Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 38 (1874)
- Issue
- Heft 26 (23.6.1874)
- Date
- 1874-06-23
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Cm unparteiisches Organ für alles jüdische Jntereffe. Diese Leitung erscheint wöchcnt ich einmal in 2 biS 2.'/.Boqen. PrciS Bicrteliahria > Thlr. Inserate werben mit 2^Nar.,-flir die'Pctitzcrle oder deren Raum berechnet. Alle Buchhandlungen, Postämter und Zeitungö ».Expeditionen nehmen Bestellungen au. 'Herausgegeben von Rabbiner Vr. Ludwig Khilippson in Bonn. Verlag von Banmgärtlier's Buchhandlung in Leipzig/ Sn redactiou'ellen Angelegenheiten .wende mail sich >in-i)r. L. Phitippson ill Bonn; hinsichtlich des Bezugs und der Imerate au üaamitürtner-'s Luchliandinng'' inLeipzig. 'Inserate, welche bis vonuer«- l tag eingehen.-jinhen Inder taräuffolgeu- . den'Nummer Berücksichtigung. 38. Jahrgänge Leipzig, den 23. Juki 1874. M 26. Inhalt. Leitende Artikel : Ueber die jüngste Verhandlung im . preußischen Abgeordnetenhause. III- — Aktenstücke in Angelegenheit ver-rjüdischen Gemeindeverfassung. Zeitungsnachrichten: Deutschland: Berlin- Detmold, Gnesen- Leipzig. KoLylin 's Posen). —' O.e st e r. r. - u ug a r. M o,it a r ch i e-:> Wien, Prag-, .Pest. — Sch w ed e n: Norrköping. .Feuilleton:.} DH.polnisch -russischen. Juden. —; Der Oberrabbiner Jalir Effendi. ' - ... : - •’ £eileud& ÖCxtl&efc .. . Bonn, den 17. Juni. Ueber die jüngste Verhandlung im preußischen Äbgrordneteühaose. III., " Es ist merkwürdig, in' welche offenbare Widersprüche Laster schon mit dem Beginn seiner Rede verfällt und das Haus hineinführt. Er erkennt das edle Streben derer an, welche in Vertretung eines' „sehr großen Theiles der Synagogengemeinden in Preußen und ihrer Religionsgenoffenschaft überhaupt" in zahlreichen Petitionen, Abhandlungen und Denkschriften sich an das Haus gewendet haben — er hätte sagen können, aller preußischen' Juden' mit Ausnahme einer sehr kleinen Gruppe — er beglückwünscht 'siewegen eines solchen Eifers m einer idealen Sache. Er-glaubt aber,' daß deren^ Wünsche „sachlich nicht berechtigt seien", und sagt „selbst im idealen Streben kann man zu weil gehen." Nun ist-er es' gerade, welcher alle sa chliche Verhält- : rilffe übersieht Und unbeachtet läßt und einer ez-traväganten Idealität' nachjagt- und ihr gerade auf unserem Gebiete frei nachjagen zw können vermeint! welch' ' ein Widerspruch. Aber bei'dieser eaxtslio denevolevtise wollen wir uns nicht weiter aufhalten,' obgleich darin' büs- Geständniß liegt,' baß er, LaSkerdie Äuge/ legenheilen der Judenbeffer versteht, als alle preußischen Juden züsämmengenommen, daß' sie lalle ihre sächlichen Verhältnisse vet/ kemien,-"er aber' sie richtig Rürtheilt. Der''eigentliche nässe' Widerspruch, mit dem er anhebt,' ist folgender: Die Hochschule' für die Wissenschaft des' Judenthums hat ein Gutachten' abgegeben, daß' „bei den Protestanten und Katholiken das Bekenntniß gewisser GlaubeniSsätze' nothwdndig sei-" um zur Gemeinschaft zu gehören,"und daß' diejenigen', welche dieses BekenNtniß nicht ganz' ablegen 'können, sich dadurch veranlaßt sehen, aus der besonderen' Gemeinschaft' der Confessionalität auszutreten; bei den Juden aber eine solche Veranlassung nicht' vorliege, weil eben ein Inbegriff solcher Glaubenslehten nicht vorhanden sei." *) Laster meint nun, daß grundsätzlich das Haus in solche konfessionelle Erör-. terungen gar nicht eingehe und sich' nicht zum Richter darüber' mache. Und, man merke wohl, dabei ist e r es, -der das Haus" veranlaßt,'ein Gesetz zu geben, nach welchem „aus confefsionelldtti Bedenken" der Austritt aus der Ortsgemeinde gestattet sei! Hat' hiermit das'Häus nicht entschieden, baß es innerhalb des< Juden/ thums verschiedene Cönftssionen giebt? Hat' es eine Bedeutung- -ob' einer solchen Entscheidung eine Erörterung der Frage voran-' geht' oder nicht? Im Gegentheil : das Haus wird so veranlaßt,' willkürlich eine Entscheidung zu treffen, ohne eine Ueberzeugung' darüber zu haben — aber entschieden hat es die Frage, denst es begründet ein Gesetz auf das Vorhandensein einer Confeffkölä im Judenthume, von welcher man abweichend eine ändere Co^ fession haben könne.' Von ' der einen' Seite treten die Juden 'äus — denn durch alle Petitionen geht dieselbe' Versicherung sagen, wir haben keine Confession, und begründen dies in wissen/ schaftlicher Weises'und Laster sagt, in eine solche Eröiteräng' geh/ *) S. das Gutachten'im "zweiten Leitartikel. ' '