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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1874-09-29 · Heft 40 (29.9.1874) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
38 (1874)
Issue
Heft 40 (29.9.1874)
Date
1874-09-29
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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erneute mMteiWeHMrgan M alles Wische Interesse. MgersiK»«- wöchentlich L-pis i'fi Bogen. Preis •v - Lhlr. Inserate werden die Petitzeile oder deren Alle Buchhandlungen, * ZeitungS - Expeditionen nehme» Bestellungen an. Herausgegeben von Rabbiner Dr. Ludwig Wlippson in Bonn. Verlag von Baumgärtuer's Buchhandlung in Leipzig. In redactionellen Angelegenheiten wende man sich an Dr. L. Philippson in Bonn; hinsichtlich deö Bezugs und der Inserate an Laumgiirtner's Suchhandlung in Leipzig. Inserate, welchetiS vonner»- tag cingehen, finden inderdarauffolgeuden Nummer Berücksichtigung. 38. Äahrgung. Leipzigs den 29. September 1874. JW 40. Inhalt. Leitende Artikel: Der religiöse Gedanke. II. — Die Einweihung zweier neuer großer Tempel in Nürnberg und Paris. Zeitungsnachrichten: Deutschland: Berlin, Altona, Herdecke (Rheinprovinz), Paderborn, Posen, Gnesen, Koschmin. - Oesterreich- Ungarn: Wien, Czernowitz, Aus Oberungarn. — Frankreich: Paris. — Rumänien: Bukarest. — Rußland: Wlemet. — Feuilleton: Einige Lebenserfahrungen. (Schluß von II.) — Vermischtes. oßelteud& (XttUlef. Bonn, den 22. September. Der religiöse Gedanke. II.*) Zu den hohen Festtagen. . Diesen ganzen religiösen Gedanke^ in seinem Inhalte, seiner Kraft und Wirksamkeit, immer von Neuem in den Geistern aller Israeliten zu wecken und zu kräftigen, ist die Aufgabe und Bestimmung des Rosch-haschana- und Iom-Kippurfestes. Die anderen drei Feste haben ihre eigenthümliche Bedeutung: das Peßach ist das Weihefest Israels zum Religionsvolke mit der Erinnerung an den Auszug aus Egypten, das Schabuoth die Feier der Gesetzgebung auf Sinai mit der Erinnerung an das Leben unserer Väter im heiligen Lande, das Succoth das Erntedankfest mit der Erinnerung an das Leben unserer Väter in der Wüste. Jene erstgenannten Feste aber sind allgemeinerer Natur und dem religiösen Gedanken in seiner ganzen Idealität gewidmet. Allerdings die Erkenntniß Gottes in seiner Einzigkeit und als Schöpfer aller Wesen soll dem Bekenner des Judenthums von cultueller Seite aus an jedem Tage in das Bewußtsein gebracht, auf die Lippen gelegt werden. Diese Erkenntniß soll sein ganzes geistiges Dasein beherrschen und deshalb das nna 'n frsth und spät aus seinem Munde ertönen. Den Begriff Gottes als Vorsehung und Vergeltung aber sollen die . beiden Feste in ' *) Im ersten Leitart. von Nr. 39 S. 652 Sp. 2 Z. 24 v. o. findet sich der sinnentstellende Druckfehler: „in christlicher Weise" statt: „in ernstlicher Weise", den wir zu verbessern dringend bitten. Die Redac.tion. ihrer Verbindung aus all' den Schatten, welche das gewöhnliche Leben, die Thätigkeit in demselben, die Vernachlässigung der Seele, die Gleichgültigkeit gegen deren Zustände und die Leidenschaften darum gebreitet 'haben, an's Licht rufen , aufs hellste beleuchten und zu neuer Herrschaft über die Geister bringen, soweit diese eben hierzu bereit sind. Die israelitische Religion trennt die Begriffe der Vorsehung und der Vergeltung in ihrer thatsächlichen Wirksamkeit auf die Weltordnung nicht, und hat dadurch wesentliche Jrrthümer in ihrem Schooße vermieden. Was sich in der Menschenwelt ereignet, das sieht unsere Religion als das Product verschiedener Factoren an, nämlich der göttlichen Vorsehung, Vergeltung und Barmherzigkeit in der Einheit des göttlichen Wesens, sowie des menschlichen Willens in seiner Freiheit und Verantwortlichkeit, wozu dann'noch die von Gott den Wesen nach ihrer Individualität und ihrer Einordnung' in die Gesammtheit eingesenkten Naturgesetze kommen. Wenn man die Schicksale der Menschen lediglich auf die Vorsehung zurückführt, so gelangt man unvermeidlich zur christlichen Prädestination oder zum mohammedanischen Fatalismus, wodurch dem Menschen jede Willensfreiheit und darum jede Verantwortlichkeit genommen, hiermit aber auch die göttliche Vergeltung zu einem Schattenbilde wird. Wer im Gegenteil für die Dinge.in der Menschenwelt die Vergeltung zum eigentlichen Factor macht, der geräth in jene starre Anschauung, welche schon das Buch Hiob bekämpft, und nach der jedes Erlebniß eines Menschen allein Strafe oder Lohn auf bestimmte. Handlungen desselben seien. . Nach der israelitischen Anschauung gestaltet sich das Leben der Menschen auf dem Boden des Natur-

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