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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1879-04-08 · Heft 15 (8.4.1879) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
43 (1879)
Issue
Heft 15 (8.4.1879)
Date
1879-04-08
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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4 Allgemeine Ein iiilpartciischcs Organ für alles jüdische Jlüereffe. Herausgegeben von Rabbiner Dr. Ludwig Philippsrm in Vomr. Verlag von Baumgärlncr's Buchhandlung in Leipzig. Beilagen werden mit 1 Mark 50 Ps. pro Hundert berechnet. Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal in 2 diS 21/, Bogen. Preis Vierteljährig 3Mark. Inserate werden mit 20 Pf. für die Petirzeile oder deren Raum berechnet. Alle Postämter und Buchhandlungen nehmen Bestellungen an. In redactionellen Angeleaenheiten wende mau sich an Nr. L. Philipps»!» »n Bonn; hinstchtlich der Inserare an A. Masse in rcivrig und dessen Filialen i» Berlin. BreSlau re. Inserate, welche diSvoni»r»la-rrngehen, finden i« der darauffolgenden Nummer Berücksichtigung. 43. Jahrgang. Leipzig, dm 8. April 1879. Jß 15. Inbnlt. Leitende Artikel: Die echte Wissenschaft. — Die confessionelle Gleichheit an einer preußischen Universität. — Zeitungsnachrichten: Deutschland: Berlin, Leobschütz, Frankfurt a. M.» Dresden.. — Oesterreich-Ungarn: Pest, Szegedin. Pest. Wien.— Frankreich: Paris. — Rumänien: Bukarest, Jassy. — Rußland: Petersburg. — Bonn; Rotizen. Literarische Notizen. — Feuilleton: Eine Karlsbader Kleiderordnung. .Tet/tende CXtlllicf. Bonn, 2. April. Oie echte Wissenschaft. Wenn es auf der ersten Seite der Schrift von den Menschen heißt: „sie sollen herrschen über die Fische des Meeres und über das Geflügel des Himmels und über das Vieh und über die ganze Erde und über alles Gewürm, das sich regt auf Erden" — so war dabei von Anfang an nicht blos an die leiblichen Kräfte des Menschen zu denken, die zu einer solchen Herrschaft, dem Großen wie dem Kleinen gegenüber, wenig ausreichen, sondern an seine Geistesfähigkeiten, durch welche er die Mittel, die Erde und ihre Geschöpfe sich zu unterwerfen, überaus zu vermehren vermag. Bald aber mußte sich hierzu auch der Gedanke an die geistige Herrschaft, an das Wissen und Erkennen der natürlichen Dinge, ihrer Erscheinungen und Gesetze gesellen. Aber nach beiden Richtungen hin stellte sich schon innerhalb des biblischen Schristthums das Bewußtsein der Grenzen ein, welche dem Menschen sowohl hinsichtlich seiner Erkenntniß als auch seiner Herrschaft gestellt sind. Die letzten Kapitel des Buches Hiob geben ein so gedankenvolles wie hochpoetisches Gemälde, das dem Menschen ebenso die Mangelhaftigkeit seines Wissens und Erkennens im Bereiche der Gottesschöpfung, wie auch die Begrenztheit seiner Macht nicht blos über die kosmischen Dinge, sondern auch über einen großen Theil der Erdgebilde zum Bewußtsein bringt. Was hier der alte Dichter, der mit gleicher Kraft und Innigkeit die schönen uad gewaltigen Naturerscheinungen wie die Gefühle des Menschenherzens zu schildern verstand, über die Grenzen des Menschengeistes vorträgt, ist im Wesentlichen noch heute geltend; soweit auch seitdem die Wissenschaft und die Technik diese Grenzen hiuausgeschoben haben. Die Grenzen bleiben dennoch bestehen, weil sie eben in den Naturgesetzen selbst begründet sind. Aber gerade über diese Grenzen erhebt sich die bedeutsamste Streitfrage. Denn in gewissen Epochen, wo die wissenschaftlichen Forschungen bedeutende Fortschritte gemacht und während eines schmalen Zeitraums thcils plötzliche, theils vorbereitete Entdeckungen neue An- und Aussichten eröffnet haben, übernehmen sich die Jünger der Wissenschaft an Selbstbewußtsein und schrankenlosem Muthe, jene Grenzen der menschlichen Erkenntniß und Herrschaft zu leugnen und zu behaupten, daß es solche Grenzen gar nicht gebe oder gar, daß sie selbst das Ziel schon erreicht hätten oder doch auf dasselbe direct losgingen. Ihnen kommt es nämlich vor, als ob sie den Punkt erreicht hätten, von welchem aus Alles zu erklären, also auch Alles zu verstehen und schließlich auch zu leiten sei. Wundern wir uns hierüber nicht. Denneinerseits hat man zu viele Jahrhunderte hindurch die Wissenschaft zur Magd des Kirchenglaubens gemacht, als daß jene, nachdem sie zur Geltung, zur Selbstständigkeit, ja zu einer großen Wirksamkeit gelangt ist, sich nicht selbst die unbeschränkteste Herrschaft zueignen Möchte, und nicht verlangen sollte, daß sich ihr alles Uebrige unbedingt untersrdne und hingebe. Andererseits wird in der menschlichen Seele Alles zu einer gewissen

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