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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1879-04-01 · Heft 14 (1.4.1879) · p. Seite 214

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
43 (1879)
Issue
Heft 14 (1.4.1879)
Date
1879-04-01
Page
Seite 214 (sequence 7)
Language
German
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214 Menge gestärkt, diejenige Mäßigung außer Augen setzen werden, welche die versammelt gewesenen, durch den Einfluß zweier oder dreier Gemäßigten in ihrer Asara noch beobachtet haben. Diese größere Versammlung würde sich alsdann auf mehr als 10,000 branntweingctränkte und müssiggängcrische Zeloten stützen, die zu allen llnthaten fähig wären, wie man aus bekannten Thatsachen weiß, deren wir hier nicht wieder Erwähnung thun wollen. Solchen Führern und Satelliten gegenüber besitzen der Verein „Schomer Israel" und der Gemcindetag nur wenige zuverlässige Stützen. Denn einerseits fehlt ihnen jeder gleichgradige Zelotismus, und andererseits sind persönliche Rücksichten, z. B. auch das Streben, Neichsrathsmitglied zu werden, wozu man des Gros der jüdischen Bevölkerung bedarf, nicht unwirksam. Wenn man sich der früheren Kämpfer für Hebung des Judenthu.as, Wissenschaft und Aufklärung in Galizien erinnert, und wie sie trotz ihres Heroismus verschwunden sind, und einen vergleichenden Blick auf die gegenwärtige Generation wirft: so kann man sich trüber Ahnungen nicht erwehren. Denn jeder Sieg des Chassidismus ist von den traurigsten Folgen, sowohl für die jüdische Masie als für das Judenthum selbst verbunden und läßt uns für das Wohl unserer Jugend zittern. Mögen dies die Männer erwägen, welche berufen sind, sich dem andringenden Sturme entgegenzustcllen, und die in friedlichen Zeiten so gern das erste Wort führen! Czt1'lwwip>, im März. Ein sonderbarer Fall! Das Amtsblatt der „Czernowitzer Zeitung" vom 27. Febr. d. I. veröffentlicht ein Edict des k. k. Landesgerichtes, wonach die cxecntive Feilbietung des israelitischen Tempels in Czernowitz zu Gunsten der der erzherzoglich Albrecht'schen Jndustrial- Verwaltung in Teschen gebührenden Forderung von 19,893 fl. bewilligt wird. Als Feilbietungsterminc sind der 1"». März, 17. April und 22. Mai 1879 festgesetzt und wird als Ausrusspreis der gerichtlich erhobene Schätzungswerth von 149,180 fl. angenommen. Wien, im März. (Privatmitth.) Wir haben an dieser Stelle jährlich überdas Institut des Wiener „Bet-ha-Midraseh“ berichtet und erkennt man aus dem Ncchnungsaustveise für das Jahr 1878, wie lebenskrästig es tvirkt. Tie Vorlesungen wurden in der bisherigen Weise fortgesetzt, ebenso die populärwisienschaftlichen Vorträge. Was aber dieser Anstalt eigen ist, das besteht in der Freiheit der Bewegung, in der weniger starken Fessel der Organisation. So wurde im laufenden Wintersemester in ihr ein Cursus von Vorträgen für Gymnasialschüler eröffnet. Hierzu kommt noch ein Weiteres, was der Bericht mit folgenden Worten bezeichnet. „In den Donauländern, in Polen und Rußland, in Palästina giebt es junge Männer, welche mit jenem glühenden Eifer, der einst die Jugend in Israel entflammte, wissenschaftliche Schulung auf dem Gebiete der religiösen Literatur und allgemeine europäische Bildung erstreben und, angelockt von dem weitverbreiteten Rufe_ des Bet ha-Mid rasch, nach Wien eilen, um da sich vorzubereiten und auszubilden, mit dem gewiß lobenswerthen Vorsatze, später in ihrer östlichen Heimat thätig in die Aufgaben der neuen Zeit einzugreifen und an der Ausbreitung von wiffenschastlicher Bildung und moderner Geistescultur mitzuarbeiten. Diese wiffensdurstigen Jünglinge aus der Ferne, für deren Ausbildung es unseres Wissens gar keine Anstalt in Europa giebt, finden freundliche Aufnahme und Förderung in unserem Bet ha-Midraseh. Da haben sie nicht blos Gelegenheit, ihre hebräischen Studien sortzusctzen, sondern nach einer richtigen Methode zu betreiben und mit denselben allgemeine europäische Bildung durch die Erwerbung von Sprach- und Nealkenntniffen zu verbinden. Gelingt diese Aufgabe und wird ihrer Lösung die materielle Förderung nicht fehlen, so hoffen wir, ein gutes Werk begonnen zu haben, das im Laufe der Zeit einer Schaar von Jüngern, die vielleicht trotz ihrer reichen Begabung und ihrem brennenden Wiffensdurste einer nutzbringenden Thäligkeit verloren gegangen wären, die Schätze moderner Bildung öffnen und den Brüdern im Osten tüchtige Pionniere der Cultur zuführen wird." — Der Fond hat um 300 U. zugenommen, so daß er 3ö/)5>0 fl. beträgt. Die baaren Einnahmen beliefen sich ans -I960 fl., von denen die Ausgaben 3303 fl. absorbirten, so daß 1309 fl. in Caffa blieben. Tcplitz, 19. März. (Privatmitth.) Unsere- Stadt hat in der jüngsten Zeit schwere, angstvolle Tage durchgemacht. Jedermann weiß, daß wir von dem Verluste unseres Thermalwassers bedroht waren, eines Verlustes,- der einen Theil der leidenden Menschheit im Allgemeinen, die Bewohner von Teplitz aber mit den größten Nachthcilen an Besitz und Erwerb getroffen hätte. Die Gefahr ist glücklich vorübergegangen und um so leichteren Herzens blicken wir auf den 48. Jahresbericht; den das „Tcplitzer Vade-Hospital für in- und ausländische kranke Israeliten" über das Jahr 1878 veröffentlicht hat. Die Zahl der Kranken, denen in diesem Jahre die Vadecur in.unscrm Hospital zugute kam, betrug 129. Dennoch war es uns vergönnt, dem Fonds eine Vermehrung von 1100 fl. zuzuführen. Wir haben dafür den edlen Wohl - thätern den herzlichsten Dank zu sagen. Auch der Kaiser Franz Joseph beehrte unser Hospital mit einem Besuche, prüfte alle Zweige desselben und sprach seine Zufriedenheit aus. Die sämmtlichen Ausgaben beliefen sich auf 2773 fl. und der Vermögcnsstand des Hospitals auf 2;>,2ö;'> fl. Mit Berücksichtigung der schwierigen Zeitvcrhälmiffe kann mau mit diesen Resultaten sehr zufrieden sein. Wien, 17. März. Von hier läßt sich die „Germania" Folgendes schreiben: „Am letzten Sonnabend sprach der Rabbiner I>r. Jellinek im rsraolichchm Tempel iu der Seiten-

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