Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 43 (1879)
- Issue
- Heft 11 (11.3.1879)
- Date
- 1879-03-11
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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e meine Ein iliiMtciischcs Organ für alles jüdische Interesse. Trcse Zeitung erscheint wöchentlich I einmal in L bis L'/- Bogen. Preis Vierreli>ihrig »Mark. Inserate werden f nnl -M Pf. für die Pelit^eile oder deren r <)i«mm berechnet. .'Ule Postämter und Buchhandlungen nchmeil Bestellungen an. Heraus gegeben von Rabbiner Dr. Endung Philippson in Bonn. Verlag von Banmgärtncr's Buchhandlung in Leipzig. In redactionellen Angelegendeite« irende man sich an Iw.'L. Philipplon in Bon» : hinsichllich der Inserate an 'A. lNosse iu vciinifl »nd öcffcit Filialen! in Berlin. Breslau :c. j Inserate, ii eiche dis vannerrlay eingehen, i finden in der daraniiolgenden Nummer Berücksichtigung. Beilagen werden mit 1 Mark 50 Pf.;»ro Hundert berechnet. 43. Jahrgang. Leipzig, bcn 11. März 1S79. .*» 11. FiiKnlt. Leitende Artikel: Tie deutschen Separatisten. — Ieitungsnachrichten: Deutschland: Berlin, Leipzig. Araunschweig, Wiesbaden, .Hamburg. Stuttgart. - - Oesterreich-Ungarn: Brünn — Heliand: Rotterdam. — Rumänien: Bukarest. — Rußland: Petersburg. — Vonn: Notizen. — Feuilleton: Ein rumänischer Emigrant. V onn, 5. März Die deutschen Separatisten. Es ist eine längst bekannte Erscheinung, das; eine Partei, namentlich eine extreme, wenn sie trotz vieler Wühlereien und lauten Geschreies keine Erfolge erzielt, einen Jubelruf erhebt, und Siege verkündet, die doch' nirgends aufzufinden sind. Solche Täuschungen helfen aber nichts. Denn da es sich um offenbare Vorgänge und nachweisbare Resultate handelt, so bleibt cs Niemandem verborgen, das; hinter den Großthuereien nur das Gefühl der Schwäche, nur das Bewußtsein der Ohnmacht steckt. Ci^ ergeht cs jetzt den jüdischen Separatisten in Deutschland, die in langen Artikeln erweisen wollen, wie siegreich es um ihre Cache steht, während sie doch vollständig Fiasco gemacht haben. Um die Separatisten im deutschen Judenthum ist es eine eigene Sache. Sie haben sich nämlich in ihre Sackgasse so weit verrannt, daß sie Jeden, der nicht zu ihrem Anhang gehört, für einen Nichtjuden erklären, und das; sie folgerichtig mit allen anderen Juden nichts gemein haben wollen, selbst nicht die Begräbnißstätte. Sic geben es für eine Sünde ans, an den Anstalten jeder anderen Gemeinde, z. B. auch den wohlthätigen, theilzunehmcn und an sie Beiträge zu leisten. Mit Einem Worte: sie maßen sich an, die Exeommunication gegen alle anderen Juden auszusprechen, sie, die winzige Zahl gegen die ungeheure Mehrheit. Es ist dies gewiß aus dem Gebiete des Judenthums etwas Neues, darum ganz neu, lveil bei der Trennung der Karäer von den Nabbaniten beide Parteien sich als nicht mehr zusammengehörig ansahen. Dieses findet aber im gegenwärtigen Falle nicht statt. 9hm mag dies sehr fanatisch sein, denn der Fanatismus kennt keine Grenzen seiner Selbstüberschätzung; aber es ist weder religiös jnorf; klug. Das; cs nicht religiös ist, daß es insonders nicht jüdisch ist, brauchen wir nicht ausführlich zu erweisen. .Solche Wege sind die Weisen und Lehrer des Judenthums nie gegangen. Auf solchem Pfade hätte das Judenthum nicht bestehen können, sondern wäre längst in tausend Splitter auseinandergeflogen und untergegangen. Aber es ist auch nicht klug, denn es ist nur eine kleine erhitzte Schaar, die den wenigen Wortführern bis zu diesem Aeußersten folgt. Die Mehrzahl selbst Derer, welche sich dem Gottesdienste der . Separatisten zuneigen, trägt doch das Gefühl der Zusammen- ' gehörigkeit, die Liebe zum Bestände des Judenthums und das Gefühl der Gerechtigkeit und des wahren Judenthums zu sehr in sich, um diesem wüthigen Fanatismus sich hingeben zu j wollen. Die Thatsachen haben dies gelehrt, und selbst an den ' wenigen Orten, wo die separatistischen Wühler eine Gemeinde zu Stande gebracht, hat sich nur eine geringe Zahl ihrer bisherigen Anhänger zur völligen Trennung von den Muttergemeinden entschließen können. Auf dieses Gebiet des Ercommunicirens vermögen weder die Orthodoxen noch die Reformer, wenn wir einmal diese Bezeichnungen gebrauchen wollen, den! Separatisten nachzugehen. Denn abgesehen davon, daß die