Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 43 (1879)
- Issue
- Heft 9 (25.2.1879)
- Date
- 1879-02-25
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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♦ Allgemeine Ein unparteiisches Organ für alles Mische Interesse. Herausgegeben »»» . Bonn; hinfichllich der Jnierare .m A. - Rabbiner vr. LnLwig PHUippson m Beim. j Inserate, welche biS vonneratag ein gehen» finden in der darausivlgendc» Nummer Verlag von Bamngärtner's Buchhandlung in Leipzig. I_Berücksichtigung._^_ Beilagen werden mit 1 Mark 50 Pf. pro Hundert berechnet. Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal in 2 bi- 2*/* Bogen. Preis Vierteljährig 3 Mark. Inserate werden mit 20 Ps. für die Petitzeile oder deren Raum berechnet. Alle Postämter und Buchhandlungen nehmen Bestellungen an. 43. JllhrgNNg. Leipzig, den 25. Februar 1879. JiS 8. Jnbnlt. Leitende Artikel: Gegen Pastor Todt, den Gründer der christlich-socialistischen Partei (Schluß). V. — Die Einheit der Ideen in der heiligen Schrift Israels. lV. — ZeitungsnachrichtenDeutsch! and: Berlin, Coblenz, Hannover. Saarlouis, Aus Württemberg.— Oe st erreich-Ungarn: Wien, Krakau, Pest. — Schwede n: Gothenburg. — N u m ci nien: Bukarest, Rom. — Bonn: Notizen. — Feuilleton: Die Kriege des israelitischen Volkes (Forts.). ^?e«leu<)L Äthftef. Sonn, 19. Februar. Gegen plistor Todt, den Gründer der christlichsocilMischen Partei. (Schluß.) V. Wie die Jnternationalität, so spricht Todt den Juden auch die „Nationalität, das nationale Bewußtsein desjenigen Volkes ab, in dessen Grenzen und Schutz sie leben." Hieran hindert sie „das Blut, das in ihren Adernrollt". Welche Tänzerkünste auf dem logischen Seile! Kurz vorher wird die Gottebenbildlichkeit in jedem Menschen anzuerkennen als die erste Bedingung der socialen Lösung unbedingt gefordert, und jetzt leugnet man einem ganzen Stamme die Befähigung zur einfachsten und edelsten Empfindung, zur Vaterlandsliebe ab, weil irgend welches „Blut in seinen Adern rollt". Für welches Pfuscherwerk erachten diese Denker das Werk des Schöpfers, der alle seine Menschenkinder sich selbst ebenbildlich schuf, und! dann wieder der einen oder der anderen Race ganze £f)eilej dieser gottebenbildlichen Seelenwelt durch irgend welches Blut! für immer hinausschwemmte! Es giebt keinen Menschenstamm, der nicht ein Vaterland hätte und dieses Vaterland über Alles j liebte. Der Eskimo stürzt sich von dem dänischen Schiffe.in's j Meer, um die Küste seines unwirthlichen Vaterlandes wieder \ zu erreichen urib in der Hütte unter dem Schnee zu hungern. Uns scheint es, daß vielmehr Diejenigen keine Vaterlandsliebe, keine wirkliche Ahnung von Patriotismus, kein nationales Bewußtsein besitzen, welche die so - unentbehrlichen Elemente jedes besseren Menschendaseins den Juden absprechen. Wohnen nicht die Juden seit zwei Jahrtausenden gerade da, wo Ihr wohnt? In manchen Ländern früher, in Spanien früher als die Westgothen, in Frankreich früher als die Franken — und wo der Mensch seine Wiege und die Gräber seiner Eltern hat, wo er seine Kindheit und Jugend verlebte, die Bildung seines Geistes, seines Herzens wie seines Verstandes, empfing, wo er seit seinem ersten Lallen die Laute seiner Muttersprache vernahm und redete, der einzigen, die sich seinen Gefühlen wie seinen Gedanken völlig einsenkte, und zum ersten Organ seines Empfindens und Erkennens wurde, da ist ihm das Vaterland, die Nationalität, das nationale Bewußtsein. Dies ist die unantastbare Natur des Menschen, die sich um Vorurtheile und Haß von Kleingcistern nicht kümmert. — Wir halten es nicht für der Mühe Werth, den Excurs Todt's in die Geschichte des Mittelalters, von der er auch nicht das geringste Verständniß besitzt, zu verfolgen. Nur ein Geständniß Todt's wollen wir hcrvorheben. Er sagt (§. -21), daß jemehr „unter den Nationen das christliche Betvußtsein ertvachte", desto mehr die Juden ausgeschlossen, unterdrückt, verfolgt wurden. Hiernach zu schließen, gehörte die Mißhandlung Andersgläubiger zum „christlichen Betvußtsein", zu der „Nächstenliebe", tvelche einige Seiten vorher als das alleinige Eigenthum der Christen beansprucht wurde. Damit wäre aber gerade den Christen nach