Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 43 (1879)
- Issue
- Heft 3 (13.1.1879)
- Date
- 1879-01-14
- Page
- Seite 41 (sequence 9)
- Language
- German
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legt. Ein gleiches Schicksal soll dem Eousistorium von Sonst an tinc bevorstehen. Rumänien. Bukarest, 25. Dec. Der Senat und die Kammer haben dem Fürsten Carol die von ihnen votirten Adressen durch ihre Bureaux und Deputationen überreichen lasten. Aus den Antworten, welche der Fürst bei dieser Gelegenheit ertheilte, hebe ich nachsolgende Stellen als bemerkenswerth hervor. Der Senats-Deputation sagte Fürst Carol unter Anderm: „Lange Zeit hegte man im Auslande aus Unkenntniß unserer inneren Berhältniste den Glauben, daß wir von einem Geiste religiöser Unduldsamkeit beherrscht würden. Ich constatire mit Befriedigung, daß die Landesvertretung sich entschlossen zeigt, jenen Jrrthum zu berichtigen, und bedauere nur, daß es den Anschein; hat, als ob dieser Entschluß ein Gebot der Umstände wäre.! Der rumänischen Nation wird nun allerseits jene Stellung ein-; geräumt werden, welche sie in der Meinung der Welt verdient, denn sie hat durch ihren Heldensinn bewiesen, daß sie sich den würdigsten Nationen an die Seite stellen kann, und durch ihre Grundsätze, daß sic die Ansichten und Bestrebungen der civili-! sirten Welt thcilt." Der Kmmner-Deputation erwiderte der Fürst: „Indern das zum zweitenmale beinahe mit Einstimmigkeit ertheilte Votum der nationalen Vertretung bestätigt, daß wir die Absicht haben, die sich auf. uns beziehenden Anordnungen des Berliner Friedens durchzuführen, kann Europa nicht mehr im Zweifel darüber sein, daß dies die echten Gefühle der ganzen Nation sind, so daß jeder Schatten eines Zweifels und jedes Vorurtheil, das gegen unser Land bestanden hat, verschwinden müssen." Die Gesetzvorlage, durch welche dem Wucher gesteuert werden soll, indem die aus Schuldscheinen un Falle des nicht pünktlichen Zählens ausbedungene Eonventional-Strafe als ungesetzlich erklärt wird, ist von der Kannncr angenommen worden. Es ist leider sehr wahr, daß eine beträchtliche Anzahl von Grundbesitzern durch verhältnismäßig geringe Schulden und besagte Conventional-Strafen von griechischen und armenischen Wuche-. reru in kurzer Zeit total ruinirt worden ist; jedoch läßt sich kaum annehmen, daß ein Gesetz, welches die Eonventional-Strasen verbiet, im Stande.sein werde, dem Uebelstande gründlich zu steuern. Die Gründung einer Ruralbank dürste sich wirksamer erweisen. (Es sind die rumänischen Blätter selbst, welche die Klagen über die griechischen und armenischen Wucherer Vorbringen, die von den gewöhnlichen Schmähungen, daß die Juden in Rumänien die Urheber aller finanziellen und socialen Mißstände seien, hier, wo cs Thatsachcn gilt, vollständig abstrahiren. Käme es den Judenhastern, auch den deutschen, auf die Wahrheit an, so würden sie sich Obiges gesagt sein. lasten.' Wenn übrigens die Rumänen sich jetzt in den Mantel der Toleranz hüllen, so wollen wie sie darin durchaus nicht stören, nur darf cs nicht abermals bei bloßen Phrasen bleiben,. j wie bis zu btcfcm Augenblicke, sondern cs muß endlich auch I gehandelt, d. h. die bürgerliche Gleichstellung tvirklich beschlossen und ausgeführt werden. Einstweilen nehmen wir von allen diesen Acüßerungen Akt, um gelegentlich daran zu erinnern, j Nedaction). | Griechenland. : Hamburg, 2. Jan. (Privatmitth.) Aus Griechenland dringen so selten Nachrichten, welche das Gebiet dieses Blattes berühren, daß Sie der folgenden Mittheilung, die ich in einem griechischen Provinzialblatte fand, gern einen Platz einräumen werden. Im vergangenen August a. c. ist in Pylos (Provinzialstadt Griechenlands) der dort sich z. Z. aufhaltcnde und beschäftigte greise Israelit aus Zante gebürtig, Salomon Vitale gestorben. Dieser Mann, vom Schlagfluß gerührt, ist in seinem Laden tobt gefunden worden, ohne irgend einen Bekannten oder Verwandten bei sich zu haben, weil in Pylos, wo er sich provisorisch aushielt, tvcder ei» Verwandter von ihm noch irgend ein einziger Glaubensgenosse cxistirte. Am darauffolgenden Tage, nachdem die Bewohner dieser Stadt bemerkt hatten, das; der Laden nach der gewöhnlichen Eröffnungsstunde noch immer geschlossen blieb und der greise Mann nicht mehr zu sehen war, ahnten sie, daß ihm etwas Schlimmes passirt sein müsse. Viele Bürger traten zusammen und beschlossen die Thüre des Geschäflslocals zu erbrechen, worauf sie den Greis ' tobt liegend fanden. Die edlen Bewohner von Pylos, nachdem sie sofort des Verstorbenen gesauuntes Vermögen in Sicherheit gebracht und Herr Mylonopolus die Bestattung auf seine eigenen Kosten ungeordnet, brachten die Leiche in Begleitung des Herrn Bürgermeisters und der übrige» behördlichen Persönlichkeiten nach dem gemeinsamen Friedhofe der Stadt zur letzten ewigen Ruhestätte. Der genannte Salomon Vitale war mein greiser hochgeehrter Vater, dessen Andenken hoch in Ehren haltend, ich nicht umhin kann, dem verehrten Publicum der Stadt Pylos insgesamnrt und specicll allen Denjenigen, welche so edel waren, einem fremden israelitischen Todten ein Grab inmitten ihrer Liebsten zu bereiten, meinen innigsten Dank öffentlich abzustatten und zu gleicher Zeit aufrichtig zu betonen, daß das griechische Vaterland dem sterbenden fremden Israeliten ein freies Asyl gewährt, und dieses Land kann stolz darauf sein, religiöse Toleranz und wahre Freiheit im wahren Sinne des Wortes zu besitzen. Der Sohn des Verstorbenen, Moses Vitale.