Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 38 (1874)
- Issue
- Heft 35 (25.8.1874)
- Date
- 1874-08-25
- Page
- Seite 596 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3224737-3226960-3226996--32868-3255857- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
schließt der Brief, „muß Sie nicht abhalten, von diesen Zeilen Gebrauch zu machen; man muß vor allen Dingen den Muth Haben, seine Meinung zu sagen." Er sorgte übrigens selbst für abschriftliche Verbreitung dieser seiner, „etwas ungestümen Vertheidigung des ewig bedrängten Volkes", in der Hoffnung, man werde etwas scheu werden, und damit werde geholfen sein. Das Gesetz kam damals wirklich nicht zu Stande, -doch zeigte der Entwurf, der 1847 dem Vereinigten Landtage.vorgelegt ward, einen nur wenig besseren Geist; Humbölvt nahm daraus mit Trauer wahr, daß das ganze Volk in seiner geistigen Bildung hoch über der des Ministeriums — er hätte sagen dürfen über der Anschauung des Königs — stehe. In diesem Punkte hatte er also richtig gesehen, wenn er am 18. März 1843 Varnhagen klagte, der König habe nichts aufgegeben von seinen bisherigen Vorhaben, und könne jeden Augenblick neue Versuche darin machen, in Betreff der Juden, der Sonntagsfeier, der englischen Bischofsweihe, der neuen Ädelseinrichtungen u. s. w. Mindere Abneigung zeigte Friedrich Wilhelm im Juni 1842 gegen die Bestätigung der Wahl des jüdischen Physikers Rieß zum Akademiker, für die Humboldt gleich eifrig in der Akademie selbst und hernach beim Könige gewirkt hatte. Daß Humboldt ohne das geringste Bedenken in vielfachen persönlichen Verkehr mit ausgezeichneten Individuen jüdischen Glaubens oder jüdischer Abstammung trat, versteht sich bei seiner durch kein Vorurtheil verdüsterten, rein humanen Gesinnung von selbst. So lange er mit dieser' Gesinnung noch in Opposition zu den herrschenden Anschauungen über Recht und Sitte stand, hat er sie sogar dann und wann geflissentlich bethätigt. Auch war ihm, wie wir wissen, -der anregende Umgang mit hervorragenden jüdischen Männern und Frauen schon in der Jugend mit einer gewissen Nothwendigkeit zur Gewohnheit geworden, da in jenen Zeiten — gegen Ende des achtzehnten Jahrhunderts — gerade die Kreise des aufstrebenden humanistischen Neujudenthums den geistig anmuthigsten Theil der Berliner Gesellschaft gebildet halten." Merkwürdig ist, um noch eine einzelne Thatsache anzuführen, was, S. 342 ff. erzählt wird, wie nämlich Humboldt sich für einen gewissen Eisenstein , Sohn eines jüdischen Klein - Kaufmanns in Berlin interessirte, der ein seltenes mathe'mathisches Genre in früher Jugend erwiesen Halte. ' Acht Jahre bemühte sich Humboldt unermüdlich, dem ganz unbemittelten Menschen Unterstützung, Pension, Amt und jedwede Förderung zu verschaffen, sollicitirte beim Königs bei den Ministern, bei der Akademie, bei Privatpersonen, und gab ihm auch aus der eigenen Tasche zu Hunderten, trotz der eigenen stets bedrängten finanziellen Lage — bis der Tod des jungen Mannes, an der Schwindsucht, allen Aussichten und Erfolgen ein Ziel setzte. Selbst nach dem Tode erwirkte Humboldt noch die Zahlung von 500 Thalern an den Vater, um die Schulden des jungen Mannes zu tilgen. So bleibt Alexander von Humboldt, wenn ihm auch wie jeglichem Sterblichen einige persönliche Schwächen anhafteten, eine der großartigsten Erscheinungen, welche das vorige und das gegenwärtige Jahrhundert aufzuweisen hat, einerseits in der Wissenschaft, für welche er außer seinen bahnbrechenden Leistungen Unermeßliches durch seine extensive Förderung gethan hat, andererseits als ein Vorbild unbeschränkter Humanität, der sich nicht mit schönen Worten begnügte, sondern überall die aufopferndste Thätigkeit eintreten ließ, und die echte Vorurtheilslosigkeit bekräftigte, welche darin besteht, daß das Vorurtheil nicht überwunden wird, sondern gar keine Ahnung eines solchen besteht. Vermischtes. Mit Bezug auf die im Feuilleton Nr. 33. unter der Rubrik „Vermischtes" gegebene Mittheilung über den Mörder Weit, dessen Unschuld sich jetzt herausgestellt haben sollte, wird uns aus Stuttgart geschrieben, daß dem Schw. M. zufolge, der Weil am letzten Mittwoch dem Kirchenrath Rabbiner W. gegenüber, welcher den Gefangenen im .hiesigen Pönitentiargefängniß besuchte, seine That mit allen Einzelnheiten unumwunden eingestanden habe, daß Weil seiner alten Mutter, die ihren Sohn für unschuldig hielt, den Jammer nicht bereiten wollte zu wissen, daß sie einen Mörder zum Sohnes habe, und dies der Grund des seitherigen Leugnens gewesen. Jetzt aber, nachdem die alte Mutter gestorben, ließ er sich zu dem Bekenntniß herbei. §ie Stelle eines Predigers und Veligionslehrers in der hiesigen Gemeinde ist vatant und soll sofort mit einem jährlichen Gehalte von 500 Thalern nebst Nebeneinlrnnsten besetzt werden. Gnalificirte Bewerber wollen sich baldigst unter Einsendung ihrer Zeugnisse melden beim . Vorstand der Synagogen-Gemeinde zu P a se w a lk. % n z e i ge n. In der Synagogengemeinde Bosen int die Stelle eines Ijehrers nnd Vorheters mit einem Gehalte von 260 Th Im. bis zum /. Oct. d../, zu besetzen. Bewerber wollen dem Unterzeichneten ihre Befähigungszeugnisse eirtsenäen. Birkenfeld, den August 1874. Uandrabbiner G oldmann. Suche für mein Manufactur- und idtodcwaaren-Geschäft en gros und en detail einen mit den nöthigen Schulkenntnissen versehenen Lehrling. Ad. Rofenvaum, Bremen. Zu den bevorstehenden Feiertagen (d1' und suche ich als Schächter u. Vorbeter Beschäftigung und zwar vom 10. September bis incl. 6. October e. Führungsatteste und Zeugnisse bin ich bereit einzusenden. @intOU in Gülzow in Pommern.