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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1879-04-29 · Heft 18 (29.4.1879) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
43 (1879)
Issue
Heft 18 (29.4.1879)
Date
1879-04-29
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Allgemeine Ein imMrtciischcs Organ für alles jüdische Interesse. III MW Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal in r bi« 2'/, Bogen. Preis Vierteljährig ZMark. Inserate werden mit 20 Ps. iur die Petitzeile oder deren Raum berechnet. Alle Postämter und Buchhandlungen nehme» Bestellungen an. Herausgegeben von Rabbiner Dr. Lu-wig Philippson in Bonn. Verlag von Baumgärtncr's Buchhandlung in Leipzig. In redactionellen AnaeleaenheUe» wende mau sich an Nr. r. Philippso» in Bonn; hinsichtlich der Inserate an A. Masse in veipzig und dessen Filiale» in Berlin, vreüla» re. Inserate, welche bi-vonne»tageingehen. finden in der darauffolgenden Nummer Berücksichtigung. Beilagen werden mit l Mark 50 Pf. pro Hundert berechnet. 43. Jahrgang. Leipzig, den 29. April 1879. Jß 18. Inhalt. Leitende Artikel: Analekten. I. Renan und Mezieres. II. Die Jugendzeit Benjamin Disraeli'S. — Zeitungsnachrichten: Deutschland: Berlin. Bonn, Ratibor, Breslau. -Oesterreich-Ungarn: Wien, Pest, Lemberg. — Frankreich: Paris. — Belgien: Brüssel. — Schweden: Gothenburg. — Serbien: Belgrad. — Rumänien: Bukarest. — Rußland: Petersburg. — Bonn: Notizen. - Feuilleton: Antipessimistische Denksprüche (Forts.). — Aus der Geschichte der israelitischen Gemeinde zu Bolechow in Galizien. — Bermischtes: Die Deutschen und die Juden. , _, __ J?ct1eu0& (SL'dJici. Bonn, 23. April. ÄnaleKten. I. sttcuan uud Mezieres. In den Nmnmern des Journal des Debats vom 5. bis 11. April finden wir ein seltsames, man kann sagen, tragikomisches Schauspiel. Renan hat endlich den längstverdienten Sitz in der Academie fran^aise eingenommen In der desfallsigen Sitzung der Academie hielt Renan der academischcn Gewohnheit gemäß eine Lobrede auf seinen Vorgänger Claude Bernard. Was er an dem großen Naturforscher zu rühmen nicht verstand, ersetzte er durch einen schmählichen Angriff auf die deutsche Wiffenschaft, der er doch sein Bestes entlehnt hat, und durch die Glorification der französischen Gesellschaft, wofür ihm ein enthusiastischer Beifall wurde. Der zeitige Präsident, der Literarhistoriker Mezieres, hatte ihm zu antworten, wobei er die Ansprüche des Aufgenommenen auf den ihm ertheilten Sitz zu würdigen hat. Mezieres that dies, indem er, oft in merklich ironischer Weise, die Einbildungskraft und den Styl Renan's ausnehmend rühmte, aber ihm jeden Werth als Geschichtsforscher und Denker absprach. Unter Anderem rückte er ihm vor, vom Apostel Paulus, den er doch als eigentlichen Begründer des Christenthums darstelle — worin Renan nur deutschen Gelehrten folgt — ein Portrait entworfen zu haben, das einer Carrikatur ähnlich sei, und wobei Renan thne, als ob er eine Photographie des Apostels vor sich gehabt hätte. Renan schildert nämlich Paulus an der betr. Stelle seiner Geschichte der Apostel als „einen kleinen häßlichen Juden mit einem Kahlkopf und Säbelbeinen, einer Adlernase, über der die Brauen zufammengewachfcn sind, gelbem Gesicht, schwarzem dicken Bart und hohen Schultern." Renan konnte diesen Vorwurf, sich eine Carrikatur ausgedacht zu haben, nicht auf sich sitzen lassen, und in einem langen Schreiben in dem gedachten Tageblatt versucht er nachzuweisen, daß diese Schilderung den Quellen entnommen sei. Er citirt hierfür einen griechischen Roman, der ein Jahrhundert nach dem Tode des Paulus abgefaßt worden, und den Byzantiner Nikephoros, welcher im neunten Jahrhundert geschrieben hat. In der folgenden Nummer antwortet Mezieres, ironisirt zuerst die geschichtliche Bedeutung dieser Quellen, und weist dann nach, daß jedenfalls die hohen Schultern, der dicke schwarze . Bart und der gelbe Teint Eigenthum Renan's sind, das er Dem, was jener Roman und der Byzantiner berichteten, hinzugefügt habe. Die Redaction fetzt hinzu, daß Renan dies nicht zugestehe, und so haben wir Wohl noch eine Replik über den Bart und die Schultern des Apostels Paulus zu erwarten. Die Franzosen machen sich so oft über die Mikrologie der deutschen Gelehrten lustig, daß man ihnen einen solchen academischen Disput Wohl gönnen kann. Wir aber mögen uns daraus abermals ein Zeugniß nehmen, wie viel die Geschichtstreue Renan's Werth ist, der in demselben Werke über die Juden in gleicher theatralischer Weise so absprechend geurtheilt hat und sie seit zwei Jahrtausenden als Skelette und Gespenster umherwandeln

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