Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 43 (1879)
- Issue
- Heft 12 (18.3.1879)
- Date
- 1879-03-18
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3224737-3227231-3227244--36999-3256380- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Allgemeine Ein nilMrtciischcs Organ für alles jüdische Interesse. mm Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal in 2 diS 2'/, Bogen. Preis Bierreljährig 3 Mark. Inserate werden mit 20 Pf. für die Petirzeile oder deren > Raum berechnet. Alle Postämter und Buchhandlungen nehmen Bestellungen an. . Herausgege-ben von Rabbiner Dr. Ludwig Philipps,)» in Bonn. Verlag von Vailiügkirtncr's Buchhandlung in Leipzig. In rcdactionelle» Angeleaendeite» wende man sich an l»r. r. vhitlppson in Bonn? hinsichtlich der Inserate an K. 'Woffe in vcipria und deffen Ailialea in Berlin. Breslau rc. Inserate, welche biSvonnkralag eingehen. finden in der darauffolgenden Nummer Berücksichtigung. Beilagen werden mit 1 Mark 50 Pf. pro Hundert berechnet. 43. Jahrgang. Leipzig, den 18. März 1879. J& 12. Zlnbnlt. Leitende Artikel: Gegen W. Marr. — Die Gleichstellung der Culte in Preußen: — Zeitungsnachrichten ^Deutschland: Berlin.'Königsberg, Magdeburg, Dresden, Hamburg, München.- Oesterreich-Ungarn: Wien, Lemberg. — Frankreich: Paris.— Belgien: Brüssel. — Großbritannien: London. — Bulgarien: W>cn. — Numänien: Bukarest. — Rußland: Petersburg.— Zlmerika: Eric, New-Z)ork. — Feuilleton: Die Kriege des israelitischen Volkes (Schluß). .ieileuDe ÄdifteC. Bonn, 12. März. Gegen w. Marr. seine Schrift: „Der Judcnspicgel" (1862), die wir nicht zu Gesicht bekommen haben. Er bekundet sich selbst als Journalist, der seine „Carriere verfehlt" hat. Er tvill dabei mehrfach von Juden Unbill erfahren haben. Jetzt bittet er zum Schluß öffentlich um ein Darlehn, eine „social-politische Wochenschrift" begründen zu können. Ob dies Alles eine Die Psychiatrie und die allgemeine Erfahrung kennen die! Unterlage zu objectiver Behandlung und Beurtheilung dar- Häusigkeit des Größenwahnsinns. Aber es giebt, ähnlich dem■ bietet, überlassen wir dem Urtheil der Leser. Wir meinen, der Verfolgungswahne, auch einen, wenn wir so sagen dürfen,! Mann verwechselt hier „objectiv" mit dem Bestreben, seiner Kleinheitswahn, ein Phantasiegebilde von Verlusten und Niederlagen, unterdrückt und vernichtet zu sein. Dies war der Gedanke, der uns einkam, nachdem wir die mit vielem Geräusch angekündigte Broschüre: „Der Sieg des Judenthums über das Germanenthum. Vom nichtconfessionellen Standpunkt aus betrachtet von W. Marr. Bern, Costenoble. 1879", gelesen hatten. Der Verfaffer stellt den Gedanken auf und führt ihn in mannigfaltigen Variationen aus, daß das Germanenthum in einem dreißigjährigen Kampfe (seit 1818) vom Judenthume völlig besiegt und diesem hoffnungslos unterworfen sei. Er behauptet dabei immer wiederholt, daß er keinen Judenhaß hege und in voller Objectivität spreche. Um Letzteres glaubhaft zu machen, hätte er jedoch seine Persönlichkeit nicht so oft in seiner kleinen Broschüre (50 S.) hervortreten lasten müssen. Wer ist Herr W. Marr? Wenn wir uns recht erinnern, hat er in früheren Zeiten in Hamburger Blättern den Nadicalen gespielt und sich öfter in extremster Weise gegen die 'Juden und deren bürgerliche Gleichstellung ausgelassen, worauf auch wir zu entgegnen uns veranlaßt fühlten. Dann citirt er auch fixen Idee-einen allgemeinen, geschichtlichen Gesichtspunkt zu verschaffen. Aber was ist dies für einer! Die Juden hätten fünfzehn Jahrhunderte hindurch gegen den ganzen Orient einen Kamps um die Herrschaft, jedoch erfolglos, gekämpft, wären dann durch den Jrrthum des Titus nach dem Abendlande gebracht und zerstreut worden, hätten nunmehr durch achtzehn Jahrhunderte den Kampf gegen das ganze Abendland bestanden, um schließlich in den letzten drei Jahrzehnten die abendländischen Völker zu überwinden und die Herrschaft sich anzueignen. Marr bekennt sich als Pessimist, selbst eine Volksexplosion gegen die Juden würde nichts helfen; er ist vielmehr überzeugt, daß die Juden einen deutschen Cäsarismus Herstellen und diesem ganz Europa unterwerfen würden. Fraglich wäre nur, ob dies mit Hülse der Deutschen oder der Slaven geschähe, und unbestimmt läßt er, ob dieser deutsche Cäsar ein Jude oder ein Nichtjude sein würde. Man braucht diese Schlüsse des Herrn Marr nur zü lesen, um sich der Meinung anzuschließen, die wir an die Spitze unserer Besprechung gestellt. Diese Schlüsse werden es auch sein, welche das Buch