Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 38 (1874)
- Issue
- Heft 31 (28.7.1874)
- Date
- 1874-07-28
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Diese Zeitwlg erscheint wöchentlich einmal in 2 LiS 2>/z Bogen. Preis Vierteljährig t Thlr. Inserate werden mit 2 Ngr. mr die Petitzcile oder deren Raum berechnet. Alle Buchhandlungen, Postämter und Zeitungs-Expeditionen nehmen Bestellungen an. Herausgegeben von Rabbiner vr. Ludwig PWiypson in Bonn. Verlag von Baumgärtucr's Buchhandlung in Leipzig. In redactionellen Anaeleaenheiteu wende man sich an l>r. £. Philippson in Bonn; hinsichtlich des Bezugs und der Jnicratean Lkumyärlnrr's Luchhandlung inLeipzig. Inserate, welche bis Lonnerstag cingehen, finden inder carauffolgenden Stummer Berücksichtigung. 38. Jahrgang. Leipzig, den 28. Juli 1874. JW 31. Jühalt. Leitende Artikel-: Die'„Verjudung"- des Ultramontanismus. I. — Der israelitische Schulfond und das ungarische Abgeordnetenhaus. II.— Zeitungsnachrichten: Deutschland: Kissmgen, Frankfurt am Main, Kempen iPosen). — Oesterreich-Ungarn: Wien, Brünn. — Fr an kr eich:''Paris. — Italien: Ferrara. — Schweden: Stockholm. — Rußland: Von der russischen Grenze. — Feuilleton: Egypten — kein Monotheismus! — Vermischtes. JEed&iidc ßLxhkeL B o nn, den 22. Juli. Die „Verjudung" des Ultramontamsmus. I. ' Unsere Leser werden sicherlich diese Ueberschrift nicht so verstehen, als ob der Ultramontanismus eine Annäherung an das Judenthum versuche — entfernt er sich doch vom Kernpunkte des Judenthums immer weiter und nähert sich vielmehr dem, was von Anfang an der Gegensatz des Judenthums gewesen. Er har vielmehr ^ine Erbschaft des Protestant. Pietismus angetreten, nämlich des Gebrauchs des Wortes „Verjudung" und deffen, was die' „Kreuzzeitüng^ und ihre Anhänger unter diesem Worte seit langer Zeit verstanden, das jedoch trotz ihrer Bemühungen kein Bürgerrecht in der deutschen Sprache erhalten hat. Die .ultramontane -Presse bildet in bewunderungswürdiger Weise eine festgegliederte Kette, ein starkes Netz mit engen Maschen. Sie geht nicht darauf - aus, außerhalb ihres Kreises Anhänger zu suchen, wohl-aber ihre- Zugehörigen festzuhalten, so zu umschlingen, so mit ihren extremen Behauptungen, zu durchdringen, daß ihr Niemand entwischt- Außer vielleicht hier und da ein Geplänkel zwischen zwei rivalistrenden Blättchen an der Isar oder -Donau, hält sie fest zusammen. Me weit ist hiervondie jüdische Presse entfernt, in der. sich die Parteien schroff.gegenüber stehen und schmählich mißhandeln, und so den thatsächlichen Beweis gegen die> auch von den Ultramontanen behauptete Verbindung und Einheit unter >n Juden liefern! Proseffor Rohling schreibt ein Buch; Constantin Frantz schreibt ein Buch und hebt das Rohlings in den Himmel; die „Kölnische Volkszeitung" hebt wieder das von Constantin Frantz in den Himmel, und so geht es fort durch alle Wacht- und Vorposten des ultramontanen Lagers. Was draußen über diese Machwerke geurtheilt wird, kümmert^ sie wenig; welche Beweise gegen die Wahrheitsliebe und Kenntnisse dieser Scribenten geführt werden, läßt sie gleichgültig; alles dies darf r^rr in die eigene Armee nicht eindringen, dann ist genug geschehen. Rohling, der auch eine Schrift verfaßt hat, worin er „wissenschaftlich" den Beweis für die Stigmatisirung der Louise Lataut bewiesen haben will, schrieb eine Broschüre „der Talmudjude", worin er circa 60 Talmudstellen citirt, welche die scheußlichste Gehässigkeit predigen sollen. Es wird ihm in einer sehr milde gehaltenen Gegenschrift von Kroner nachgewiefen, daß fünfzig dieser Stellen falsch citirt, gänzlich entstellt und mißverstanden sind, sämmtlich aber aus früheren Pamphleten entnommen worden, daß also Rohling vom Talmud gar nichts versteht — schadet nichts, Rohling wird als unzweifelhafte wissenschaftliche Autorität von Constantin Frantz und allen seinen Genossen citirt und auf deffen Aussagen die empörendste Polemik gestützt. Constantin Frantz, der schon eine ganze Reihe Bücher im Dienste des Ultramontanismus verfaßt hat, schreibt eine Broschüre : „Der Nationalliberalismus und die Judenherrschaft" (München 1874), worin er den höchsten Blödsinn und die baarste Unwissenheit entfaltet — schadet nichts, die „Kölnische Volkszeitung" und alle ihre Genoffen jubeln ihm zu und lobpreisen seine Clafsicitär. Hierin' liegt die Stärke dieser Presse; sie> zerzaust sich nicht untereinander; siegeht Hand! im Hand und schließt so ihren-' Kreis