Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 38 (1874)
- Issue
- Heft 24 (9.6.1874)
- Date
- 1874-06-09
- Page
- Seite 401 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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öZAHonallen.^Seiten, auf seine-, Verbefferung gedrungen.-.'wird, und z MAN bereits,.«die-Gutachten, ..der Behörden.darübereiyholt. Er hat sich zwar in der letzten Session des Reichstags , sehr heftig Darüber ausgelassen; -daswird ihm, aber wenig-l.helfen, und die schweren Mängel, die hervorgetreten, werden selbst nicht durch, die.-längsten und häufigsten Reden,, sondern nur durch andere Gesetzesbestimmungen beseitigt werden können. Die gesetzgeberische Maschine ist nun. einmal im Gange, und wenn man die Erfahrung, aus den Augen setzt, kann man ja immer wieder sie nachträglich befragen..?„Dieses Bewußtsein macht die Gesetzgeber gar .nicht. schwierig,. Gesetze zu erlassen und wieder zu verändern... - Wir haben täglich. das Beispiel, .vor Augen. . Die Erfahrung .in? Preußen.hat gelehrt,, daß. die Ungebundenheit der jüdischen Gemeindeverfaffnng, wie man sie seit dem Ebicte vom 11. März.1812, bestehen. ließ, die traurigsten Folgen hatte; man entschloß sich, daher dies im Gesetze vom 23. Juli 1847 zu rectificiren, und dies war in dem sonst krankhaften Gesetze der einzige gesunde Th.eil. Die Erfahrung hat dann wieder gelehrt, daß. aus dieser jüdischen Gemeindeverfaffung sehr segensreiche Wirkungen hervorgingen,. daß die Mehrzahl der Gemeinden von den früheren, entscheidenden Streitigkeiten befreit und zu geordneten Wegen .geleitet, daß durch, die vereinten und organisirten Kräfte blühende Anstalten begründet und erhalten wurden, daß man überall, nur.im. gemäßigten besonnenen Fortschritt weiter ging und meist mit gutem Tacte die Extreme vermied, daß man cher Idee der jüdischen Gemeinde sich, bewußt, ward und sie möglichst zu tragen und/ zu verwirklichen strebte. Dies lehrt die Erfahrung. Aber was fragen die Gesetzgeber von 1874 nach der Erfahrung! Das . Abgeordnetenhaus hört vielmehr auf die Stimme eines Mannes, der in jüdischen,Angelegenheiten gar keine Erfahrung hat, da er sich, um sie nicht kümmerte und von dem es überhaupt fraglich ist, ob er .seinen einmal gefaßten Ideen gegenüber überhaupt der Erfahrung und den Lehren der Erfahrung einen Raum, gewährt; es hört aus die Stimmen einiger Schreier, welche theils aus religiösem Jndifferentismus, theils aus Oppofitionslust, theils um sich für ihre Person legitimirte Gemeinden, zu schaffen, die völlige Ungebundenheit anrufen; es hört aber nicht auf die Stimmen zahlloser Gemeinden,, ihrer Vorstände,. Repräsentanten'und Beamten, welche die Schwierigkeiten in den Verhältnissen der jüdischen Gemeinden von Grund aus kennen, und votirt in seiner letzten Stunde, , müde und abgespannt, wie es , ist, einen Grundsatz, Her das jüdische Gemeindewesen über den Haufen wirft und die Gemeinden in die Luft versetzt. , £ , - ■ Hier ist es nun, wo die Sache nicht von der Person gänzlich geschieden werden kann..- Der Abgeordnete Lasker ist die Seele und der einzige Motor der ganzen Bewegung. Er hat die bekannte Resolution persaßt, beantragt, - verfochten? und durchgesetzt. Wir würden dem geschichtlichen Urtheil -einenschlechtenDienst erweisen /und unsere Pflicht nur . mangelhaft -erfüllenwollten wir ihier Kber £ie Person ■ des Urhebers und Schöpfers völlig hinweg-;gehen. - Zur genauen Charakteristik des ganzen Vorganges ist es /nothwendig, einen Blick auf-diese, Persönlichkeit zu werfen.- Keiner, unserer Leser befürchtet dabei, daß wir die Delicatesse überschreiten, 'werden, welche wir zu bewahren pflegen und die, eine so vielfach Verdienstvolle Persönlichkeit, beanspruchen kann. (Fortsetzung folgt.) Die Hochschule für die Wissenschaft des Zudenthums. Aus dem in der Generalversammlung am 6. Mai e. von Prof. lli. . Lazarus abgestatteten Berichte. Verehrte Anwesende! Wohl Ihnen allen ist bekannt, daß wir heute vor zwei Jahren die Hochschule eröffnet haben. Sie hat bisher, wie ihr vielfach vorgeworfen würde, wenig von sich reden gemacht. Ich will nicht behaupten, daß es ein Vorzug dieser Anstaltgewesen sei, daß sie geschwiegen und daß man so viel über sie geschwiegen. Aber uns schien es doch zweckmäßig, dann erst von dieser Pflanzung, zu reden, wenn die ersten, wirklich sichtbaren und in Blüthestehenden Sprossen sich zeigen. Vier Semester find nunmehr?- verflossen, die Hochschule hat ihre wirkliche Gründung nicht, blps,i sondern ihre Existenzin der -Wirklichkeit, in nicht blos, einer äußeren, sondern in der inneren Wirklichkeit gedeihlichen geistigen, wissenschaftlichen Lebens bethätigt. Wir halten es nunmehr an per Zeit, den Stiftern und Freunden derselben, Kunde von ihr zu geben, auch zu dem Zweck, mit dieser Kunde ihr neue Freunde zu erwerben. In der nächsten Zeit, etwa in 6 Wochen, werden wir einen gedruckten Rechenschaftsbericht über Stand, Wirksamkeit und alle äußeren und inneren Verhältnisse der Hochschule herausgeben. Es hat uns aber geschienen, als ob uns dies nicht, abhalten dürfte, heute diejenigen unserer Freunde um uns - zu versammeln, welche ihr Interesse durch ihre persönliche Anwesenheit darlegen wollen, , ' Auf die Geschichte der Entstehung der Hochschule näher einzugehen, ist kein Grund, Nur einige Punkte werde ich über den Beginn ihrer Stiftung deshalb berühren, weil bei der feierlichen Eröffnung vor zwei Jahren davon zu sprechen wenig Gelegenheit war und 'einige Jrrthümer verbreitet zu sein scheinen, sowohl über den Zeitpunkt, als auch über die Personen, welche bei der Schöpfung betheiligt gewesen sind. Vollständiges Material wird/ der gedruckte Bericht "enthalten. \ Schon im Jahre 1867 etwa um diese Zeit war es, daß, der selige Stadtrath Moritz Meyer mich mit der Frage beschäftagte, ob es denn möglich und auf welche Weise es zweckdienlich? wäre> etwas zur Pflege der..Wissenschaft des Äudenthums.zu thun, besonders durch die Errichtung einer Lehranstalt für dieselbe,.^ 24*