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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1874-08-04 · Heft 32 (4.8.1874) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
38 (1874)
Issue
Heft 32 (4.8.1874)
Date
1874-08-04
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Allgemeine Zeitung des Iudenthums Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Diese Zeitung erscheint wöchentlich, einmal in 2 bis 2Boqen. Preis Viertellähria 1 Thlr. Inserate werden mit 2 Ngr. nir die Petitzcilc oder deren Raum berechnet. Alle Buchhandlungen, Postämter und ZeitungS- Expeditionen nehmen Bestellungen an. Herausgegeben von Rabbiner vr. Ludwig PhiLippson in Bonn. Verlag von Baumgärtncr's Buchhaudluug in Leipzig- 3n redactionellen Angelegenheiten wende man sich an vr. L. Pyilippson in Bonn; hinsichtlich des Bezugs und der Inserate all Saumgürtner's S uchhaiidlung inLeipzig. Znfträte, welche bis vönner»- tag eingehen, finden iuder carauffolgeudcu Stummer Berücksichtigung. 38. Jahrgang. Leipzig, dm 4. August 1874. «AS* 32. Inhalt. Leitende Arüke!: Die „Verjudung" des Ultramontauismus. U. — Zeitungsnachrichten: Deutschland: Berlin, Worms, Schweillfurt a. M., Aus der Provinz Posen. — Oesterreich-Ungarn: Pest, Von der Donau.. — Italien: Aus Oberitalien.— Belgien: Bonn. — Türkei: Konstantinopel. — Rußland: Petersburg, Aus Rußland. — Feuilleton: Jüdische Zustande in Krakau. Bonn, den 29. Juli. Die „Verjridrmg" des Ultramonlamsmus. II. Vor Kurzem ymrde auf Fürst Bismarck ein' Mordversuch unternommen, und so weit man bis jetzt gehört, war der Verbrecher durch ultramontanen Fanatismus dazu angeregt, wenn auch bis jetzt irgend welche unmittelbare Einwirkung von dieser Partei noch nicht erwiesen ist. Jndcß die Mordkugel verfehlte ihr Ziel, und die Ergebnisse der Untersuchung sind abzuwarten. Hier aber in der Schrift des Constantin Frantz: „Der Nationalliberalismus und die Judenherrschaft", in welcher vom ersteren sehr wenig, sondern allein von der letzteren die Rede ist — liegt ein Mordversuch auf ein ganzes Religionsbekenntnis und alle besten Bekenner, auf einen ganzen durch die Welt zerstreuten Volksstamm vor, und zwar, nach dem eigenen vollen Geständnisse, aus dem Innersten des Ultramontanismus heraus. Nicht blos alle zu Gebote stehenden Mittel werden hierzu verwendet und auf das Ziel hin, Judenthum und Juden mit einem Schlage zu vernichten, gerichtet, sondern das Ziel selbst geradezu ausgesprochen, und mit Sicherheit vorausgesagt (S. 38). Warum nun ruft die ganze Welt ein Wehe über das Attentat von Kissingen aus, während über diesen Mordversuch einer großen Volksclaffe sich keine anklagende Stimme erhebt, vielmehr die ultramontanen Blätter, wie wir es in der „Kölnischen Volkszeitung" sahen, den Thäter und seine That verherrlichen? Die Gründe liegen nahe. Zuvörderst konnte die Mordkugel jenes Verbrechers den Fürsten wirklich treffen und tödten; der Mordversuch des Herrn Frantz aber kann von vornherein die beabsichtigte Wirkung nicht haben und läßt Juden und Judenthum gerade so gesund und kräftig bestehenals vor feinem Unter-' nehmen. Pistole, Pulver und Blei sind tödtliche Waffen in der Hand jedes Buben, und es kommt bei ihnen nicht auf Motive und Beweise an, um zu verwunden oder zu tödten, sondern ob sie mit sicherer und geschickter Hand geführt Werden. ' Anders ist es mit Lumpenpapier, Typen und Druckerschwärze. Diese bedeuten wenig, wenn die damit ausgedrückten Gedanken, seien sie an sich noch so tödtlich gemeint, nichts von überzeugenden Gründen, von unwiderlegbaren Beweisen, von Recht und Wahrheit enthalten. Ju diesem Falle geben sie nur einen .Schreckschuß ab, dessen man schnell vergißt. Aber ein Mordversuch bleibt es dennoch. Alsdann sind solche Attentate aus hervorragende Persönlichkeiten zwar im Laufe der Geschichte nicht allzuselten, kommen aber doch im Leben einer Person nur ein- oder zweimal vor. Die Mordversuche auf Judenthum und Juden sind aber im Verläufe von achtzehn Jahrhunderten unzählige Male unternommen worden; hunderte von Pöbelaufständen, hunderte von Fürstenschwertern und hunderte von vergifteten Federn sind gegen sie gerichtet worden, haben ihnen zwar Wunden genug geschlagen, aber vernichten konnten sie sie nicht. Darum hat sich die Welt daran gewöhnt und verhält sich schweigsam. Aber ein Mordversuch bleibt es dennoch. Und fürwahr, ohne alle Wirkung sind diese stets wiederholten scheußlichen Angriffe auch nicht. Wir haben im ersten Artikel gezeigt, wie die ultramontane Presse

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