Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 38 (1874)
- Issue
- Heft 20 (12.5.1874)
- Date
- 1874-05-12
- Page
- Seite 341 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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NW ^WMDWUMWWMMDUWWWWWMM. 341 Strafe? Nun, kann da ein solcher die Strafe abwenden mit seiner Tefilla? Also , was muß er thun? Er muß gehen zu einem großen Zaddik , was seine Tefilla ist besser angenommen bei hakkodosch öoruch hu, und wenn der - für ihn betet, dann wird ihm geholfen. Denn was sagt der Sohar hakkodosch? "! ibllnn an p^s-n pria — „Gott verhängt über den Sünder die Strafe, aber der Zaddik kommt — mit der großen Kraft seines Gebetes ■ — und wendet die Strafe wieder von ihm ab!" (sic!!) —.. „Nun, wenn der Zaddik solch eine große Kraft besitzt," nahm ich wieder das Wort, „warum thut er nicht alle seine Wunder auf einmal? Warum macht er nicht, daß die ganze schlechte Welt besser wird, .daß alle Menschen gut und fromm werden und. nicht sündigen, wie er, daß alsdann gar keine Strafe auf die Welt kommt, nirgends ein Unglück geschieht/ -Niemand krank wird, Niemand stirbt, und daß es allen Menschen gut geht?" — „Was Ihr für ein Narr-seid!"—- und mit diesem schmeichelhaften Eompliment trat jetzt ein' anderer aus der frommen Wallfahrt, die sich während dieses lebhaften Gesprächs dicht an uns heran gedrängt hatte, in die Schranken — „was Ihr für ein Narr seid!" „Der Rebbe thut. gar keine Wunder. Er thut nichts, schelo kederech hatewa, was nicht ganz natürlich war, so wie Gott, der doch alle Tage nissim w'nifloos thut, ja auch nichts thut, schelo kederech hatewa. Ja es geht bei dem Rebben ganz natürlich zu. Wißt Ihr nicht: Jeder'Mensch hat seinen'Stern im Himmel. Und dieser Stern, das ist ein Galgel choser boolom, eine Kugel, die sich im Kreise dreht. Wenn nun dieser Galgel der Sonne zugewendet ist, dann ist er „lichtig" und dann geht es dem Menschen gut und er ist glücklich. Aber, wenn der Mensch sündigt, dann kehrt sich der Galgöl (um und) von der Sonne ab, dann wird diese finster und der Mensch hat dadurch sein Glück verloren. Dann kommen die „Purones", die Strafen, die Gott auf die Welt schickt, und gewinnen Macht über ihn, daß es ihm schlecht geht. Wenn dieser Mensch aber Teschuwa thut und geht zum Zaddik und dieser betet für ihn, daß Gott seinen Galgel im Himmel wieder umkehrt, der Sonne zu, so wird die Strafe von ihm abgewendet und er ist wieder glücklich. Ist das wohl ein übernatürliches Wunder??" —-— Düs war geredet! Das traf wie der Blitz! Hat jener erste, gute Alte in seiner verständigen Weise nur das leichte Geschütz des beschränkten Verstandes für seinen Rabbi m's Feld geführt, so kam dieser gleich mit dem schweren Kaliber des höheren Blöd<, sinnssoharistifcher Theoreme. Welch eine herrliche Lo-, will; sagen, Astrologik! Wie natürlich!. Welch eine Kleinigkeit 'für'.einem Grätzer Rabbi einen rollenden Stern aufzuhalten, umzukehren, und dadurch die Doppelwirkung hervorzubringen,; daß --dieser; „lichtig" und sein Client „glücklich" werde?!.— O, heiliges Knack, wie bist du rehabilitirt!! ——-• Nach dieser minutenlangen , gedanklichen, Abschweifung hob' ich wieder'an , in der Absicht , meinen sattelfesten Kaftanritter doch endlich einmal durch . meine, verfängliche Inquirirung in Verlegenheit zu setzen, und fuhr fort zu fragen: „Aber sagt mir nur, mein guter Freund,' wie geht denn daß eigentlich zu, auf was für eine Art kann Euer Rebbe denn dieses Alles zu Stande bringen?". „Das ist ganz klar, das ist günz einfach," erwiderie er rasche „derRebbe hat auf einem besondern Tischchen seines Studirzimmers einen einfachen Thillim — einen Psältet ' liegen.' Und so Jemand kommt, die Wunderkrüft des Rabbi zu consultiren, so thut er weiter nichts,' als ein Paar Capitel Thillim recitiren, und jedes Wunder, das' er vollbringen will, das' bringt er zu Stande durch dieses Thillim-Sagen mit Ziruf Schemoth." — „Ziruf Schemoth!" — Wie mag dieser technische Kunstausdruck nur zu definiren sein?! — denn übersetzen -läßt es sich schon gar nicht! So denke Dir, lieber Leser: Unser Wundetrabbi liest ein Paar Capitel aus den Psalmen, aber er liest nicht eigentlich das, was darinnen steht, soitderü er liest vielmehr in dieselben hinein und aus denselben heraus .alles Dasjenige, was er durch ganz eigene Jdeenaffociation und spiritualistische Combinationen in Beziehung bringen. kann mit drei verschiedenen Factoren, nämlich: mit dem Zustande seines Clienten, »mit der kabbalistisch-mystischen Nomenklatur aller Engel und Teufel und endlichem der höchsten'Potenz, mit — Gott. Wer den, diesen tiefsinnigen Gedanken durchziehenden rochen Faden zu erfassen vermag, der wird erst den rechten Begriff dieses „Ziruf Schemoth" gefunden haben! -7— Dieses also ist der geheimnißvolle Zauberstab, womit unser Rabbi seine großen Wunder verrichtet! Man sieht aber, wie fein dieserganze geistige Schwindel ausgesponnen ist, um es nur für möglich zu halten,' daß dieser eine so große Masse unserer obskuranten Glaubengen offen an- und in seine Netze zu ziehen im Stande ist, und es läßt sich auch; hier ganz treffend der Goechesche Ausspruch anwenden: I „Jst's gleich Unsinn, so hat es doch Methode."—- Ich mußt' es wohl aufgeben, meine frommen Reisegefährten am ihrem großen Wunderrabbi und dem unfehlbaren Erfolss ihrer heiligen Wallfahrt irre zu machen oder gar -sie zu einer bessern Einsicht bringen zu wollen. Scheinbar besiegt, gab ich jetzt allen Widerspruch auf und dem Gespräch eine aridere Wendung, indem ich mich angelegentlich erkundigte, welche speciellen Wunder dieser Rabbi wohl verrichtet haben sollte. Und die Erzählungen begannen. "Einer nach -dem andern wußte-mir eine besondere große Wundergeschichte zu erzählen, und sie thaten dies mit warmer Begeisterung für die große Sache. So mögen diese hier folgen. . . . . (Fortsetzung folgt.); v . , ..... .‘J \ M ‘‘)