Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 38 (1874)
- Issue
- Heft 45 (3.11.1874)
- Date
- 1874-11-03
- Page
- Seite 759 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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halten, und mit ungeschwächtem-Augenlichte besorgte er noch wenige Tage vor seinem Tode seine Eorr'espondenzen bis tief in hie Nacht hinein, ohne daß seine Hand ein Zittern oder irgend welche Spur des hohen Alters verrieth, — ja seine Handschrift zeigte seit mehr denn vierzig Jahren nicht, die geringste Berän- ' derung. Er veranstaltete auch noch an seinem Lebensende die Herausgabe des Pentateuch mit deutscher Uebersetzungfremden 1 und zwei eigenen Commentarien, erlebte aber nur das Erscheinen der zwei ersten Bücher. Der bibliographischen Vollständigkeit halber sei noch erwähnt, daß im Jahre 1864 ein Commentar zur r7->Ä77 von. dem Verstorbenen erschienen ist. So wirkte und schuf er ein langes ruhmvolles Leben hindurch Gutes und Edles, um des Guten und Edlen selbst willen, und wie er sich die Liebe und Verehrung der Mitwelt erworben hat, so wird ihm die Nachwelt ein ehrenvolles Andenken bewahren. Wie viele Gegner auch seine religiöse Richtung haben mochte, vor seiner sittlichen Große beugte sich Alles. Sein LeicheNbegängniß legte auch den Beweis ab, daß sowohl unsere als auch viele andere Gemeinden ein tiefes Verständniß des Verlustes haben, der-sie betroffen. Viele Rabbiner und andere gelehrte Männer waren aus der Ferne herbeigeeilt, um den Entschlafenen im Tode zu feiern, wie sie ihn im Leben geehrt und geliebt haben. Nachdem im Trauerhause von drei auswärtigen Rabbinern Leichenreden gehalten worden waren, wurde der Sarg in die Synagoge. getragen, welche auf das Weihevollste ausgestattet war. Alle Lichter waren angezündet, die Kanzel und der Platz vor derselben, auf welchen der Sarg niedergffetzt wurde, war mit schwarzem Tuche ausgeschlagen, die Candelaber zu Seiten der Kanzel mit schwarzem Flor umwunden. Nachdem der hiesige Rabbiner, Herr Dr. Oppenheim, eine würdevolle Rede gehalten hatte, wurde der Sarg von den Gemeindevertretern in den Leichenwagen gebracht. Diesem voran gingen die Zöglinge der Gemeindeschule, geführt von den Lehrern derselben, und ein unabsehbares Gefolge und eine lange Wagenreihe begleitete ihn. Am Grabe sprachen abermals zwei fremde Rabbiner und der älteste Sohn des Verstorbenen. Allen , die ihm die letzte Ehre erwiesen haben , las man die Trauer vom Gesichte herunter, Alle waren tiefergriffen und erschüttert, kein Auge blieb thränenleer. Nachdem Herr vr. Oppenheim das Schlußgebet gesprochen hatte, wurde der große Todte in die Gruft gesenkt. Friede seiner Asche! . - ~~ Unze Die hiestge Lehreru. Cantorstelle, welche mit einem Gehalte von 400 Thalern verbunden ist, wird mit dem 1 April kommenden Jahres vacant. Darauf Refleetirende wollen fich unter Einsendung ihrer Zeugnisse an den Unterzeichneten Borsteher wenden. Geldernden 18. Oetober 1874. , : ßavid Franclien. Nach t r a g. ' Berlin, 26. October. Heute um 11 Uhr Vormittags fand das Leichenbegängniß des Rabbiners vr. Geiger statt. Der wesentlichste Theil der Feier vollzog sich in der neuen Synagoge vor der versammelten Gemeinde und an der Hauptstätte seiner bisherigen Wirksamkeit. Unmittelbar unter der Kanzel, von wo herab der Lebende in so reicher Fülle Leben und Wahrheit gespendet, war der Katafalk aufgerichtet, der die sterbliche Hülle des Heimgegangenen trug. Lichterglanz, Pflanzenschmuck Und Trauerflor flössen sanft ineinander und symbolisirten an dem sonst so anmuthreichen und zugleich geweihten Orte die nahe Berührung von Leben und Tod; — ein wahres und zugleich beredtes 638trum doloris! War doch das ganze Leben und Wirken des Mannes, den nunmehr eine unausfüllbare Lücke von, seiner Gemeinde trennt, eine scharfe Verdolmetschung des Unterschiedes von Tand und Ernst, Vorurtheil und Wahrheit, Vergänglichkeit und Ewigkeit! Und so fühlte denn auch die leidtragende Gemeinde, daß heute nur die vergängliche Hülle ihres Lehrers aus ihrer Mitte scheiden werde, nicht aber sein Geist und die fruchtbaren Thaten deffelben. Der hiesige Amtsgenosse des Verewigten, Rabbiner vr. Aüb und von den auswärtigen.Deputationen, Rabbiner vr. Goldschmidt aus Leipzig, gaben dsisem Gedanken sinnigen und erläuternden Ausdruck. Von der Synagoge aus bewegte sich das unabsehbare Leichengefolge zu Fuß nach dem jüd. Kirchhofe in der Schönhauser Allee, wo die beiden hiesigen Amtsgenossen .des Verstorbenen, vr. Ungerleider und vr. Aub, abwechselnd mit Trauerrede und Trauerliturgie die ernste Feier ihrem Ende'entgegenführten. * (So die „Nat. Ztg." Einen Originalbericht wird die folgende Nummer bringen. Redaction.) ' Würzburg, 26. October. vr. Rittler, Redacteur. des klerikalen ^Fränkischen Volksblattes" wurde wegen eines gegen die Juden aufreizenden Artikels vom Schwurgerichte zu einmonatlichem Gefängnißverurtheilt. (Wir Haben bereits einen ausführlichen Bericht in Händen, der in der nächsten Nummer abgedruckt werden wird. Redaction.) i g e n. Zum 1. Furil k. Z. findet in hies, Israel. Gemeinde ein Netigionslenrer, gleich^, auch Vorderer u. Schächter Engagement. Äährl. fixes Gehalt neben freier Wohnung, Mittagstisch etc. 170 Thlr. Hierauf refiect. nnverheirathete Eandidaten^ die fich einer Prüfnng des Landesrabbiners zu unterziehen haben, wollen ihre Zeugnisse dem Unterzeichneten Vorsteher franco rinsenden. Dömitz, Mecklenb.-Lchwerm, im October 1874. ' Joel Wolffensfein.