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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1874-10-06 · Heft 41 (6.10.1874) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
38 (1874)
Issue
Heft 41 (6.10.1874)
Date
1874-10-06
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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A.l lgemeine Zkitima des Ein unparteiisches Organ für alles Wische Interesse. Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal in 2 viS 2Va Bogen. Preis Vierteljährig 1 Thlr. Inserate werden mit 2 Ngr. für die Pctikeile oder deren Raum berechnet. Alle Buchhandlungen, Postämter und Zeitungs - Expeditionen _._t— Bestellungen an. HerausgegeLen von Rabbiner vr. Ludwig Philippson in Bonn. Verlag von Baumgartners Buchhandlung in Leipzig. Sn redactionellen Angelegenheiten wende man sich an vr. L. Khilippson in Bonn; hinsichtlich deS Bezugs und der Inserate an SaumgSrtnrr'« Suchtiaiidlung in Leipzig. Inserate, welche bis voimrrrtag cingehen, finden in der darauffolgenden Nummer Berücksichtigung. 38. Jahrgang. . Leipzig, den 6. October 1874. jvr 4i. Inhalt. Leitende Artikel: Renan nnd die Juden, l. — Literarischer Wochenbericht: Gr, Becskerek.— Zeitungsnachrichten: Deutschland: Berlin, Köln, Aus Preußen, Aus dem Regierungsbezirk Arnsberg, Aus der Provinz Posen, Neubrandenburg (Mecklenburg). Oesterreich-Ungarn: Pest, Großwardein, Lemberg. — Rumänien: Bukarest. — Rußland: Odessa, Berlin. — Amerika: New-Iork. — Feuilleton: Einige Lebenserfahrungen. III. — Zur Biographie Diego's d'Aguiltar. — Vermischtes. £elt&ud& ßLxhket. Bonn, den 30. September. Nenan und die Juden. I. In einem der ersten Jahrgänge dieser Zeitung beschrieb einer unserer Mitarbeiter*) in..witziger und geistreicher Weise die unausrottbare Krankheit des Rischus und deren sehr verschiedenartige Formen. Hierbei übersah er jedoch eine Form dieser Krankheit, die sich vielleicht damals noch nicht so fühlbar gemacht hatte, nämlich den Rischus der gelehrten Schematiker, denen die Juden in das Schema nicht paffen wollen, welches sie sich von der Geschichte der Menschheit entworfen haben. Welch' eine Sünde der Juden, in das wohlgeordnete Fach, das der gelehrte Denker expreß für sie nummerirt hat, sich nicht hineinfügen zu wollen; da hilft nichts, sie müssen zersägt, zerschnitten, verkleinert und verengt werden, bis sie in das Fach hinein paffen. Eine solche Operation macht Mühe, verursacht vielleicht dann und wann einige Gewissensbisse, da die Geschichte und das Leben sich diese Verstümmelungen nicht gefallen lassen wollen, und es ist daher natürlich, daß die Arbeit nur unter Schelten und Schmähen vor sich geht; am meisten darum, weil die Juden schließlich doch ganz unverftümmelt und lebendig vor den Augen des Gelehrten umhergehen und des Letzteren spotten, obschon er sie wiederholt für todt.und abgethan erklärt hat. Diese Art der Rischuskrankheit quält Herren Ernst Renan ganz besonders. Wir wollen *) Es war Dr. Uri, ein Pseudonym meines verstorbenen Bruders Di. Ph. Philippson. hiermit nicht gesagt haben, daß Renan aus seinen früheren LebenSperioden nicht auch eine gute Portion des allgemeinen Judenhasses und des besonderen der christlichen Theologen mit in die Zeit seiner Kritik hinübergenommen und sich dessen als librepenseur ju entschlagen keine Veranlassung gehabt habe. : So: etwas ist -fundamental. Aber auf diesem Grunde erhob sich für ihn die besondere Krankheitsform, die wir oben gezeichnet haben.' Wir haben bereits im vorigen Jahrgang sS. 601, 617 und 715) unter der Rubrik „Zwei Jrrthümer" die völlig falsche Auffaffung, welche Renan in seinem neuesten Werke (L’antechrist, Paris, 1873) über die Prophetie und den Opferculius der Israeliten aufstellt, nachdrücklich widerlegt und zurückgewiesen. In seinem Eifer, das gesammte Alterthum, in dessen Vorstellungen und Begriffen, auf die niedrigste Stufe zu verweisen und das Erwachen reinerer Erkenntniffe einer späteren Zeit — hier dem Zeitalter des Jesaias — zuzuschreiben, wirft er das alte Jsraelitenthum in denselben Topf, mit allen anderen antiken Völkern, obschon die unverkennbarsten Beweise dagegen sprechen. — Durch einen Artikel in einer vielgelesenen Zeitung werden wir jedoch angeregt, noch einen anderen Theil jenes Werkes in Betracht zu ziehen, nämlich das letzte Capitel: „Die Folgen der Zerstörung von Jerusalem." (S. 525 ff. der französischen Originalausgabe.) Wir können hier nicht auf die Darstellung Renan's vom Kampfe der Juden gegen die Römer in all' ihren Einzelheiten eingehen. Der Raum einer Zeitschrift gestattet uns dies nichts Renan geht gänzlich vom Standpunkte des späteren Christenthums dabei aus. Es existirten zwei oroße Parteien unter den

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