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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1879-01-01 · Heft 1 (1.1.1879) · p. Seite 13

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
43 (1879)
Issue
Heft 1 (1.1.1879)
Date
1879-01-01
Page
Seite 13 (sequence 13)
Language
German
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IS Vermag nicht mehr der Bosheit so zu dienen. Die sich durch alle Zeitenraume frißt. Die ungeschwächt noch heut' und unverrückt, Ost höhnisch durch Kultur und Bildung blickt, Mit Handschuh fein den Judenstamm zu packen. Ihn, wo es geht, zn zwicken und zu zwacken. Da sitzt, gefaßt vom Größenwahn am Kragen, Der Meistersänger auf dem Dichterroß, Und lärmt, und schimpft: „umsonst muß ich mich Plagen, Den Ruhm kürzt mir der freche Judentroß. O helfet mir, hinweg sie raisonniren Aus dieser Welt, die sie uns nur verführen; Und quälen die Musik auch schlechte Christenfiedeln Zu Grunde geht sie nur, so man sie läßt „verjüdeln" ". Wenn in des Junkers weit gebaute Kehle Sich Hof und Haus schon gänzlich hat verloren, Dann ruft er aus: „Ich schwör's bei meiner Seele, Daß nur der Jude mich so kahl geschoren. Bei diesem trifft man alle die Millionen Die er erpreßt uns Grasen und Baronen! Wie durfte er, wenn wir nur schwelgten, sparen, Und wenn wir Bettler, Neichthum so bewahren?" — Des Wuchers Höllenkunst ist angeboren Dem Judenstamm allein, der sie auch stets geübt; Nie hat ein Christenkind sich je dahin verloren, Zu nehmen mehr als wie — man sonst ihm giebt. Sicht Christian man auch mit Zinsen würgen, Und Christoph „fünfzig" nehmen für.sein Bürgen, Fest steht es doch, wer möcht' noch Zweifel he.,en, Daß Lewi nur und Baruch sowas bringt zuwegcn . Fühlt Seitenstiche in dem Reich der Presse Die altersschwache, kranke Reaktion, Dann ruft sie stöhnend: „die Exceffe Schafft uns doch wahrlich nur der Judensohn. Seht doch nur, wie er mit Armen weit Umschloffcn hält die Preffe unserer Zeit. Und wir — bei Gott, wir können gar nichts sagen, Denn ach. man will nach uns ja nichts mehr fragen!" — Jetzt, wo ein Jeder in der Welt will schreiben, Der Hände hat und auch — ein Tintenfaß — Sieht man ihn möglichst alles aufzutreiben, Worüber längst doch schon gewachsen Gras. Da ruft ein Skribler wohl dem andern zu: „Ei, greis' in's Judenleben und da findest du Was, wenn cs gut gefälscht und halb zerrissen. Dem Judenhaffer ist ein Leckerbissen. „Es hilft der Jude uns noch aus der Klemme, Sind wir an Witz beinahe schon bankrott. Denn kühn durchstechen wir dann jene Dämme, Die Anstand sonst gesetzt dem frechen Spott. Erzählen keck — o ist es nicht zum Lachen — Wie es die Juden, wenn sie „sprechen", machen; Und zieh'n nicht mehr verderbte Judenphrasen, So zeichnen hurtig wir dann krumme Nasen. . Mag auch bei Grafen- oder Fürstensöhnen Der Nasen krümmste im Gesichte sitzen. So muß das arme Ding sich doch daran gewöhnen, Als Judeneigenthum verfolgt zuffein mit Witzen. Jndeß sie tröstet sich dafür in ihrer Noth Bald mit des Sauflings Zeichen, mit dem dunklen Roth, Womit viel and're Nasen lieblich sind geschmückt. „Denn denen," spricht sie lächelnd, „ist's noch mehr mißglückt." Allein der Bart auch hatte viel zu leiden. Er war vom Volke förmlich degradirt. Von Andern sollte er die Juden scheiden. Und trug geduldig das, was ihm passirt. Doch glücklich ist der Bann von ihm genommen, Jetzt darf er auch auf's Kinn der Christen kommen. Drob stöhnt und ächzt vor Schmerz die Reaktion: „O seht den Judenbart dort an dem Christensohn!" Da meint man zwar, es wird die Zeit erscheinen, Wo nicht mehr wird des Menschen Geist alsdann Die Bruderschaft am Nächsten stolz verneinen. Allein nur ehrend, was da gut am Mann! Doch manchen Herrn mit hohem Rang und Titeln Sieht zweifelnd man das weise Haupt noch schütteln, Er denkt: Ist gleich der Jude auch von jeder Klasse So klebt ihm an doch etwas von der Na</e! vermischtes. Wagner und Offenbach. Die Arch. isr. erzählen folgende artige Anecdote betreffs der beiden genannten Componisten. Als Wagner seine berüchtigte Brochure „Die Juden in der Musik" geschrieben hatte, schickte er ein Exemplar an Offenbach. Dieser las das Schriftchen, ergriff die Feder und schrieb einfach: „Werther Herr! Ich glaube, daß Sie besser thäten, Musik zu schreiben. I. Offenbach." Wagner fühlte den Stich und als Antwort sandte er dem Pariser Maestro seine damals jüngste Composition „die Meistersinger" zu. Einige Tage darauf erhielt er altz Antwort folgende Zeilen: „Sehr geehrter Herr! Ich habe seit meinem letzten Briefe ernstlich nachgedacht; Alles wohl erwogen, bin ich jetzt überzeugt, daß Sie am besten thun, Brochuren zu schreiben. I. Offenbach."

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