Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 43 (1879)
- Issue
- Heft 1 (1.1.1879)
- Date
- 1879-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3224737-3227231-3227233--36811-3256182- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
4 Allgemeine Skr ituii i® Cm mlparteiWes Organ für alles jüdische Interesse. Herausgegebcn °°n Bonn; hinsichtlich der Inserate nn A. Rabbiner vr. Ludwig Philipps«« in Bonn. ,; Znsrralr, welche biS Vonnrrilag eingehea, > finden in der daransi'olgenden Nummer Verlag von Baumgartners Buchhandlung in Leipzig. [__ Berücksichtigung.__ Beilagen werden mit 1' Mark 50 Pf. pro Hundert berechnet. Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal in L diS 2'/, Bogen. PreiS Vierteljährig A Marl. Inserate werden mit 20 Pf. für die Petitzeile oder deren Raum berechnet. Alle Postämter und Buchhandlungen nehmen Bestellungeu an. 43. Jahrgang. Leipzig, den 1. Januar 1879. M Inhalt. Leitende Artikel: Die Einheit der Ideen in der heiligen Schrift Israels. — Literarischer Wochenbericht. — Zeitungsnachrichten: Deutschland: Berlin. — Oesterreich-Ungarn: Pest, Men.^— Italien: Turin. —Frankreich: Paris. — Serbien: Ans Nisch, Belgrad/Risch. — Numänien: Bukarest. — Türkei: Konstantinopel. — Amerika: New-Jork. — Bonn: Notizen. Literarische Notizen. — Feuilleton: Die Inden als Ableitungs- und Anshülfe-Apparat. — Vermischtes: Wagner und Offenbach. Redende <5£thf;ef. Bonn, 25. December. Die Einheit der Ideen in der heiligen Schrift Israels. I. Keines Schriftwerkes des Altcrthums hat sich die zersetzende, auftösende und auseinanderreißende Kritik so sehr bemächtigt, als unserer biblischen Bücher. Seit mehr als zwei Jahrhunderten arbeitet sie fort und fort, die überlieferten Angaben über dieselben, wie sie theils durch die Titel und Ueberschriften, theils durch die Tradition uns überkommen sind, zu beseitigen, die canonische Gestalt derselben als unrichtig, als aus verschiedenen Bruchstücken zusammengesetzt und mit Einschiebseln und Zusätzen versehen, darzulegen und die Zeit ihrer Abfassung als völlig andere, denn die bisher angenommene, zu erweisen. Wenn hierbei besonnen, mit gründlicher Würdigung aller einschlagenden Momente, mit sorgfältiger Umsicht und ohne leidenschaftliche Parteiung vorgegangen würde, so könnte man derartigen wissenschaftlichen Untersuchungen nur willig ihren Platz einräumen. Dies ist aber nicht der Fall, sondern schon der, welcher gewöhnlich als der Vater dieser Kritik angegeben wird, Spinoza, ging in seinen: kritischen Verhalten so oft von ganz äußerlichen und kleinlichen Streitpunkten, von oberflächlicher Anschauung des Geschichtlichen und von willkürlichen Voraussetzungen aus, daß die meisten gerade seiner Einwände sich leicht widerlegen lassen. Und wie unendlich weit ist man seitdem auf demselben Wege fortgeschritten! Je kühner eine Hypothese, desto willkommener ist sie dem obherrschenden Geiste der Verneinung. Daher kam es auch, daß die Geschichte dieser Bibelkritik ein unbegrenztes Feld von augenblicklichen Siegen und plötzlichen Niederlagen bietet, da der Nachfolger stets die Schwächen und Jrrthümer des Vorgängers nachweist, der doch zu seiner Zeit die Ergebnisse seiner kritischen Forschung für unumstößlich ausgab. Nicht minder ist hervorzuheben, daß durch diese Lucubrationen weder das sprachliche Wissen, noch das eregctische Vcrständniß wesentlich gefördert, vielmehr beides in Verwirrung gebracht und zum Theil ebenfalls zu reiner Hypothese gemacht worden. Jndeß kommt es uns heute nicht darauf an, die Mängel und Schäden der neueren Bibelkritik, über deren jüngstes, in diesen Tagen erschienenes Product wir uns nächstens auszusprechen haben, zu erörtern. Nur auf Eines wollen wir aufmerksam machen. Theils bewußt, theils unbewußt liegt es in der Absicht und dem Erfolge dieses kritischen Verfahrens, das in unserer h. Schrift gegebene Fundament aller positiven Religionen zu zerreiben, das Sichere als unsicher, das Feste als , schwankend, das Geschichtliche als mindestens zweifelhaft hinzustellen, und so die Unterlage der religiösen und sittlichen Ueberzeugung als ein fragliches Conglomerat von Bruchstücken, von Erzeugnissen zweifelhafter Perioden und Persönlichkeiten!zu stigmatisiren. Man wird zugeben, daß die Erreichung dieses Zieles das nachtheiligste Product jener Anstrengungen wäre und von den Vortheilen selbst der wenigen sicheren j Resultate der Kritik nicht im Entferntesten aufgewogen würde.