Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 38 (1874)
- Issue
- Heft 29 (14.7.1874)
- Date
- 1874-07-14
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. ' Heraüsgegeben von Rabbürer vr. Ludwig DiÜppson in Bonn. Verlag von Baumgärtncr's Buchhandlung in Leipzig. 38. Jahrgang. Leipzig, den 14. Juli 1874. JVf 29. In redactionellen Anacleacrcheiten wende man sich >,n 1)r. L. Philippson in Bon»; dinsichtUch des Bezugs und der Inserate an Siulmniirlnrr's siuchlinudlung in Leidig'. Inserate, wetcheViS 0o»uerslag eingehcn, finden inder raraufsolgeu« den Nunuuer Berücksichtigung. Diese Aeitung erscheint wöchentlich einmal in 2 Lis i>/.. Bogen. Preis Bicrteljahrig t'Thlr. Inserate werden mit 2 Vcgr. für die Pctitzeilc oder deren Raum' berechnet. Alle Buchhandlungen, Postämter und ZeitungS - Expeditionen ' nehnien Bestellungen an. Inhalt. Leitende Artikel: DasHumane im Judenthum. — Literarischer Wochenbericht: Gr.Becskerek, Bonn. — Zeitungsnachrichten: Deutschland: Berlin, Bonn, München, Hannover. -' Oesterreich-Ungarn: Wien, Pest, Brünn. — Frankreich: Paris.,— Größt)ritannien: London.Italien: Nom. — Rumänien: Bukarest. — Feuilleton: Aus dem Gerichtssaale. —- Vermischtes. — Nachtrag zu Oesterreich-Ungarn: Pest. "? - Jßedcude <9Ctüfie£. Bonn, den 8. Juli. Das Humane im Äntzenthum. Wenn wir in diesem Blatte so oft gegen Vorurtheile und Jrrthümer, die mit mehr oder weniger Absichtlichkeit ausgesprochen und verbreitet werden, aufzutreten und deshalb die Polemik allzusehr zu pflegen haben: so geschieht dies wahrlich nicht aus einer Vorliebe für Kampf und Streit. Es gewährt uns vielmehr stets eine wahrhafte Beftiedigung, es ist uns wie ein friedlicher Ruheplatz, auf welchem wir gerne verweilen, wenn wir einmal auch aufnichtjüdischer Seite einer gerechten Würdigung, einer unparteiischen Beurtheilung des Iudenthums und seiner Bekenner begegnen. In solchem Falle übersehen wir es billiger Weise, wenn der betreffende . Autor auch Rügen ausspricht und Mängel tadelt, die wir nicht als ganz zutreffend anzuerkennen vermögen. Um eine große geschichtliche Erscheinung in allen ihren Einzelnheiten richtig zu beurtheilen, muß man sich in ihren eigentlichen Mittelpunkt, in ihre Lebensaufgabe versetzen können, um auch ihre ganze Organisation mit deren Bewegungen und Veränderungen verstehen zu können, und dies ist etwas, was man von einem Außenstehenden nicht fordern darf.. Dieser wird immer von seinem Standpunkte aus die Dinge und. Eigenschaften anseherr, und mindestens sein Urtheil aus dem Gesichtspunkte seiner Zeit und einer Allgemeinheit, bilden, die zwar in der Idee, nicht aber in der Wirklichkeit besteht. Es ist genug, wenn er hierbei durch keine getrübte Brille schaut, nicht von Ueberschätzung des eigenen : Gutes und alten Vorurtheilen verblendet ist. Dann hat das Judenthum nichts zu fürchten und wird mit dem, was er tadelnswerth findet, schon fertig werden. Für uns muß jedoch die Ansicht eines solchen unparteiischen und wohlwollenden Veurtheilers nicht blos ein Lob sein, das wir wohlgefällig annehmen, sondern auch ein Fingerzeig, wohin wir unsere Aufmerksamkeit zu wenden, haben, nicht um uns solchem Urtheile gefangen zu geben, doch um es zu erwägen und uns klar zu machen, wo es auch im Tadel das Richtige trifft, oder verkennt oder darüber hinausirrt. In Nürnberg erscheint seit fünf Jahren eine Monatsschrift unter dem Titel: „Es /werde Licht! Beiträge zur Förderung der Religion der Humanität von Carl Scholl". Die Zeitschrift erfreut sich einer ziemlichen Verbreitung. In den April- und Maiheften nimmt den größten Theil des Raumes eine Abhandlung ein, welche die Überschrift führt: „Das Humane im Judenthum". Der Verfasser strebt unverkennbar nach möglichster Objektivität, besitzt Belesenheit in unserer h. Schrift und stützt sich besonders auf die Schrift des Dr. Grünebaum : „Die Sittenlehre des Judenthums anderen Bekenntnissen gegenüber (Mannheim, 1867)." Mit freudiger Anerkennung , geht der Verfasser den großen Humanitären Grundsätzen nach, welche das Judenthum verkündet und in speciellen Vorschriften verwirklicht und ausgebreitet hat. Indem er dies mit ganzer Seele würdigt, ist es sehr erklärlich, daß er dabei auf dem Standpunkte der allgemeinsten Humanität, wie sie sich in abstracto 'unserer Zeit