Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 38 (1874)
- Issue
- Heft 36 (1.9.1874)
- Date
- 1874-09-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Ein unparteiisches Organ Ir alles jüdische Interesse. Diese Aettung erscheint wöchentlich . einmal in 2 viS 2*/-* Logen. -Preis Bierteliahria t Thlr. Inserate werden mit 2 Ngr. für, die Petitzeile oderderen Raum berechnet. Alle Buchhandlungen, Postämter und Zeitungs - Expeditionen ' nehmen Bestellungen au. HerausgegeLen von Rabbiner vr. Ludwige PhiLippson in Bonn. Verlag von Baümgörtüer's Buchhandlung in Leipzig. Sn redactioneliell Angelegenheiten wende mau sich ran.0^ L- Pljilip'üfon in Bonn; hinsichtlich deS Bezugs und der Änserateau Sa«nlgört«r?5 Svchhändlang in Leipzig. Inserat», welche biS vonuerrtag eingetzen, finden inder karauffolgea«' den Nummer Berücksichtigung. 38. Jahrgang. Leipzig, den 1. September 1874. Wi Inhalt. Leitende Artikel: Zur Leichenverbrennung. -7lieber die Grenzen der Naturwiffenschaft und der Religion. — Literarischer Wochenbericht: Bonn. — Zeitungsnachrichten: Deutschland:. Berlin, Danzig/ Kissingen, Homburg, Hannover, 'Posen, Memels — Oesterreich-Ungarn: Lemberg, Graz, Aus dem Banat. — Frankreich: Paris. — Türkei: Konstantinopel, Smyrna. — Rumänien: Jassy.— Serbien: Belgrad. — Amerika: Los AngeloS. — Feuilleton: Der Erfurter Pastor Lossi'uS und die Juden. — Vermischtes^ J:£eAkeMd& GLxbkel. nn^den,26^ August.- . Dawir einmal diese in jüngster Zeit aufgeworfene und vielfach.. pentiHrteiHrage auch in diesem Blatte besprochen, und dieWehaüptung, daß die Leichenverbrennung im alten Israeb gebräuchlich und sogar in Ehren gehalten war, als völlig falsch und nur aus irriger Auslegung einiger Bibelstellen geflossen, zurückgewiesen, vielmehr gezeigt, haben, daß die jüdische Sitte und Satzung, sie: nachdrücklich verbietet, müssen wir uns gestattendann Und' wann darauf zurückzukommen. Man hat , wie dies immer zu - geschehen, pflegt, eine lebhafte Propaganda f ürdie Leichenverbrennung in's Werk gesetzt, und keine kleine Zahl der Tagesblätter hat sich so dafür erhitzt, daß jeder Einwand -aus veralteter; und s verstockter ^Gesinnung fließend gekennzeichnet und - die Gründe für die Verbrennung der Leichen als unumstößlich ausgeschrien werden. \ Man hat Oefen construirt und Pferdeleiber' verbrannt, um zu zeigen, daß ein solcher Act weder -viele Kosten-macht, noch eine lange Zeit braucht, noch üble Gerüche verursacht. -Indessen sind diese Resultate,- wie sie von den Anl^ängern behauptet-werden, noch^mmer sehr zweifelhaftes Artr. Indeß'unsere Zeit ist nicht dazu angethan, den Aeußerungeu > einer Partei sich' ohne^ Prüfung - 'hinzugeben; ist. es doch schönem und.für sich mißlich, wenn'eine Sache,'die bloß objektiv untersucht und beurtheilt sein will, sofort zu-einer Parteifrage gestempelt wird.' Davor sollte sich besonders der Liberalismus "bewahren,' weil er sonst Gefahr läuft, ^felbst".^n.jedevi. einzelner^und. nebensächlichen Frage-'seine,'Partei gespalten zii "s^hen^und^'sich Überhaupt vom RädicDsmus bewältigen'zu lastend -Der' besonnene liberale,Mann' wird in /manchen1 Angelegenheiten selbst radicaler Ansicht, nn anderen einer dieser /entgegengesetzten Meinung sein können,'sich aber dann ungern von der scheinbar' ganzen liberalen Partei geschrüäht sehen. Daher es denn auch, daß sehr gewichtige Stimmen gegen die Leichenverbrennung ' sich erhoben. Zunächst vom sittlichen Standpunkte. Die Gegner - machen es sich leicht, indem sie Nachweisen, daß bei der Leichenbeerdigung 'sehr häufig der sittliche Standpunkt 'verletzt werde. Dies spricht aber nicht gegendieselbe, sondern nur gegen ihre Handhabung, welche der Verbesserung bedarf. Das Hauptgewicht liegt hier unserer Meinung nach darin,. daß wir es bei der Beerdigung der Natur überlasten, die Reste unserer Todten zur Auflösung zu bringen, und sie dies in allmäliger Weife voll-' zieht, daß wir hingegen bei der Verbrennung selbst Hand anlegen, diese leiblichen Reste der' Unsrigen zu vernichten, und diese Vernichtung mit einem Male vollständig ausführen. Keine Sophisterei. wird über d i f e n Gegensatz hinaushelfen. Am meisten führen', die Anhänger der Leichenverbrennung naturwistenschaftliche Gründe: in-s Feld, indem sie behaupten, daß die Beerdigung der Todten' für die Gesundheit der Lebenden überaus gefährlich sei, daß uns den- Ausdünstungen der Leichenfelder die ansteckenden Epidemienentständen^ Nun weiß mach wie leicht in der Maste, namentlich' der Gebildeten/ die Furcht vor der Beschädigung' der Gesundheit zu wecken ist, und welche Dimensionen diese ’ Furcht anzmrehmen'