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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1874-06-09 · Heft 24 (9.6.1874) · p. Seite 400

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
38 (1874)
Issue
Heft 24 (9.6.1874)
Date
1874-06-09
Page
Seite 400 (sequence 2)
Language
German
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s K V% A Man kann hierin nur einen offenbaren Gegensatz erkennen; aber die Erklärung ist unschwer 'zu finden. Das Geschick hat das Judenthum^ und dessen Bekennepstets als Versuchsfeld, alsMxM rimentirstof^ yinKgeben, und dieses- Geschick, /das 'stch/so "oft im Großen verwirklicht hat, ^erfüllt sich hier auch in kleinerem Maße. Die israelitische'Nation war solch' ein Experinientirstoff für den Monotheismus, sowohl in ihrem staatlichen Bestände, als auch in der Zerstreuung unter den Völkern; ein.Versuchsfeld für.den Fanatismus, den jüdischen Stamm zu seinem Opfer zu machen' und jeden Gegner auszurotten, dann das beliebte Versuchsfeld und ein solider Prüfstein für die Gleichheit Aller vor Recht und Gesetz, für Humanität, religiöse und gesellschaftliche. Toleranz. Jetzig macht.- man die Juden wieder zum Versuchsfelds für'die kirchliche Freiheit, mit der man sich an. die großen .christlichen Kirchen noch nicht heranwagt,'nicht blos aus äußerlichen, sondern^ auch aus innerlichen Gründen nicht" heranwagt," weil die Gesetzgeber.Christen sind. Wir könnten diesen Gedanken. noch aus vielen, einzelnen Facten aus allen Ländern nachweifen.. Nun, wir haben bis jetzt alle diese Experimente bestanden — aber man frage nur nicht wie?! Man frage nicht, mit wie. vielen Opfern, blutigen und. unblutigen Martyrien, Thränen und Seufzern wir sie bezahlen mußten. Auch auf dem Gebiete der Religionsgemeinden . sollen -yir den Experimentirstoff für die, unbeschränkt^ Freiheid,und. Haltlosigkeit jetzt abgeben. Warum-auch nicht? .Man experimentirt stets mit kleinen Mafien, mit. solchen, denen man/ keinen. großen Werth beilegt -und.wo. immer, der Ausgang gleichgültig ist. ... Wir haben aber noch einen anderen Gegensatz hervorzuheben> der,, eigentlich, her den Schwerpunkt bildet. Der Staatshaushalt enthält: .ein immer wachsendes Budget für die beiden, großen christlichen Kirchen, und man erhöht dasselbe jedes Jahr. Außerdem steuern. die Communen beträchtlich für jene und ihre Anstalten,, und viele Kirchen besitzen seit Alters nicht geringe Grundstücke .und, Pfründen.. Nicht minder hat man bereitwilligst für die Bedürfnisse der -sich eben bildenden altkatbolischen Gemeinden mit einer Seelenzahl von 17,000 in ganz Preußen 16,000 Thaler jährlich ausgeworfen. Das Gegentheil.findet.hinsichtlich der Juden statt, , die doch , zu allen, also auch, zu diesen Lasten des Staates und der.Communen gesetzmäßig steuern. Sie besitzen, keine Grundstücke undPfründen, erhalten von den.Communen, keine Zuschüsse, und, der Staat hat . ihnen- bis jetzt noch keinen Pfennig bewilligt. Pie Kirchen also. sind, nur im. geringem Maße auf die Beisteuer ihrer Mitglieder, die jüdischen Gemeindenaber ganz und ga,r darauf,. angewiesen;, jene könnten, eine^flottante und freiwillige Mitgliedschaft recht.gut ertragen,-, diese.:.kann..es nicht.. ..Während man . nun. ..die. Kirchen , mit reichlichen Mitteln, versieht - und den Parochialzwang dennochfür.sie: aufrecht : erhält t verweigert, man der jühischeH / Gemeinde: alle.Hülfsmittel, ..und, will,-ihr zugleich die Freiwilligkeit der Beisteuern,auferlegon.) sUeber diesen» Gegensatz hilft, keine Sophistik hinweg., ..DerJude, Laster aber. .hat. sogar tr W die Nnmaßung zu>erklären^ daß die Juden — als ob diese ihn mit ihrem Mandat beauftragt hätten — auf M>e Staat^ü^ verzichten — alsMb Einzchie überhaupt auHdas HechtMr Gesammtheit ^verzichten könnM^—^unb ^vM züglei^ den ^Bestand der ^Gemeind'en^auf Freinullitzkeit^sÄen. ^ÄiesAed -Minder einen Hand ' nehmen und/nü't der anderen Hand nichts geben, sondern auch nehmen. 3if Frankreich besteht für die Juden seit 1793 .ebenfalls, kein Parochialzwang, über, der Staat sah sich gemüßigt, ffeit 1830 die Kosten des jüdischen Cultus auf sich zu nehmen, und das Budget für denselben wächst von Jahr zu Jahr. Er that dies aus Gerechtigkeitsgefühl,, das -nicht schnöde zmexperimentiren gestattet. , Erst in; diefery '^Aahre.^hat >'MM'i..:m'^der großen Gemeinde Paris eine freiwillige. Sammlung /augeftellt, um einige fühlbare Lücken auszufülle.n., Der. Staat. und'' die Commune bauen ihnen sogar zwei neue prächtige Tempel. Dies ist das Dilemma." Entweder der Staat^"gieb1"die' Cultuskosten und hebt den Parochialzwang auf — ödem M? ^ertveig?rkh.jene und läßt diesen. Verweigert er beides, während, er.den.., christlichen Kirchen beides gewährt: so hat-er eine maßlose-Ungerechtigkeit begangen und die jüdischen .Gemeinden, für dogelfrei erklärt. Auch wir sind keine Freunde der- Staatshülfe; -auch wir möchten gerne den Parochialzwang beseitiget /Aber da" öie wirkliche Welt immer und überall sehr reale Mittel für die Existenz fordert, was ja auch die Herren Gesetzgeber und Etats- -bewilliger sehr wohl wissen, so muß-man-zwischen zwei Uebelständen wählen und darf sich nicht mit Vertrauensseligkeit in's Nichts stürzen. ' ..Wir. könnten^noch..einen dritten -Gegerzsatz betonen,,.^aber wir legen kein Gewicht darauf, nämlich den,-daß in allen Stücken die Mehrheit des Abgeordnetenhauses sich'nach den Grundsätzen zu bewegen und zu richten -pflegt, - welche ^die; Staatsregierung angiebt, in dieser Frage der.jüdischen Gemeindeverfaffung aber die Negierung den, Grundsatz, den das. Haus aufstellt, -annehmen will. Unter Umständen sucht, das Haus -. sogar nach ueiner Compensation,.: wenn es etwas verweigert hat, wiez. Bi-ndjefPrämien für Vollblutszucht statt,.der.'Rennpreise. - Aber^chie^!jüdische---Geä meinde: ist für einen Confliet zu) unbedeutend, iuy,d.eintz?Compen-- sation, wie etwa die Uebernahme der Cultuskosten;^-zu/,bedeutend:' Wie dem auch sei:- Erftießteiw-. Gesetz) nffo./müssen wir demselben..Gehorsam schenken- -und :wir: -Juden r haben?: )die--,Ge^ wohnheit, selbst -einem'Gesetze,.Pas-.uns ,:.urtgEech.tvhev!nachtheilig erscheint, willig und ohne Hintergedankeniszu^ehorchtn. ..Eine lange;-Uebung.-hat-.uns gelehrt; unSrn-die Berhä-ltyjffnzui schickem- Auch .wissen wir - ja . w.ohl, .daß G,esetze»i welche iditz rgesetzMerischen- Fackoren des Staates-.machen,,,nicht-unveränderlich.nsind;.?und, wenn; sich schädliche Folgen «zeigen/ < jorre ebenso.!-leicht/^wieder xzu verändern,-, wie-,.sie - gemacht .wordMrstnd?» rErlebt,-es-/dochsder Abgeordnete. Lasker,: haß.- dass-deutsche Strafgesetzbuch-)/ auß/dessen Abfassung,- er em,ew Entscheidenden E,chflyß>>geühh haben-ssoDMchM nach Zr. Jahren,^ d^v ÜmgestaltWg sür-höchst bedü.rftig; Krstärfswird,^

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