Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 38 (1874)
- Issue
- Heft 44 (27.10.1874)
- Date
- 1874-10-27
- Page
- Seite 734 (sequence 4)
- Language
- German
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Zusammengehörigen ohne r den r geschichtlichem Gang zu.. vernach- HHgen, -.d^schorl/Mr.^chtigen Beurtheilung des Einzelnen mn-- ^tLHrlich. ist,^ fieerwarten sämmtlich noch ihren Anfang, ft Was- ^unz hierfürgeiciftet,. >fix ausgezeichnet .es ist, bewegt sich nur! yoch. .um -literarische. Aleußerlichkeiten. Außerdem. hat. . man, nur! Alnmenkesen geliefert, .die immerhin für pxaküsche Zwecke nützlichj sind.^ ^,Füstenthäl, ..Dukes, Giuseppe ^Levi und Heligmannverdie?; neu' auS^diesem. Gesichtspunkte Dank; aber sie/ wollten , auch nicht; .we.hr ^-leisten. — WaS jedoch die.wissenschaftliche Bearheilung und' Erke^sstniß ^deS „Talmuds am. meisten verhindert,.hat,..ynd.- noch! .immer -verhindert, das. ist einerseits. die hartnäckige^ Feindseligkeit; gegen denselben, welche seit Jahrhunderten irgend welche in ihm; vorkonlmende extreme..Aussprüche sammelt/, andere aus ihrem Zu-! sammenhange reißt und entstellt, . wieder Andere geradezu verfälscht,- die-. figürliche und überschwengliche orientalische Ausdrucksweise als wirkliche nackte Vorstellung ausgiebt,. um so den. Talmud als ein . Machwerk des trübsten Menfchenhaffes und d^s lächerlichsten Unverstandes zu. brandmarken. Man weiß, daß -dies Manöver seit. Eisenmenger immer wiederholt wird. Alle Wider-; legungen, , alle. Nachweise der begangenen Jrrthümer und Fälschungen, sowie der, willkührlichen .Behandlung in. der Auslegung! der Stellen helfem nichts, ,da man nicht wi^rle'gt,und,,.des,Hes-i seren helehrt sein, sondern nur das zusammengeleseneMaterlal, so verfault es auch ist, zu Angriff und Schmähung des Judenthums und der Juden gebrauchen will. Und wenn man noch durch eigene; Studien die von Eisenmenger in Fluß gebrachte Maste vermehrte. . Dann fände doch , wenigstens noch eigene Forschung und erweiterte Bekanntschaft mit. dem -Talmud statt und ließe aus zukünftige, ausgedehntere Kenntniß hoffey, die dann von selbst eine . Heilung dieses Schadens und,, ein richtigeres Verständniß. cherbeiführen, würde.,. .Diesem Uebelstande abzuhelfen, fühlt man sich andererseits.,dazu gedrängt, .den Talmud /um .in seinen Vorzügen, zu betrachten und viele treffliche. Stellen. aus ihm zu sammeln, und.:.jenenInvectiven entgegenzustellen. Do löblich dies auch ist,- so kömmt man hierdurch doch nicht weiter, als zu.Blumenlesen. . Statt z. B. die Echikdes/Talmuds in ihrer geschichtlichen Entwickelung, und auf Grund dieser systematisch und möglichst erschöpfend, .dabei nach allen Seiten kritisch und objectiv zu bearbeiten, wenigstens den. Anlauf hierzu. zu nehmen, wenn auch die ersten Versuche noch mangelhaft bleiben — wie. wir schon. vor Jahren dringend.-empfahlen — bleibt man auf dem apologetischen Standpunkte stehen, sammelt schöne und sinnreiche Sentenzen.und. idealisirt den. Charakter, des Talmuds. Angefeuert wurde und .wird.man hierzu durch den Umstand, daß neben jener offenbaren Gehässigkeit, sich', auch,, eine Mißachtung des Talmuds verbreitete, die auch unter den Juden selbst, als sie des Talmuds..innerhalb der Culturbewegung. unkundig wurden, sich einstellt^. Dieser Mißachtung und Unkenntniß gegenüber griff, man immer wieder zur ..Apologetik, welche den Geist und die. Tendenz des- Talmuds mit.dem. höchsten Lobpreis erhob und ahn auf die, -Sonnenhöhen der Intelligenz! und der erhabensten und. lautersten Sittlichkeit stellte. - Hattemanin früheren Zeiten -den Talmud als-die-Schatzkammer alles Wissens betrachtet/ über deren , Grenzen keine, Wissenschaft etwas zu bieten habe^ was dort nicht schon; zu finden sei —. so gelangte : man innerlich, > ohne Paß man r-eS-zugestehen > wollte, jetzt wieder; zu - derselben Ansicht, und , suchte von .astor Mangelhaftigkeit Mud, allen Jrrthümern - in den AnschMungen.früherer Zeitalter den- Talmud freizusprechen. Es ist, dies sehr.psychologische - Das eine, Extrem treibt immer zum andern. Aber, weder-die wissenschaftliche/ noch die populäre Erkenntniß des Talmuds tvird dadurch wesentlich, gefördert. Man übersieht von, beiden Seiten, daß der Talmud das: Erzeugniß vieler Jahrhunderte, vieler Männer.und Schulen! unter höchst veränderten Verhältnissen und Richtungen, daß er eine Sammrlung von; Traditionen-und besonders von Controversen ist. Allerdings zieht sich nun.durch das Ganze. eingewisser einheitlicher Geist, ein einheitlicher Zweck, und . in großen - Umrissen; auch ein einheitliches Princip, wie wir dies in mehreren Schriften und Abhandlungen zu fixiren versucht haben,. Es, macht dies die . bewunderungswürdige Größe des Talmuds aus/ Dies verhindert aber nicht, daßer iü-'tze-n-^Szflze.lheiten auseinänderfällt,! daß - die einzelnen- Zeiten, SchWAkn Persönlichkeitenverschiedene - Wege gehen- -und eine Mannigfaltigkeit der Ansichten, . Begriffe und Vorstellungen kund geben. Wiesollten-sonstauch:die Controversen entstanden, seim mit denender Talmud angefüllt; ist? Daß diese Männer hinsichtlich ihres Wissens und .ihrer Anschauung nun. sehr verschieden.waren, alle aber über die Grenzen ihrer Zeit so wenig ,hinausgehen konnten/ wie, dies'Jemand in unserer Zeit vermag, so-hervorragend auch Dieser und .Jener in dieser und jener Disciplin gewesen, daß daher auch der Eine frei, z. B. von astrologischem Wahne, der Andere befangen darin war, das ist Alles natürlich und selbstverständlich. Dem ganzen Talmud , nun wegender Aeußerung des Einen das höchste Lob, wegen der des Andern 'den' höchsten Tadel ertheilen zu wollen, ist unbillig und verrückt den richtigen Standpunkt. Ja, die Würdigung, - der großartigen Geistesarbeit, welche.' im Talmud niedergelegt, ist, und des reichem geschichtlichen und culturhistorischen Schatzes, der darin enthalten, die Würdigung des Talmuds-als des zweiten Fundamentes des Judenthums leidet, unserer Meinung nach durchaus nicht, selbst, wenn .wir eine; in ihm durchgängig herrschende Ansicht für. irrig . anerkennen, selbst das ganze Princip des Talmuds, die Religion in ein. genau formulirtes. Jus umzuwandeln, als ein für uns. nicht mehr annehmbares erklären/ Zu diesen Aeußerungen veranlaßte uns im . Augenblicke die Schrift des Herrn Rabbiners .Thein: „Der Talmud oder das Princip des. planetarischen Ginfluffes nach de,r Anschauung : des Talmuds.. Von Soll. Thein, Rabb. Prag 1874,-Schmelkes.'"- Sie gehört zu jenen /apologetischen Versuchen., und. zwar, nach unserer Meinung, zu . denmißglückten. / -Gerade cheShM.-:--ber fühlen wir uns. .verpflichtet, etwas , näher, darauf^inzugehen.