Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 43 (1879)
- Issue
- Heft 21 (20.5.1879)
- Date
- 1879-05-20
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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"Allgemeine Ein unparteiisches Organ für Mes jüdische Interesse. Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal in S bi» S'/, Bogen. Prei» Dirrteljährig z Mark. Inserate werden mit L0 Pf. für die Petitzeile oder deren Raum berechnet. Alle Postämter und Buchhandlungen nehmen Bestellungen an. Herausgegeben von Rabbiner Dr. Ludwig Wlippsou in Bonn. Verlag von Bamngärtner's Buchhandlung in Leipzig. Beilagen werden mit 12 Mark berechnet. In redactiouellea wende man sich an l»r. r. Wi8»»s«, i» Bonn; hivüchtlich der Inserare.« A. Masse in eeipM-wn» »eAe» Zllisle« in vcrrin. «ne«»» J«. welitie bjSvoa»kr«t»?«ngehc», finden in der darauffolgenden Nummer Berücksichtigung. 43. Jahrgang« Leipzig, den 20. Mai 1879. JS 21. Inhult. Leitende Artikel: Die Einheit der Ideen in der heiligen Schrift Israels. VIII. — Zeitungsnachrichtr«: Deutschland: Berlin. Bonn, Leipzig, Cassel, Emden. — Oesterreich-Ungarn: Pest, Ofen, Wien. — Schweiz: St. (&oSm. — Groß» Britannien: London. — Rumänien: Bukarest. — Rußland: Aus Livland, Petersburg. — Bonn: Notizen. —. FvMeH«: Amipessimistische Denksprüche (Forts.). — Plaudereien. Gelten cte &Lxh(lei. Bonn, 14. Mai. 8ie Einheit der Ideen in der heiligen Schrift Israels. VIII. 11) Die demokratische Anschauung. Fünfzehn Jahrhunderte — mit Ausnahme des babylonischen Exils — haben die Israeliten ein nationales Leben in Palästina gehabt. Denn selbst als sie unter der Oberherrschaft der Perser, Macedonier, Syrer und Römer standen, lebten sie doch nach ihren nationalen Einrichtungen, Gesetzen und Bräuchen und verwalteten ihre bürgerliche Gesellschaft selbstständig. In diesem ganzen Zeitraum nun war ihre politisch-sociale Verfassung, ihr ganzer gesellschaftlicher Zustand demokratischer Art, und selbst wenn, wie sich dies in einem so langen Volksdasein von selbst versteht, aristokratische und monarchische Richtungen eintraten, nahmen sie eine demokratische Färbung an oder vermochten doch nicht die demokratische Grundlage zu beseitigen. Wir vermögen dies heute noch in den biblischen Schriften zu erkennen und zu verfolgen. In jedem politisch gebildeten Volke kommen neben den realen Zuständen auch politische und sociale Theorien zum Vorschein. So sehr nun auch solche Theoreme Erzeugniß von Individuen sind, so wird sich doch immer der eigentliche Volkscharakter, der vorherrschende Zug der Volksseele in ihnen widerspiegeln. Man wird z. B. an den politischen Systemen des Plato und des Aristoteles den gemeinsame» hellenischen Geist, so verschieden sie Mich psfe, erkennen. Darum sind solche Theorien doch wieder nur Zeugmffe für das nationale Leben des Volkes. Wenn nun, wie wir behaupten, in den biblischen Schriften das demokratische Leb«, der Israeliten klar zu Tage liegt, so dient dies wiederum zum Beweise ihrer Einheit, indem wir Nirgends Widersprüche gegen diesen demokratischen Geist finden. Hierbei stellen das «ssaische Gesetz und die Propheten die Theorie, das Ideal vor, während die geschichtlichen Bücher uns die wirklichen Zustände zehnen oder doch andeuten. Wir sagen also, daß die in allen biblischen Schriften zu Tage tretende demokratische Anschauung und Verfassung abermals ein Zeugniß für die Jdeenemheit Jener ab-- giebt, und zwar um so bedeutungsvoller, als es sich um ein über fünfzehn Jahrhunderte sich erstreckendes VolksLben handelt. Aber auch hier kommt es nach dem Zwecke diösvr Abhandlungen uns nicht sowohl darauf an, ein erschöpfendes Bild der social-politischen Zustände Israels zu geben, und deren demokratische Ideen nachzuweisen, als dielmehr die Uebereinstimmung der uns überkommenen Schriften hierin zu erörtern, und wir thun dies zunächst an zwei ganz concreten Mnrichtzmgen, an den E'2pr „Alten, Aeltesten", und «MornehnM, Fürsten". Als Moses nach Aegypten kam, um die HsraeKlen zu befreien, versammelt er die „Aektestou um fee mit dem Werke, das er vorhat, bekannt zu machen; sic begleiten ihn zu Pharao und sie sind es, die das Gesetz zur Feier des Peßach erhalten, um es dem Volke kund zu gebe» (2 Mos. 3, 16; 4, 29; 12, 21). Man «sieht hieraus, daß diese „Nettestes sowohl die Vertreter des VÄkes «sch oben und