Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 38 (1874)
- Issue
- Heft 50 (8.12.1874)
- Date
- 1874-12-08
- Page
- Seite 846 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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'848 ' '' vermischtes. ■:,'SVf iv-fCte eine Keine Illustration zu dem Correspondenzartikel in Nr. 45 „Mus dem Elsaß« möchte ich folgendes Ereigniß mittheilen. -Im Monat; August fand auf der Bürgermeisterei von Blotzheim ‘ (Elsaß) die Civiltrauung - einest gewissen N. Wolff, 7 4 Jahre alt> mit der L^ Levy- 70 Lahre alt,-statt. Es sind jetzt 32. Jahre her, daß,.sich dieses Paar nach jüdischem Ritus hatte trauen lassen. Was hatte sie bis jetzt an der Legalisirung ihrer .Ehe . verhindert? Der Vater Wolff's hatte ihmein beträchtliches Vermögen hinterlaffenaber da er taubstumm war, so verlangten seinem nächsten Verwandte im Jahre . 1838 vom Tribunal von Altkjrch ein Heirathsverbot, selbstverständlich um der Aussicht auf die reiche Erbschaft willen. Der Gerichtshof verwarf das Gesuch, aber der königl. Hof: von Colmar, sprach das Verbotaus.: Dies verhinderte Wolff nicht, sich im Auslande religiös! trauen, zu lassen, und dieser. Ehe entsproffen sieben Kinder, von denen vier noch leben. In-Folge jener Jnterdiction wurde das Vermögen Wolff's von .vier Vormündern aus seinen voraussetzlichen Erben verwaltet, und: diese? verwilligten nicht mehr als 7 5 Frcs. monatlich, .später 100 Frcs. Wolff mußte/sich fügen. .Jetzt, nachdem Elsaß deutsches.Reichsland geworden, wandte sich Wolff. an. den kaiserlichen Gerichtshof zu:-Mülhausen, und.-dieser :Märte--»nach der sorgfältigsten: Untersuchung und im Widerspruch mit dem.,, meist -aus voraussetzlichen Erben zusammengesetzten - Familienrath, dckß .Wolff-sich im vollen Besitze seiner geistigen Fähigkeiten befinde und . von jeder Vormundschaft zu befreien sei. In Folge deffen konnte die Civiltrauung vollzogen - werden und so befinden, sich auch die Kinder Wolff's in .der Eigenschaft gesetzmäßiger. Erben, zum Nachtheil der. würdigen Verwandten, die das Ehepaar so lange .in Armuth habenschmachten lassen. So berichtet der „Industrie Alsacien". >, / Vor Kurzem erschien von einem schweizerischen Dichter Widm a n n: ,>Mose und Zipora. Ein himmlisch-irdisches Idyll in zwölf Gesängen" (Berlin 187 4): Das Publikum unserer Zeit ist kein. Freund von Idyllen, und noch weniger von einem umfangreichen. Gedichte in gereimten Oktaven. Wir könnten deshalb über das vorliegende Gedicht-.stillschweigend hinweggehen, ' ■ „ , ,; Zum 1."Januar 1875 soll in hiesiger Synagogen-Gemeinde ein zweiter Schächter, der zugleich als HülfsMuntius fungirt, engagirt werden. Gehalt prd'Ätuko 250 Thtw ui Nebenrevenüen aus der Schechita. Bewerber.'wollen unsihreMeldungen unter. Beifügung ihrer Zeugnisse bis zuMl .>Aan«a.r.k.-Jx.zustellen./,. Stettin, den 25. November 1874. VorstandderSynagogen-Gemeinde (ll. 11290 a.) Dr. Meyer. wenn? es nicht andererseits, -durch Frische: und Lebendigkeit/ r r.sowie in Sprache und Form sich auszeichnete. Dev Dichter macht/es dem: Kritiker etwas schwerein Uriheil abzugeöen, denn er widmet sein Werk -- . ' „Den wenigen Vernünftigen, . Jetzt lebenden und künftigen!" Man schließt sich doch nicht/gerne von selbst .von den - -.wenigen Vernünftigen" aus. . Doch der Dichter sagt -dies nur in s ei ne m Sinne, und muß es so Anderen gestatten, einen anderen Sinn zu haben, und die Vernunft, wo anders zu finden.- Wir haben gegen den ganzen: Apparat -des . Dichters / nichts einzuwenben, wenn er. ihn, da er gänzlich.moderner Natur ist,, für einen modernen Gegenstand / in Bewegung setzt. Wir. halten aber für einen-nicht zu rechtfertigenden Mißgriff, die erhabene Gestalt Mosens -zu einer Liebesgeschichte; ganz gewöhnlicher Art mit häuslichen Zankfcenen und Gardinenpredigten undseinen hohen Lebensberuf zu einem Streitapfel für Hausvater und/Hausmutter zu machen, welche letztere erst durch die Aussicht auf:Staat, Prunk und Herrschaft gewonnen: sein will.. Den Einwanddaß dies Pietisterei sei,. laffen wir nicht gelten. Es widerstrebt den Gefühlen des Lesers- und jeder Künstler hat einen schweren Mißgriff gethan, der von vornherein die Empfindungen feiner Leser verletzt und ihnen Gewalt anthut. Für diejenigen Leser aber,; welche solche Gefühle nicht hegen, hat der Dichter auch - den Vortheil verloren, den er aus der Verehrung ziehen wollte, -welche seinem Helden.entgegengetragen wird. Für beide Leserkreise streif daher das „Idyll" dicht an.der Satyre oder Parodie vorüber, wozu das. Gedicht an sich wieder nicht paßt. Zur Parodie leitet auch die Art, wie er „Gott", in dem Gedichte erscheinen und mit „Satan" kämpfen läßt. Wie sehr dies der Anschauung unseres großen Gesetzgebers widerspricht, brauchen wir nicht erst zu sagen. Wir halten die dem Dichter zustehenve Freiheit -hoch; können sie aber nicht so weit ausdehnen, um ihr Unwahrheit und Verdrehung zu gestatten. Wir bleiben hier beibiblischen Gegenständen nicht stehen; es ist uns fast ebenso unangenehm, wenn moderne. Dichter antike Stoffe und Helden auf modernen Seilen tanzen laffen, und das, was an ihnen großartig ist, durch moderne. Tändeleien und Ranke trotz aller hohen Phrasen carrikiren. Die Herren müssen es sich denn auch gefallen laffen, daß schon die Gegenwart über ihre Werkedie Bergeffenheit breitet. . Die Stelle eines Lehrers und Vorbeters für hiesige Gemeinde Die Stelle eines Lehrers und Vorbeters für hiesige Gemeinde ist •-.vaLanl. ' ''Der-'Gehalt--ist'-auf "-350' -Thalerfixirt. Quälificirte Bewerber belieben sich, unter Beischluß ihrer Zeugnisse, an .den. Unterzeichneten , zu wenden. ' - Viersen, den 20. November 18.74. ' I. Weyl.