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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1879-01-01 · Heft 1 (1.1.1879) · p. Seite 12

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
43 (1879)
Issue
Heft 1 (1.1.1879)
Date
1879-01-01
Page
Seite 12 (sequence 12)
Language
German
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12 dürste? Allein der Strom hat seinen Lauf genommen und kann nicht gehemmt werden. Man kann daher nur wünschen, daß solche Arbeiten aus den rechten Händen hervorgehen und schließlich sich über alle wissenschaftlichen Felder ausdehnen, damit sie mit der Zeit ein gewisses Ganzes formiren, welches eine verhältnißmäßig abgerundete Bildung zu erwirken vermöchte. Pest, 15. Dec. (Literarische Notizen.) Anläßlich des 4. Orientalisten-Congresses, welcher bekanntlich im September d. I. in Florenz tagte, erschien von dem italienischen Gelehrten, Herrn M. Soave in Venedig, dem die jüdische Literatur schon mehrere schätzbare Beitrage zu verdanken hat, unter dem Titel: „Dei Soncino celebri tipografi italiani ncl secoli XV., XVI (Venezia 1878) eine Schrift, in der der Verfasser gegen die alten Soncinalen, , die ein ganzes Jahrhundert für uns gekämpft, ein halbes Jahrhundert für uns gedruckt haben," eine alte Schuld der Dankbarkeit redlich abträgt. Mit gewissenhafter Benützung der einschlägigen Schriften von Do Bossi, Ceruti und den Arbeiten von Steinschneider, macht uns Herr Soave mit dieser berühmten, aus Deutschland stammenden Druckcrfamilie bekannt; der bedeutendste von ihnen war Gerson Soncino, der als Drucker italienischer und lateinischer Werke sich auch Geronimo nannte und von 1484 bis 15)84, in welchem Jahre er starb, in Soncino, Brescia, Barco, Fano, Ortona, Nimini und zuletzt in Constantinopel druckte. Wie bedeutend die Thätigkeit Gcrsons war, beweist das von Herrn Soave bibliographisch genau augefertigte, 28. Seiten umfassende Verzcichniß der aus seiner Officin hervorgegangenen hebräischen, italienischen und lateinischen Werke, welche heute zu den größten Seltenheiten gehören. Von der mit reichen Noten versehenen ungarischen Übersetzung des More Newuchim, welche Herr Dr. M. Klein, , Oberrabbincr in Papa, unternommen, ist das 2. Heft erschienen; dasselbe reicht bis Cap. n9. Wir sprechen wiederholt den Wunsch aus, daß Herr Dr. Klein die nöthige Unterstützung finde, sein patriotisches Werk rn vollenden. — Unter dem Titel: X /isidok Türtenete (Budapest 1879) erschien von dem fleißigen Herrn Nathan Fischer, Dir. der hiesigen isracl. Gemeindemädchenschule, die erste in ungarischer Sprache bearbeitete jüdische Geschichte, in der den fpeciell heimathlichcn Verhältnissen vorwiegend Rechnung getragen wird. — Ter weithin bekannte Hebräist Herr Simon Bacher der gewandte Uebcrsetzer des „Nathan der Weise" und des „Jojachin", veröffentlichte in diesen Tagen UWE fea, eine Sammlung hebräischer Gedichte (Budapest 1870). Es bedarf für Freunde der hebräischen Literatur der bloßen Anzeige dieser, größere und kleinere Dichtungen enthaltenden, schön ausgestatteten Sammlung, auf die wir später noch zurückkommen, und deren Ertrag der Vcrf. dem Wiederaufbau der durch Feuer zerstörten Institute (Synagoge, Schute und Spital) seiner Hcimathsgemeinde Lipto-Szt.-Miklos in anerkennendster Weise gewidmet hat?) — Von dem emer. Rabbiner Herrn Julius Des sauer, dem Herausgeber des übersetzten Nashi- ' Commentars zur Thora und anderen Schriften, erschien jüngst ' nfrarft nr.22 Schlüssel zum Gebetbuche, oder der erläuterte Gottesdienst (Budapest 1878). Der Verf. will mit dieser Schrift, bei deren Bearbeitung er, semer eigenen Angabe nach, Ivon den Schriften Auerbach's, Johlson's, Hamburgers und! auch Philippson's und Hirsch's Notiz genommen hat, nament-! lich durch die Inhaltserklärung der Gebete, auch der Parschijoth durch „Na chweisungen über Inhalt, Quelle, Entstehung, I Bedeutung :c., sowie die Nitualvorschriften für Synagoge,! Haus und religiöses Leben" einem dringenden Bedürfnisse ' unserer Zeit cntgegenkommen. Der „Schlüssel" enthält in der i That «lehr, als der Titel angiebt, und reiht sich, was Nichf tung und Brauchbarkeit betrifft, den früheren Schriften des Verfassers ebenbürtig an. Do. Kayserling. i) Wir können aus eigener Anschauung daS obige Nrtheil des gesch. Referenten nur bestätigen. Wir fügen hinzu, daß es wahrhaft betrübend ist. zu erfahren, wie Herr Bacher sehr werthvolle hebräische poetische Arbeiten seit Jahren im Pulte hat, ohne die Mittel und Wege zu finden, sie zu veröffentlichen. Möchte doch ein Mäcen der hebräischen Poesie eintrelen, der Erfolg würde das verhältnißmäßig geringe Tpjer reichlich belohnen! Redactiou. I e u i t f e t o n. Sie Juden als Ä.lileitungs- und ^rrshiilfe-^pparilt. Von Moritz Scherbcl in Gumbinnen. Welch Glück, daß ihr der Welt gegeben seid, Ihr Söhne Juda's — und euch habt erhalten; Und konntet ihr im großen Raum der Zeit Politisch mächtig euch auch nicht entfalten, Co habt ihr doch der Bosheit oft gedient, Dem Neid genützt, der immer frisch ja grünt; Und wie der Wahntvitz sich auch mocht' gestalten, Geduldig stets als Opfer hergehalten. Als Pest, als schloarzer Tod einst aufgetreten. Und Schreck' und Angst nicht wußten aus noch ein — Da rief der blinde Wahn: „es ist Vonnöthen Der Juden Tod, die doch nur schuld allein!" Und sieh! die Pest entwich mit schnellen Schritten, Es half der Juden Blut, wo sonst nicht Buß und Bitten O gold'ne Zeit, warum bist du entfloh'n Wo keck dem Tod man also konnte droh'n! Denn jetzt, vom Lichte der Vernunft beschienen. Erscheint der Wahn das, was er wirklich ist,

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