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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1874-10-13 · Heft 42 (13.10.1874) · p. Seite 706

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
38 (1874)
Issue
Heft 42 (13.10.1874)
Date
1874-10-13
Page
Seite 706 (sequence 8)
Language
German
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von.4M Thlrn/' zur Gründung einer /Hospitalitchstelle/d Solche Stiftungen sind/um.so höher anzuschlagen,; als sie der; Anstalt! ein dauerndes Einkommen sichern. . Die Anstalt -ist/ räumlich be-c deutttid - erweitert, undwürden derartige Zuwendungen. neue Aufnahmen 'aus der großen Zahl: der/daselbst Unterkunft - suchendem würdigen und' hülfsbedürftigen Gemeindemilglieder: ermöglichen./ / - - —. Ein neuer jüdischer Religionsverein mit eigenem Bethaus und'Religionsschule ist im Osten unserer Stadt in'der Bilvung begriffen. Das Project geht von dem jüdischen Religionslehrer, Re u L a u e r, Ändreasstraße 66, aus, der bereits eine größere Zahl der mosaischen Bewohner' der im Osten liegenden Stadttheile dafür gewönnet: hat und der im Interesse des Zustandekommens gesonnen ist, seine seit vielen Zähren bestehende concessionirte Religionsschule mit dem zu gründenden Verein zu verschmelzen. Ein während der eben beendeten großen Festtage in einer eigens dazu erbauten Halle auf 'dem Grundstück Grünen Weg Nr. 1 eingerichteter Gottesdienst, bei welchem die Candidaten der jüdischen Theologie, Richter und Löewe, sich im Predigen ablösten, war dazu bestimmt, den zu gewinnenden Mitgliedern.von der Ausübung des Cultus eine eigene Anschauung zu verschaffen und ihnen über die Lebensfähigkeit und Durchführbarkeit des Projects keinen Zweifel zu lassen. ., Berlin, 2. Oct. Das hiesige Stadtgericht hat seine seit 1847 geführten Standesamtsgeschäfte (für Juden und Dissidenten) am 30. v. M. Nachmittags geschloffen,. und es ist nun die Frage entstanden, ob die bis zum 1. October vorgekommenen und noch nicht gemeldeten Geburts- und Todesfälle noch in das Gerichts- oder das neue Standesregister eingetragen werden müssen. Das Stadtgericht hat sich für das Letztere entschieden, der Magistrat aber die Entscheidung des Kammergerichts nachgesucht, weil er der entgegengesetzten Meinung des Stadtgerichts ist. Schrimm, 29. September. (Heißer Wahlkampf.) Der gestrige . Tag bot uns das Schauspiel einer seltenen Aufregung unter der hiesigen jüdischen Bevölkerung, denn es galt, die am 11. August c. unterbrochene Repräsentantenwahl fortzusetzen. Welche Hebel in Bewegung gesetzt wurden, um der Partei für oder gegen den greisen Rabbiner den Sieg ln der/ Wahlschlacht zu sichern, spottet aller Beschreibung. ' Uneingeweihten gegenüber sei hier bemerkt, daß nicht religiöse Meinungsverschiedenheiten, sondern einfach der- Geldpunkt den Zwiespalt in der hiesigen Gemeinde geschaffen und - forterhält. Der Cultusverein hatte-für den-Fall der Niederlage mit dem Massenaustritt aus dem -Judenthum gedroht, und um dieser Drohung Nachdruck zu geben, hatte ein Mitglied den Austritt'schön vorher bewerkstelligt. Dadurch war es der Partei des Cultusvereins gelungen, eine Anzahl Stimmen für sich zu gewinnen. Schon seit' Wochen vor .der Wähl würde - von beiden -Seiten um Stimmen geworben/ -Und als -am Ende voraüszusehen war, daß wahrscheinlich eine Einzige Stimme unter 143' Wählern den Ausschlag geben würde, 'stiegMe/Erwartung ' austs--Höchste. /Der^Schneider -I./F.::war) das Object, /welches zuerwerben beide Parteien angelegentlichst sich bemühten. — Die Wahl sollte: um 2 Uhr Nachmittags statt-- finden, '-aber, schon -ämfrühestewMorgen warder I.F. von den Anhängern der vom der - Gemeinde losgelösten/ Partei ^(veml sogenannten Cultusverein)/iw Beschläg genommen wötden- ÄM» ihn für. den geeigneten Moment in Bereitschaft zu haben./! In-: dessen auchdie anderePartei/war:nicht müssitz. .'Alle- Zugänge/ des Hauses-: wo:F. in Verwahrsam gehalten wurde/ waren besetzt,, umdieses Mannes möglicherweise habhaft zu werden/: Zur paffenden Stundefuhr eine Droschke vor, um den F. Nach dem Wahllocale zubringen, der Kutscher jedoch wurde durch/eine reichliche Spende veranlaßt, begleitet von dem Hurrahruf der versammelten Jugend, ohne Insassen weiter zu fahren. Die. Fortschaffung des:F. gelang endlich durch eine.von dem jüdischen Gutsbesitzer R. .hingeschickte Equipage, auf welcher der Fuhrmann- B. mit einer mächtigen Keule bewaffnet den Kutschersitz: eingenommen hatte. Große Heiterkeit, anderseits aber auch.Ent-' rüstung erregte es, als .inmitten des Wahlactes der schwerkranke, und, wie verlautet, am Typhus darniederliegende Kaufmann M.: Sch., in Betten und Tücher gehüllt und bis zur Unkenntlichkeit, vermummt,' auf Requisition seiner Partei, des Cultusvereins, trotz Verbots des Arztes, in das Wahllocal gebracht wurde. Schließlich wurde die Wahl mit einer Stimme Majorität zu . Gunsten des Cultusvereins entschieden, jedoch soll die ganze: Wahl, wie.wir von gutünterrichteter Seite vernehmen, wegen vorgekommenen Formfehler und wegen unberechtigten Ausschlusses. eines Wählers für ungültig erklärt werden. : - Altona, 28. Sept. Ueber die Wahl des Dr. Marburg zum preußischen Abgeordnetenhause, die wir bereits meldeten, wird nunmehr berichtet: „Bei der heutigen Neuwahl eines Landtagsabgeordneten erhielt Marburg (Fortschritt) von 303 Wahlmännern 183 Stimmen, Reimers (national-liberal) 120 Stimmen." Düsseldorf, im Sept. Die „D. Ztg." theilt folgende Regierungsverordnung mit: Der Minister der geistlichen, Unterrichts- und Medicinalangelegenheiten hat sich in Betreff der Beaufsichtigung der jüdischen Schulen dahin ausgesprochen, daß die jüd., gleich den christl. Schulen, neben der stattfindenden Localaufsicht der Aufsicht des betreffenden Kreisschulinspectors zu unterstellen seien. - Hiernach bestimmen wit Folgendes: 1) Die - sämmtlichen jüd. Schulen unseres Bezirks werden hiermit dev Aufsicht der vöw uns ernannten königl. kathol. Kreisschulinspectoren unterstellt,- wovon allen Betheiligten Mittheilung zu machen ist. 2) Außerdem ist für eine jede jüd. Schule unseres Bezirks, soweit dies noch nicht geschehen sein sollte, ein dem Kreisfchulinspector untergeordneter-besonderer Löcalinspectdr zu ernennen, zu welchem Zwecke uns-geeignete Persönlichkeiten binnen vier Wochen in Vorschlag zu-bringen sind/ - In gleicher Weise sehen 'wir der Anzeige-darüber-,- daß die

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