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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1874-09-01 · Heft 36 (1.9.1874) · p. Seite 614

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
38 (1874)
Issue
Heft 36 (1.9.1874)
Date
1874-09-01
Page
Seite 614 (sequence 14)
Language
German
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614 .daß sie öffentlich den Gott ihrer Väter, der auch unser Gott ist, verehren dürfen? Also dazu waren sie gut genug, nein! den Tempel, welchen ein Fürst erlaubt, muß. er sich auch nicht schämen zu besuchen." Zensdorf: „Ich bin auch immer dagegen gewesen, daß Juden hier sich niederlaffen." Adolph: „Ich nicht. Ich habe so gedacht — Gott gönnt ihnen die Sonne, so mußt du ihnen die-Erde gönnen. Raubthiere sind sie nun einmal nicht, daß etwa dieser Schluß auf sie nicht anwendbar wäre. — Lieber Alter, dadurch wird erst wahre Treue und vereinigte Rechtschaffenheit sämmtlicher Unterthanen, so verschieden auch ihre Religionen sind, gegen ihren Fürsten, und herzliche Liebe, Eintracht und Menschenfreundlichkeit unter ihnen selbst gegen einander bewirkt, wenn eine Glaubenspartei wie die andere den Fürsten in ihrem Tempel sieht und er zuweilen mit ihnen betet, auch den großen Haufen tolerant zu machen, sticht dies besonders hervor." In diesem Sinne fährt der edle Lossius fort. Es würde uns zu weit führen, wollten wir all das Schöne und Treffende, das unser Buch über Staat und Kirche, sowie über das Verhältniß beider zu einander, enthält, hier wiedergeben. Auch erhalten wir hier treffliche Winke über die Erziehung des Menschengeschlechtes für die höchsten und erhabensten Zwecke. Das „Fortschreiten" des Menschen zü immer größerer Vervollkommnung im Guten zu bewirken, ist dem Verfasser höchste Aufgabe und des Schweißes der Edlen werth. — Wohlan, fast ein Jahrhundert ist verflossen, seitdem jener Erfurter protestantische Geistliche seine Stimme für Wahrheit, Recht und die Gleichheit Aller vor dem Gesetze erhoben, und noch sind seine Ideen nicht ganz zur Wirklichkeit geworden. Noch ringt die Menschheit in den Geburtswehen einer bessern Zeit, welche Lossius fast prophetisch int Geiste geschaut. Nur theilweise sind sie herangebrochen, jene goldenen Tage, da der Eintracht süßes Band Alle umschlingen und es; nur ein Gesetz geben wird für Alle; allein: „Wohl werd' ich's nicht erleben, Doch an der Sehnsucht Hand Als Schatten es durchfchweben, Mein freies Vaterland!" Vermischtes. ..Die Patrie berichtet: In der letzten Sitzung der geographischen Gesellschaft in Paris sah man mit Theilnahme einen Rabbiner aus Marokko, welcher die interessantesten Reisen in Afrika gemacht hatte. Dieser Jude, Namens Mardochai, ist viermal in Tombuklu gewesen, dieser geheimuißvollen Handelsstadt des Sudan, die bis jetzt nur von drei europäischen Reisenden gesehen worden: Laing, Caills und Barth. Mardochai hielt sich im Ganzen 14 Jahre in der berühmten Stadt auf, wohin ihn Handelsgeschäfte führten, und er gab über diese Stadt, sowie über weite Theile der Sahara, die er besucht hat, ganz neue Aufschlüsse, die er zum Theil bereits durch den franz. Consul von Mogador, Herrn Beaumier übersandt hatte. Er brachte nicht allein geographische und ethnographische Bemerkungen mit, sondern auch Proben von Mineralien und Pflanzen, welche , die Naturforscher mit Dank entgegennahmen. Der noch junge Rabbiner kam.nach Paris, um sich Kenntnisse zu erwerben, welche die Reifen noch fruchtbringender machen werden, die anzutreten er sich vorbereitet. Er will auch die französische Sprache erlernen, von der er bis jetzt nur einige Worte kennt. Herr Duverrier, der bekannte Erforscher des Landes der Tuareks, in der arabischen Sprache bewandet, war der Dolmetscher des jüd. Reisenden vorder Gesellschaft. % n z ei g e n. Die hiesige Lehrer- und Vorbeterstelle soll bis rum 1. Januar 1875 anderweitig besetzt werben. Fixer Gehalt 23v Thlr., freie Wohnung und Holz. Darauf Refleetirende wollen stch bei dem Unterzeichneten Cultusvorstand unter Ginsendung ihrer Zeugnisse melden. Gladenbach i/Qberheffen, d. 7. Aug. 18741. Der Vorstand Simon Baue r. „Für mein Herren- und Knaben-Garderobe-Geschäft suche ich einen Commis und Lehrling zum möglichst baldigen Antritt." I. Bauchwitz, Sangerhausen. In der Synagogengemeinde Bosen ist die Stelle eines Lehrers und Vorheters mit einem Gehalte von 260 Th Irrt, bis zum /. Oct. d.J. zu besetzen. Bewerber wollen dem Unterzeichneten ihre Befähigung szeugnisse einsenden. Birken feld\ den August 1874. Landrabbiner Goldmann. Commisstelle-Gesuch. Ein junger Mann, bisher in einem Manufacturu. Producten-Geschäft thätig und mit Landkundschaft vertraut, sucht per 1. November e. eine Commisstelle in ähnlichem Geschäfte auf dem Lande oder in einer kleinen Stadt, wo Sonnabends geschlossen ist. Es wird weniger auf hohes Salair als'auf gute" Behandlung gesehen. Franco-Offerten besorgt die Expedition dieses Blattes unter ML S. 00. m

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