreibungen anzusehen, welche die Wahrheitsliehe und das Gerechtigkeitsgefühl dieser Parteien äußerst verdächtig machen, oder sie muß das Judenthum und dessen Bekenner für eine riesige, fast gespenstische Erscheinung halten, für welche sie nun in ihrer