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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1874-09-15 · Heft 38 (15.9.1874) · p. Seite 646

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
38 (1874)
Issue
Heft 38 (15.9.1874)
Date
1874-09-15
Page
Seite 646 (sequence 12)
Language
German
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solche gewöhnt ist. Die Mittelmäßigen lehnen sich gegen solche Autorität auf." Lebrecht fuhr auf: „Aber denken denn diese Leute gar nicht an ihren eigenen Nutzen, an die Erfolge, die ein solcher. Mann für sie erntet , und die ihnen ein Anderer niemals verschaffen wird?" -; Der Greis erwiderte fanftmüthig: „Du kennst eben die Menschen noch nicht genug, lieber Lebrecht. Der Nutzen steht ihnen hoch, aber ihre Personen noch höher; sie schlagen jenen in den Wind, wenn sie diese unbefriedigt und gedrückt fühlen. Jedermann will urtheilen, kritisiren und tadeln; wo er dies nicht vermag, empfindet er Widerwillen. Dem Mittelmäßigen gefällt die Mittelmäßigkeit viel mehr, besonders wenn sie sich aufzubauschen versteht. Der prahlhafte Mittelmäßige ist viel angesehener und gerngesehener als die bescheidenste Größe. Dies scheint mir die Lösung unserer Frage." Die gute Tante schien von diesen Worten sehr angeregt. Sie hatte ihren Strickstrumpf auf den Tisch gelegt, und sprach jetzt eifrig: „Du hast Recht, Isaak, ganz Recht. Ich habe einen Beweis dafür. Ihr erinnert Euch, daß ich vor einem Jahre längere Zeit in N. bei meiner Tochter verweilte. Da lernte ich natürlich den dortigen Rabbiner vr. N. kennen. Ich sage Euch, es war nicht schwierig für Jemanden, der von hier kam, den großen Unterschied zu begreifen. Er ist ein durch und durch mittelmäßiger Mann, der aber von seinen Gaben den ausgiebigsten Gebrauch zu machen versteht. Er ist gefällig und doch zurückhaltend; er lächelt stets, und doch ist er stolz und anmaßend. Wo.er auf Hindernisse stößt, umgeht er sie, schmeichelt. Er spricht fließend, der Menge verständlich, aber seine Gedanken sind armselig und bewegen sich in ein und demselben Kreise. Er wirft beständig mit Stellen aus der Bibel und dem Talmud um sich, aber die Gelehrten wollen nichts von ihm wissen, und vergleichen ihn mit einer leeren Büchse, in der einige Pfennige gewaltig klappern. Und nun, dieser Mann ist in seiner Gemeinde sehr beliebt, bei der Masse sehr angesehen, und setzt schließlich Alles durch, was er will. Sieht man aber auf den Grund, so ist Alles in der Gemeinde von schlechter Beschaffenheit; der Gottesdienst wird wenig besucht, der Religionsunterricht liegt darnieder, und die Anstalten der Gemeinde verfallen." „So, ist es," brummte Lebrecht, „und da soll man sich nicht zu metaphysischen Betrachtungen flüchten. Die Menschen taugen nichts, und verstehen sich wenig auf ihren eigenen Vortheil." Die Anwesenden lachten. Die Nacht war herabgesunken. Man trennte sich. U n zeig e n. Bekanntmachung. Die zweite Lehrerstelle an der hiesigen israelitischen Elementarschule, mit welcher ein Einkommen von 250 Thlrn. und 40 Thlr. Wohnungsentschädigung verbunden, ist vacant geworden und soll sofort besetzt werden. Qualificirte Bewerber wollen sich schleunigst unter Einreichung ihrer Zeugnisse bei uns melden. Cliodziesen, 24. August 1874. Der Magistrat und Israel. Schulvorstand. w; Empfehlenswerte Stelle in der Porta Westphalica. : | Die Lehreru. Cultusbeamt.-Stelle in hies. isr. Gemeinde : $ soll baldmögl. wied. besetzt werden, dabish. unterz. Jnhab. i | j. 1. Oct. e. e. ansehnlichere Stelle in den Kais. Reichsland. < antritt. . Ansprüche an d. Cultusb. gering, da genüg. Stell- >? vertr. Vorhand.; vorzugsw. tücht. Lehrer verlangt. Kleine s f Predigten in d. auf c. Anhöhe am Fuße d. Jakobsberge schön \ | gelegn. Synagoge vierwöchentl. a. Sabb., sowie an Festt. ge-! f wünscht. Baare jährl. Einkünfte 250 Thlr.; bei Kenntn. fremd, i r Sprach, mehr; außerd. vollständ. freie Station — Wohnung - | separat, dahin auch Frühstück u. Vesper geschickt wird — seitens! | d. Vorstehers, Herrn W. Michelsohn jun., Bergwerkbes., in | dessen honneter, gebildeter Familie u. Verwandtsch. d. Lehrer i | freunvschaftl. wie ein Familiengl. behandelt wird. Angenehme i < Familiencirkel in Haus u. auf Bergeshöh'. Sehr romant., gef. i t Gegend, wie geogr. bekannt. Reflectanten bel. sich unt. Beisend.! | beglaub. Zeugn.-Abschr. baldigst an den Vorst, od. Unterzeichn, i § zu wenden. Taniieiibaum, i | Stadt H a u s b er g e. Lehrer u. Cultusbeamter. { Wiederholte Ausschreibung. | | Offene Lehrerstelle an der israelitischen Fortbildungsschule 8! in Lengnan. Besoldung Frcs. »500.— Schriftliche 8 ' Anmeldung bei der israelitischen Schulpflege in Lengnau bis zum 19. September nächsthin. Beizulegende Ausweise: gv Wohlfähigkeitsacte und ein Leumundszeugniß vom Gemeinde- 8 rathe des letzten Wohnortes. & Aarau, den 2. September 1874. N Für die Erziehuiigsdirection 8 Schoder, | Directionssecretiir. N In der Synagogen-Gemeinde S ch l ft ti> e in Pommern ist die erste Cantor- und examinirte Religionslehrerstelle vacant und soll dieselbe sofort oder bis zum 1. Januar 1875 besetzt werden. Gehalt 500 Thlr. nebst freier Wohnung u. Nebeneinkünften. Qualificirte Bewerber, die befähigt sind im Behinderungsfalle den Schochei zu vertreten, sowie auch bei Gelegenheiten deutsch-religiöse Vorträge halten können, wollen ihre Zeugnisse baldigst einsenden. Reisegelder werden nicht vergütet. Der Vorstand der Synagogen-Gemeinde. Lehrlings-Gesuch. Für mein Tuch-, Manufactur- und Modewaaren-Geschäft, welches an Sonn- und Festtagen streng geschlossen, suche einen mit deU nöthigen Schulkenntnissen versehenen Lehrling. I. Meyerhof am Platze.

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