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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1874-07-21 · Heft 30 (21.7.1874) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
38 (1874)
Issue
Heft 30 (21.7.1874)
Date
1874-07-21
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Allgemeine Zeitung des Iudenthums. Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal in 2 LiS 2'/* Bogen. Preis Vierteljährig 1 Thlr. Inserate werden mit 2 Ngr. kur die Petitzeile oder deren Raum berechnet. Alle Buchhandlungen, Postämter und Zeitungs-Expeditionen nehmen Bestellungen an. Herausgegeben von Rabbiner Dr. Ludwig Philippsorr in Bonn. Verlag von Baumgärtner's Buchhandlung in Leipzig. Sa redactionellen Angelegenheiten wende man sich an vr. L. Philippso» in Bonn; hinsichtlich des Bezugs und der Inserate an SaumgSrlner'r Suchiiandl ung inLeivzig. Inserate, welche biS vonner»- tag cingeben, finden inderdarauffolgenden Nummer Berücksichtigung. 38. Jahrgang. Leipzig, den 21. Juli 1874. M 3«. Inhalt. Leitende Artikel: Der israelitische Schulfond und öas ungarische Abgeorduetenhaus. — Zeitungsnachrichten: Deutschland: Aus Süddeutschland, Aus dem Kreise Lüdinghausen, Speyer, Gnesen, Königsberg, Werl (Westphalen), Aus Mittelschlesien, Gleiwitz. — Oesterreich-Ungarn: Wien, Prag, Pest, Aus Ungarn. ~ Holland: Amsterdam. — Rumänien: Aus Rumänien. — Rußland: Lodz. — Feuilleton: Allegorisirende Auslegungen. — Vermischtes. £eibuid& <9Lxfcilief. Bonn, den 15. 'Juli. Der israelitische Schulfond nnd das ungarische Abgeordnetenhaus. Das ungarische Abgeordnetenhaus hat mit 115 gegen 110 Stimmen den Antrag des Cultusministers von Trefort auf Errichtung des Rabbinerseminars zu Pest aus den Mitteln des israelitischen Schulfonds und die Verwendung der übrigbleibenden Summen zur Unterstützung von Schulen, insbesondere den orthodoxen, verworfen; ebenso mit 112 gegen 110 Stimmen einen vermittelnden Antrag Tisza's abgelehnt — also nichts beschlossen. Dies war das Resultat eifrigster Anstrengungen seitens des Ministers, zweier ausführlicher, gründlicher Ministerialberichte der überzeugendsten Ausführungen Treförts im Club der Deak- Partel und deren Zustimmung, sowie seiner Reden im Abgeordnetenhause und zweier voller Sitzungen des Letzteren — nämlich nichts. Die Angelegenheit verbleibt daher auf dem Standpunkte, wie vorher: die Vorbereitungen zur Errichtung des Rabbinerseminars sind getroffen, die Ausführung bleibt suspendirt, und unterdeß wird der Ertrag des Schulfonds in allerhand wenig erfolgreichen Ausgaben absorbirt. Fragen wir im Allgemeinen nach dem Motiv dieses Resultats: so erscheint es uns hervorgegangen aus der in Ungarn immerfort ventilirten politischen Machtfrage, aus der empfindlichen Eifersüchtelei der Volksvertretung auf die Verwaltung, aus der Gehässigkeit gegen jede aus der vorparlamentarischen Periode stammende Maßregel, sei diese auch noch so gerechtfertigt, noch so nützlich. Der isr. Schulfond war durch kaiserl. Verfügung aus einer den Juden auferlegten Contribution gebildet, und ihm als Zweck die Errichtung eines Rabbinerseminars und die Unterstützung jüd. Schulen gegeben worden. Dies genügt, um die ungarischen Abgeordneten hiergegen aufzubringen und diese kaiserliche Verfügung, so viele Momente der Legalität sie auch hat, anzugreifen und umzuftoßen. Molivirt war diese Verwerfung allerdings durch die Petitionen der Orthodoxen, welche den Gegnern der Maßnahme den willkommenen Schein einer Gerechtigkeit boten. Allein schließlich ist doch durch dieses negative Resultat nichts gewonnen und nichts geändert: der Schulfond und seine Verwendung bleiben wie bisher in den Händen der Verwaltung ohne irgend eine Vorschrift über die letztere, nur daß die Herstellung des Seminars suspendirt bleibt. Man gestatte uns hier einige allgemeine Bemerkungen. Die Ungarn halten sich für große Politiker und sehen in dieser Beziehung spöttisch auf andere Nationen. Wir könnten hierüber Beweise geben. Man muß auch zugestehen, daß sie sich als kluge Politiker nach Außen, besonders in der Erreichung der parlamentarischen Machtfülle bewährt haben. Blickt man jedoch nach Innen, fragt man nach den Institutionen des Staates und deren Reformen, so bietet sich ein anderes Bild. Acht Jahre besitzen sie jetzt die parlamentarische Gewalt wieder, und noch ist aus allen den langwierigsten Debatten keine einzige wesentliche Umgestaltung der vielen veralteten und verkommenen Emrich-

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