Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 43 (1879)
- Issue
- Heft 13 (25.3.1879)
- Date
- 1879-03-25
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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[f gemeine Ein ml-artciischcs Organ für alles jüdische Jnteresic. mim Diese Zeitung erfcbeint wöchentlich einmal in 2 diS 2'/, Bogen. Preis Lierteljährig3Mark. Inserate werden mir 20 Ps. für die Peritzeile oder deren; Raum berechne!. Alle Postämter und Buchhandlungen nehmen BrsteNungen an. Herausgegeben von Rabbiner I)r. L'ndwig Philippson in Bon«. Verlag von Banmgärtuer's Buchhandlung in Leipzig. I« redaerieneNen Angekegenheiten I wr«re man sich an l»r. C. Phillppsan in Bonn; hinüchtlich der Inserate .n HU HSoFeinvciprigunS veffcn Filialen in Berlin. BrcSlau re. lafttMtr, u tldx bis vaamretaeinzehen» finden in der darausiolzrnve» -lummer Berücksichtigung. Beilagen werden mit 1 Mar! 50 Pf. pro Hundert berechnet. 43. Jahrgang. Leipzig, den 25. März 1879. .Ä2 13. Inhalt. Leitende Artikel. Petersburger Briefe. VII. — Tie Debatte über die Verfaffungsändcruug in Rumänien. — Literarischer Wochenbericht. — Zeitungsnachrichten: Deutschland: Berlin. Frankfurt am Main, Angenrod.- — Oesterreich-Ungarn: Raudnitz. Wien. — Frankreich: Paris. — Italien: Rom. — Serbien: Berlin. — Rumänien-. Bukarest, Wien. — Rußland: Petersburg. Petersburg, 7. März 1879. Petersburger Briefe. Vll. Nachdem ich in meinem letzten Briefe die Nothwendigkeit eines Consistoriums als Consequenz unserer Neligionslehre und als Bedingung des Verhaltens unserer Negierung gegen uns, als Neligionsgcnosscnschaft, nachgewiesen, habe ich kurz angedeutet, wie ein Consistorium im Stande wäre, auch unsere Nabbinerfrage allmählich zu lösen, indem es nämlich erstens reichem talmudisch-Mdi-rrrßchen WiKcn eben so wenig Im Stande, den Anforderungen der neuen Generation, wie ein studirtcr Rabbiner, möge er sich auch noch so sehr zum Geistlichen berufen, von seiner hohen Aufgabe durchdrungen und ihr völlig gewachsen fühlen, den Ansprüchen unserer Orthodoxen an einen Rabbiner Genüge zu leisten. Zöglinge einer ausländischen theologischen Hochschule stehen allerdings in den Augen unserer Orthodoxen unvergleichlich höher, als die Schüler unserer einst»; maligen Nabbinerschulen, jedoch auch sie werden schwerlich von einer orthodoxen Gemeinde je als Rabbiner anerkannt werden. Wie sehr der selige I)r. Neumann und Di*. Schwabacher bei , uns geachtet und geschätzt luerbcn, zu deren Entscheidungen in religionsgesctzlichen und rituellen Fragen wird sicherlich kein eine theologische Hochschule zur Heranbildung studirtcr Rabbiner und Neligionslehrer eröffnen und zweitens eine Prüfung für die, alten Rabbiner einführen könnte. Der größeren Deutlichkeit' wegen sei mir nun gestattet, die beiden letzten Vorschläge etwas ( näher zu betrachten. Wollen wir zur Lösung der Nabbinerfrage schreiten, foj müssen wir ebensowohl die gegenwärtige Majorität, als die, gegenwärtige Minorität, die aber früher oder später die Majorität unserer Glaubensgenossen hier bilden wird, in's Auge fassen. Wir müssen in gleicher Weise den religiösen Bedürfnissen und deren Befriedigung der „alten", wie denen der „neuen" Juden Rechnung tragen. Nun sind die religiösen Bedürfnisse dieser beiden Parteien von Grund aus verschieden, und demnach auch die Mittel zu deren Befriedigung. Die „alten" Rabbiner sind daher trotz aufrichtiger Religiosität und Orthodoxer Vertrauen fassen. Es fragt sich nun, was machen? Wie es jetzt bei uns ist, darf und kann cs nicht langer bleiben. Es droht zu ernste Gefahr. Der Riß zwischen, den „alten" und „neuen" Juden erweitert sich sichtlich mit jedem Tage. Die „alten" beharren unbeweglich zäh beim Alten und die „neuen" streben rastlos vorwärts. Die Ersteren machen keine Concessionen, vielleicht würden sie es, wenn die Letzteren mit ihnen in Vcrhaudlrrng treten würden, allein diese »vollen auch von solchen Concessiouen nichts hören. Wozu eine solche Spaltung führt, ivir wissen cs leider nur zu gut. Haben »vir doch die Resultate vor Augen. Sie führt zu rettungslosem Verfall. Unsere materielle Lage ist eine herzzerreißende, unsere sittliche Zerfahrenheit ist eine hvnmelschreiende, unsere Feinde, da Niemand ihrem ruchlosen Treiben einen Damm setzt, werden