Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1879-01-21 · Heft 4 (21.1.1879) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
43 (1879)
Issue
Heft 4 (21.1.1879)
Date
1879-01-21
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/3224737-3227231-3227236--36863-3256236
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

4 Allgemeine Ein miMtciischcs Organ siir alles jüdische Jiitcrcssc.! Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal in 2 diS 2'/, Bogen. Preis! Vierteljährig.'; Mark. Inserate werde» mir Pf. für die Peritzeile oder deren Raum berechnet. Alle Postämter und Buchhandlungen i nehmen Bestellungen an. Herausgegeben von Rabbiner Di*. Ludwig WlippsüN in Bonn. Verlag von Banmgärtuer's Buchhandlung in Leipzig. In redactioneNen Anaeleaenheiteu i n ende man sich an Nr. r. Philipps,n in rloiin; hinsichtlich der Inserate iN Zt. Moss, in veivzig und dessen Filiale« ' tu Berlin, BrcSla» tc. Znskrate, welche bis vonnrritag eingrhen, finden in der darauffolgenden Älummer Berit,tsichtignng. Beilagen werden mit 1 Mark 50 Pf. pro Hundert berechnet. 43. Jahrgang. Leipzig, den 21. Januar 1879. M 4 Inhalt. Seitende Artikel: Die Einheit der Ideen in der heiligen Schrift Israels. III. — Zeitungsnachrichten: Deutschland: Berlin. Bonn. Aus Baden, Oftrowo. Linz a. Rhein, Aus Württemberg. — Oesterreich-Ungarn: Pest. — Frankreich: Paris. — Großbritannien: London. — Bulgarien: Rustschuk. — Rumänien: Bonn. — Aegypten: Kairo. — Aonn: Notizen. Literarische Notizen. — Feuilleton: Moses und Fosua als Heerführer (Schluß). — Vermischtes: Das Missionsblatt „Dibre Emeth". -IcilnicV (flthfu’f. Bonn, 1l). Januar. Die Einheit der Ideen in der heiligen Schrift Israels. III. 5) Die Vergeltung. Wenn auch der Mensch vom Erlnachen seines Bcwußtseins an sich Herr seines Willens, seine Entschließung selbst bestimmend, fühlt, obschon er hierbei ebenso oft seinen instinctiven Trieben, denen er jedoch widerstehen könnte, wie den Erwägungen der Umstände, des zu erlvartendcn Nutzens oder Schadens folgt: so erfährt doch selbst der mächtigste und besonnenste Mensch Vieles, was er weder herbeigesührt, noch zu vermeiden vermag, und was, bald plötzlich, bald langsam herannahend und vorausgesehen, sein Leben erschüttert, umkehrt, beherrscht oder gar vernichtet. So pflanzt sich frühzeitig in seine Seele neben der Gewißheit des freien Willens das Bewußtsein der Abhängigkeit von einer höheren Macht. Welche ist diese? wie hat er sie zu benennen und zu begreifen? Andrerseits fühlt der Mensch in seinen: Geiste vor und nach einer Handlung eine unmittelbare Empfindung und bald auch ein bestimmtes Urthcil über den sittlichen Werth derselben, und hieran knüpft sich Hoffnung oder Furcht über ihre Folgen für ihn: er erwartet Lohn oder Strafe, sowohl als Wirkung der That selbst, als auch durch die sittliche Weltordnung, die er j dunkler oder klarer sich vorstellt. Noch mehr ist er stets! bereit, über die Handlungen seiner Nebenmenschen ein Urtheil 'sich zu bilden, und es zu fällen, und an dieses Urtheil die Forderung des Lohnes oder der Strafe zu schließen. Es bildet sich in dieser Weise in dem Bewußtsein des Menschen die Vorstellung einer höheren sittlichen Macht, welche die Vergeltung übt über das Thun und Lassen des Menschen, einer sittlichen Weltordmmg, der Niemand sich zu entziehen vermag. Was ist dies für eine Macht? wie ist sie zu benennen und zu begreifen? Eine Antwort auf diese Fragen, einen Aufschluß über Vorsehung und Vergeltung zu geben, tvar der Beruf aller Neligionen, mochten sie in mythologischer Figuration oder in vernunftgemäßen Lehrsätzen sich bewegen. Zwei Gegensätze erstanden in diesem großen Problem: von der einen Seite die Vorstellung eines Fatums, einer Vorausbestimmung alles Dessen, was geschehen solle, die unbedingt, unbeugsam, unabhängig von allem Thun des Menschen, für alle Zukunft verhängt hat, was sich ereignen und den Menschen treffen soll — von der anderen die Vorstellung eines allwissenden, daher auch die freie Entschließung des Menschen voraus kennenden, nach! allweisem Plane und in Gerechtigkeit den Gang der Geschicke! ordnenden Gottes, der göttlichen Vorsehung und Vergeltung. Bleiben wir nun heute bei dem letzten Momente stehen, so ist wohl die Anschauung der göttlichen Vergeltung, gemäß der inenschlichen Willensfreiheit und Verantwortlichkeit, diejenige, welche am schärfsten in der gesummten heiligen Schrift hervor- ' tritt, in allen Büchern derselben mit gleichem Flachdruck und in weiterer Durcharbeitung gelehrt und vertvendet wird, und

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.