Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 38 (1874)
- Issue
- Heft 25 (16.6.1874)
- Date
- 1874-06-16
- Page
- Seite 427 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3224737-3226960-3226986--32687-3255666- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Malbim 1× ep/1002711
OCR text
als ihnen den Freitag zur Ruhe zu gestatten und» sie/ nichts zu zwingen, zwei Tage in der Woche zu ruhen. Die Mehrheit der Nationalversammlung-stimmte dem ' frivolen' Gebühren des Grafen bei und verwarf-das Amendement. - ./ - ' Großbritannien. London, 29. Mai. Sir-Moses Montefiore hat, den drin--, genden Wünschen seiner Freunde nachgebend, beschlossen, nicht nach Jerusalem zu gehen. Freilich wäre es, wünschenswerth gewesen, daß ein mit Autorität bekleideter Mann, die Vertheilung der- Spenden an, die Hülfsbedürftigen übernommen hätte, so daß jene,-ihren Zweck auch - vollkommen erreichten/ Allein .das hohe Alter des edlen Greises war zu berücksichtigen. ,Die Spenden .laufen übrigens diesmal verhältnißmäßig nicht, stark ein, was immerhin auf.ein vermindertes Interesse hinweist. ... - . Rumänien. '" Bottuschan, 28. Maü (Piivatmiith.) Die Theilnahme, welche Sie unserer hiesigen Gemeindeschulanstalt von deren Beginn an Mchenkt haben, läßt mich' vörausschen, daß meine heutige Nachricht'Ihnen und 'den Lesern Ihres Blattes Befriedigung bereiten werde:‘ - Unsere Schule ist nämlich aus der gefährlichen Krise, welche ihren Bestand so lange bedrohte, endlich glücklich heraüsgetreten/der Friede in'der Gemeinde ist. wieder hergestellt, die Fleischtaxe wieder eingeführt und die Schule aus ihren Erträgen botirt: Freilich ist ihr nur eine Iahreseinnahme um ein Viertel geringer als früher gewährt worden, so daß die Gehälter der Lehrer empfindlich geschmälert -sind, aber sie besteht und blüht doch , und wir halten uns überzeugt, daß mit der Zeit selbst ihre Gegner ihr gerecht und befreundet werden, ' wenn sie die Leistungen der' Schule zum Theil an ihren eigenen'Kindern gewahren. Dank darum allen den auswärtigen Freunden des Güten, welche unsere Schule während der traurigen Zwischenzeit durch ihre Unterstützungen erhalten haben! Wer da weiß, wie es kaum' , zu ermöglichen gewesen wäre, die Anstalt von Neuem zu eröffnen, wenn sieeine Zeit lang geschloffen gewesen wäre, der wird das Gefühl unserer Dankbarkeit bemessen können. Was'die Lage unserer Glaubensgenossen in Rumänien betrifft, so gestaltet sieJ sich immer trauriger. Sie haben' dieselbe wiederholt richtig in Ihrem Blatte gekennzeichnet.' Die Äudeühetzen haben aüfgehört, abeik die systematische Verfolgung " auf gesetzgeberischem Wege,' die thatsächliche Aushungerung ist an deren Stelle getreten, erreicht ihren Zweck unwiederbringlicher/ und'beranlaßt dabei die europäische Preffe weniger zu heftigen Klagen. Mil dem Tabäksmonop'ol hat man angefangen, die Spirituosenlicenz hat man folgen lassen, und jetzt'geht man mit der Einführung des Salzmonopols um. Durch jedes dieser Monopole Macht mach, indem man die Juden von dessen Betrieb gesetzgeberisch ausschließt, immer einige Tausend -jüdische Familien brodlos und verdammt.siezum Bettelstab! Daß der Staat selbst dabei außerordentlich' leidet/daß vom' volkswirthschaftlichen Gesichtspunkte'' aus größeres Unheil - für dasganze Land nicht ersonnen würden kann / sehen -die vom Haffe geblendeten - Gesetzt geber nicht ein oder wollen' es nicht einseherr/ - > Rußland. Lyck, 1. Juni. Dem hier erscheinenden „Hammagid" be-. richtet man: „Der Rabbiner Malbim zu Mohilew in -Rußland ist durch -einen Ukas der kaiserl. Negierung zu St.'Petersburg am 4. Mai d. I. seines Amtesals Rabbiner daselbstentsetzt und des Rechteseinen Nabbinatssitz fernerhin einzunehmen, innerhalb des russischen Reiches verlustig erklärt worden, weiler> u. A. fromme Wallfahrten unterhielt und namentlich eine Menge jüdischer- Frauen bei sich aufnahmwelchezu ihm - strömten-, um 'sich von ihm segnen zu lasten und dadurch Leibesfrucht - zu erhalten, oder ihnen ihre entlaufenen Ehemänner wiederzuerlangen rc: Dieses Treiben ward aber den dasigen „Aufgeklärten" ein Dorn im Auge, weshalb sie eine Denünciation wider diesen-Rabbi»bei der dortigen Negierung anbrachten. Die russische Regierung hat nun die Sache ganz ernst -genommen 'und dem Rabbi.sein Handwerk ein für alle Mal gelegt, da er . seine Autorität zu Hand-- lungen mißbrauchte, welche-'den Intentionen der russischen Regie-? rung zuwiderlaufen , die darauf gerichtet sind,-Wissenschaft, und Aufklärung sunter ihren jüdischen Unterthanen zu verbreiten und solche Fanatiker, die das Volk in die -Irre führen, berücken und ausbeuten, nicht aufkommen zu lasten. — Wie verlautet,, soll dieser Rabbi sich jetzt nach St. Petersburg begeben--haben,, um bei dem deutschen Gesandten daselbst, vorstellig zu werden und dessen Intervention gegen - obigen' Ukas zu: erwirken, v Ob, ihm dieses gelingen oder helfen werde, steht abzuwarten." . Soweil. der Bericht des „Hammagid". Wir^ wollen noch hinzufügen: Sollten wohl .unsere russischen Glaubensgenossen niemals zu. der- Einsicht gelangen, daß die Ursachen solcher häufigen,, gerade, in. ihrer Mitte bei allen solchen. Anlässen immer wieder - zu Tage. -tretenden Erscheinungen,. daß. eine große Anzahl ihrer jungen -Frauen entweder, an Kinderlosigkeit.,seiden oder von ihren Ehemännern verlassen.werden,, nur meistens, in den allzufrühen Heirathen, die bei ihnen im Schwange, und.-.in wer verkümmerten geistigen, wie körperlichen Ausbildung der Jugend, namentlich der weiblichen, zu suchen .sind, .und daß eine ^gründliche Abhilfe dieser culturwidrigen Einrichtungen. mehr Wunder bewirken möchte, als.alle ihre wunderthätigen Heiligen zu Stande zu bringen vermögen?! - 25*