Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 43 (1879)
- Issue
- Heft 20 (13.5.1879)
- Date
- 1879-05-13
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Allgemeine lilln mm, Cm unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal in 2 bi» 2'/, Bogen. Prei« Vierteljährig 3Marl. Inserate werden mit 20 Pf. mr die Petitjeile oder deren Raum berechnet. Alle Postämter und Buchhandlungen nehmen Bestellungen an. Herausgegeben von Rabbiner vr. Ludwig Philippson in. Bonn. Lcrlag von Baumgartners Buchhandlung in Leipzig. Beilagen werden mit 12 Mark berechnet. In redactionellen Angelegenheiten wende man sich an Nr. f. Phittxpso» in Bonn: hinsichtlich der Inserate in M. Masse in vciviig und dessen Zitliale» in Berlin. BreSla» re. Inserate, welche biSvonntratayeingehen, finden in der darauffolgenden Nummer Berücksichtigung. 43. Jahrgang. Leipzig, den 13. Mai 1879. Jß 20. Inbnlt Leitende Artikel: Aus den hinterlassenen Papieren des Professors vr. Eduard Munk in Glogau. (Schluß.) — Analekten. III Havet et le Judaisme. — Zeitungsnachrichten: Deutschland: Berlin. Potsdam. Gelsenkirchen, Levern. Wiesbaden, Fürth, Darmstadt. - Oesterreich-Ungarn: Bonn. — Frankreich: Paris. — Rußland: Petersburg. — Amerika: St. Louis. — Bonn: Notizen. - Feuilleton: Antipessimistische Denksprüche (Forts.). — Vermischtes: Eine merkwürdige Rettung. -CelleH^e» ßixXä\et. Bonn, 7. Mai. Äus den hinierlassetten Papieren des Professors vr. Eduard Munk in Glogau. (Schluß.) Freilich konnten sich jene Verfasser nach den Anschauungen ihrer Zeit die Wiederherstellung des Tempeldienstes nicht ohne die der Opfer denken; daher heißt es in unseren Gebeten: „Daselbst wollen wir Dir lvieder darbringen die gebührenden Opfer und zwar die täglichen und die Festopfer, bestehend in u. s. w." Ein solches Versprechen können wir freilich heute nicht mehr geben; selbst der frömmste Jude wird cingestehen, daß die Wiedereinführung der Opfer unrnöglich ist. Wir werden im küilftigen Tempel, wie heute in unseren Synagogen, die Opfer durch Gebete ersetzen müssen, ein Ersatz, auf den schon die Propheten hingedeutet haben. Damm ist eine Aenderung jener die Opfer betreffenden Stellen eine Noth wendigkeil. Das hat auch Herr Joel richtig erkannt; ob nun aber die von ihm vorgeschlagene oder eine andere Formel zu wählen sei, das mögen Sachverständige entscheiden. Ueberhaupt dringe man nicht auf den Gebrauch eines und deffelben Gebetbuches in allen Gemeinden. Von jeher gab es , Gebetbücher nach verschiedenem Ritus, nach spanischem, provem,a-> lischem, deutschem, polnischem. Man laffe den Gemeinden die; Freiheit, sich das Gebetbuch zu wählen, das ihnen am paflendsten' scheint; in der Hauptsache stimmen alle Gebete überein; abweichende Einzelheiten sollen uns nicht Veranlassung zu einem Gesangbuchstreit geben. Neben dem Gebete ist die Vorlesung aus der heiligen Schrift ein Haupttheil unseres Gottesdienstes. Herr Lehmann eifert gegen den Gebrauch der Gesetzesrollen und ihren Schmuck: seit Erfindung der Buchdmckerkunst, meint er, könne man der kostbaren Handschriften entbehren und auch ihr Schmuck sei ein überflüssiger Luxus. Unser Reformator ist doch ein gar zu nüchterner Rationalist; er gönnt uns auch nicht die mindeste Spur von Poesie. Warum sollen wir nicht unsere Ehrfurcht vor dem Alter und der Bedeutung unserer Religionsurkunde durch die alterthümliche Form einer Handschrift und durch die äußere Verzierung versinnlichen dürfen? Warum sollen wir, wenigstens in unseren Synagogen, nicht berechtigt sein, anzudeuten, daß die Thora uns mehr ist als ein gewöhnliches Buch, daß sie das einzige kostbare Erbe ist, das uns von unseren Voreltern geblieben? Herrn Lehmann ist freilich die Thora ein Buch wie jedes andere, das erst einer strengen sittenpolizeilichen Censur unterworfen werden muß, ehe man es dem öffentlichen Gebrauch überläßt. Er will nämlich, daß man für die Vorlesungen in der Synagoge gleichsam erst eine eigene castrirte Ausgabe, eine editio in usuiu Delphini, veranstalte, aus der alle indecenten Stellen entfernt worden sind.!Was ihm indecent erscheint, das sehen wir aus dem heftigen! Tadel, den er gegen den Gebrauch richtet, am Nachmittage j des Versöhnungsfestes die Stelle 3 Mos.! 8, 1 —30, die vom ^Jncest und den unnatürlichen Gefchlechtsverirrungen und ihrer