Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 43 (1879)
- Issue
- Heft 7 (11.2.1879)
- Date
- 1879-02-11
- Page
- Seite 108 (sequence 12)
- Language
- German
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108 verurtheilt. Seither ist der nationale Kampf in Prag wilder geworden. In den ersten Reihen der Deutschen stand Kuh. Man hat seine Person bedroht, ihn zum Mittelpunkt der rohesten Execfse gemacht, sein Haus in Brand stecken wollen, die czechischcn Setzer seines Blattes mit dem nationalen Jnterdict belegt. Er wankte nicht, unerschüttert kämpfte er für das Deutschthum, sprach sein muthiges Wort und sprach es so laut und eindringlich, daß es in den trübsten Tagen des Dcutschthums in Böhmen, in den Tagen slavischcr Herrschaft, Belcredi und Hohenwart zu Falle bringen half. Als Lohn hierfür hat er das Mandat für Landtag und Neichsrath erhalten. Aber er wurde bald müde, es auszuüben. Die Gabe der Rede stand ihm nicht reich genug zu Gebote. So trat er wieder aus dem Kreise der Abgeordneten und kehrte Zum Schreibtische zurück, vor dem er sich so vernehmlich zu machen verstand. Bis an sein Ende ist er von Einfluß geblieben. Er ist gealtert in den Kämpfen seines Lebens, sein Haar ist grau, seine Gestalt gebeugt worden — aber aus seinem Auge sprühte noch in den letzten Tagen das jugendliche Feuer, das ihn durchglühte, und in Augenblicken der Erregung kehrte die frische Beweglichkeit jüngerer Tage trotz der Verbitterung wieder, die ihn beschlich, so oft er an Sorge und Plage des Tages gemahnt wurde. Ja, er hatte ein Recht, verbittert zu sein, dieser vornehm geartete Held von der Feder. Weil er die Kunst nicht üben konnte, des Lebens goldene Früchte zu erringen; cs fand sich auch Niemand unter seinen zahllosen Freundden, der sein Loos verschönt hätte. Und so schied er, arm an Glücksgütern, ein ganzer Character, eine reine und unbefleckte Seele. Am 28. Januar fand unter außerordentlicher Theilnahme der deutschen Kreise Prags das Leichenbegängniß Kuh's statt: Viele deutsche Abgeordnete, deutsche Vereine in corpore, Schriftsteller, Künstler, Professoren, die deutsche Studentenschaft, kurz die gesammte deutsche Intelligenz der Hauptstadt hatte sich eingesunden. Den Sarg bedeckten Kränze der deutschen Reichsraths- und Landtags-Abgeordneten Böhmens, der Wiener und Prager „Concordia", der deutschen Redactionen Prags, der deutschen Vereine und zahlreicher Freunde. Professor Ritter hielt eine ergreifende Grabrede, in welcher er die hohe Begabung, den deutschen Sinn und die Unabhängigkeit des Verblichenen in wärmsten Worten rühmte. Die Kriege des israelitischen Volkes. (Fortsetzung.) Mustern wir nun, um Obiges zu erhärten, ein wenig die einzelnen Vorkommnisie. Mehrmals wird betont, daß die Israeliten nichts auszurichten vermochten, weil sie keine „eisernen Wagen" hatten, welche hingegen ihre Feinde gegen sie in's - Feld führten. So vermochte Juda (Richter 1, 19) nur das Gebirge in Besitz zu nehmen, die Bewohner des Thales aber nicht auszutreiben, weil diese eiserne Streitwagen hatten. Die Söhne Israels unterlagen dem kananitischen Könige Jabin 20 Jahre lang, weil er 900 eiserne Wagen hatte (4, 3), und es war daher ein Wunder von Tapferkeit, daß 10,000 Israeliten unter Deborah und Barak die große Streitmacht Jabin's am Kischon trotz dieser Streitwagen gänzlich schlugen. Die Forderung Barak's, daß die Prophetin und Richterin Deborah mit in den Kampf ziehe, erweist, daß er den Sieg nur für möglich hielt, wenn den israelitischen Kriegem durch das Wort der Prophetin eine flammende Begeisterung eingeflößt wurde. Vers 10, 14 und 5, 15 beweisen, daß Barak sein Heer auf dem Berge Tabor sammelte, während der Feind in der Ebene lagerte, und jener nun wie ein reißender Strom von oben her in das gegnerische Lager stürzte und den Feind trotz jener Streitwagen gänzlich niederschlug. — Schon vorher (1, 24) wird uns ein Beispiel gegeben, wie man einer befestigten Stadt beizukonnnen suchte. Man erkundete geheime Eingänge in die Stadt an einer schwachen Stelle derselben, und drang stürmend durch jene ein. Auch die neuere Kriegsgeschichte zeigt uns derartige Vorgänge, wenn man eine regelmäßige Belagerung vermeiden wollte. Einen überaus interessanten Theil des Buches der Richter bildet die Geschichte von Gideon (Kap. 6—8), deren Ausführlichkeit, gegen die sonstige Kürze der Notizen gehalten, erweist, daß wir es hier mit einer alten Originalschrist zu thun haben, wie dies auch bei der Geschichte von. Simson der Fall ist. Die verbündeten Midianiter^ Amalekiter und andere Völkerschaften verheerten und bedrückten in überwältigender Weise das Land, so daß sich die Israeliten zum Theil in Höhlen, Schlupfwinkeln und Vergvesten des Gebirges flüchteten. Die Feinde hatten sich im Thale Israel gelagert. Da erhob sich Gideon, und seinem Rufe folgten 32,000 Mann. Aber es mochte sich Herausstellen, daß er mit solcher undisciplinirten Masse doch nichts ausrichten könne, und er forderte daher alle Furchtsamen und Zaghaften auf, das Lager zu verlassen. Es blieben ihm nur 10,oO(>. Dennoch flößte diese Schaar nicht das Vertrauen ein, mit ihr in offener Feldschlacht dem Feinde entgegenzutreten. Gideon behielt nur 300 auserwählte Männer bei sich und beschloß durch eine Kriegslist den Feinden beizukommen. Er ordnete (V. 19) einen nächtlichen Ueberfall an. Auch hier stand das feindliche Lager tief im Thale, während Gideon im Gebirge sich versteckt hielt. Zu je hundert Mann von drei Seiten überfiel er das Lager; und jeder seiner Krieger hatte außer seineni Schwerte eine Trompete und eine in einem Krüge verborgene brennende Fackel. Beim Einbruch in das Lager stieß jeder laut in die Trompete und schleuderte die brennende Fackel in die Zelte..Das Dröhnen der Trompeten mußte de» aus dem Schlafe geweckten Feinden den