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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1874-05-12 · Heft 20 (12.5.1874) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
38 (1874)
Issue
Heft 20 (12.5.1874)
Date
1874-05-12
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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emerne WMWWNWMWWWB^^^ Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Jntereffe. . Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal in 2 vis 2V2 Bogen. Preis Vierteljährig 1 Thlr. Inserate werden mit 2 Ngr. für die Petctzeile oder deren Raum berechnet. Alle Buchhandlungen. Postämter und ZeitungS - Expeditionen nehmen Bestellungen an. 38. Jahrgang. Herausgegeben von Rabbiner vr. Ludwig Philipps»» in Bonn. Verlag von Baumgärtner's Buchhandlung in Leipzig. Leipzig, den 12. Mai 1874. In redactionellen Angelegenheiten wende man sich an vr. L. Pyilippson in Bonn; hinfichüich des Bezugs und der Inserate an Saumgiirtnrr's Suchhandlnug inLeipzig.' Inserate, welche bis vonuernlag eingehen, findm Inder daraüffolgendm Nummer Berücksichtigung. JW 20. Inhalt. Leitende Artikel: Was bedeutet uns der Philosoph Philo? — Der jüdische Religionsunterricht. — Literarischer Wochenbericht: Vom Rheine. — Zeitungsnachrichten: Deutschland: Berlin, Braunschweig. — Oesterreichisch-ungarische Monarchie: Pest, Brünn. — Holland: Amsterdam. — Jtalien: Modena. — Rumänien: Bukarest. — Tunis: Tunis. —Palästina: Jerusalem. — Feuilleton: Der neuentdeckte Wunderrabbi. (Eine Reiseskizze von B. C.) (Fortsetzung.) — Vermischtes. «CeltettDe ßLxbkel. Bonn, den 6. Mai. Was bedeutet uns der Philosoph philo? Ein Briefwechsel. I. Wir erhielten in diesen Tagen eine Zuschrift von befreundeter Hand, aus welcher wir die Hauptstellen wiedergeben, und deren Beantwortung wir hinzufügen. Der Gegenstand scheint uns interessant genug, um dies zu rechtfertigen. „Ihre Besprechung des Philosophen Philo (Nr. 19)", heißt es in dem Schreiben, „hat mich lebhaft angesprochen, indeß nur darum, weil Sie siegreich abweisen, was man dem Judenthume aufpfropfen will. Diese künstliche Art , unserer Religion zu insinuiren, was ihr nicht gehört, wird von beiden Extremen allzuoft geübt, wo es ihnen in den Kram paßt, und das Judenthum muß dafür die Schläge ertragen, die ganz anderswohin fallen sollten. Doch abgesehen hiervon, hat sich mir hierbei eine Ansicht aufgedrangt, die sich, so ketzerisch sie auch klingen mag, schon längst in mir gebildet hat. Ich meine nämlich: die Menschheit schleppt sich gar zu sehr mit Ballast, den sie aus der Vergangenheit um ihre Füße zusammenhäuft. Wer zu viel hinter sich schaut, sieht zu wenig um sich und noch weniger vor sich. Wie will man vorwärts kommen, wenn man eine immer wachsende Last aus den verflossenen Zeiten nach sich zieht? ich weiß, der Mensch kann der Geschichte nicht entbehren; er steht nur da fest, wo er einen durch die Jahrhunderte gefestigten Boden unter den Füßen hat; unsere Geistesbildung kann sich nicht mit den Erzeugnissen der Gegenwart begnügen, sondern muß sich mit den schönsten und edelsten Producten früherer großer Geister nähren. Aber ist es darum nothwendig, sich in Alles, was früheren Zeiten angehört, was längst veraltet'und überlebt ist, was für uns gar nicht mehr paßt und kein fruchtbares Element für uns mehr enthält, immer wieder zu versenken, es bis in seine Tiefen zu durchleuchten und auf's genaueste kennen zu lernen? wozu den Staub noch einmal aüfwirbeln, der vor Jahrtausenden die Luft verdunkelte, längst aber niedergeschlagen ist? . . . Wäre es nicht besser, das Bewußtsein der Gegenwart damit zu verschonen, und die Kraft des Geistes, die darauf verwendet wird, in nutzbringenderen Dingen zu verwerthen? ... Ja, werden nicht durch dieses ängstliche Suchen in abgestorbenen und verwesten Körpern viele Borurtheile immer von Neuem geweckt und gepflegt, die zu überwinden neue Anstrengungen kosten? Alte, völlig ausgebeutete Schachte verschüttet man, und würde den für einen Thoren halten, der sie mit ungeheurem AufwanVe von Mühe und Kosten wieder aufgräbt, bloS um zu sehen, wie sie einst verliefen und in die Erde eingesenkt waren, auch vielleicht, unter der Gefahr, oben darauf errichtete Bauwerke dadurch zum Einsturz zu bringen? . . . Diese Ansicht drängte sich mir oft auf, wenn mir die Arbeiten und Untersuchungen der Gelehrten vor Augen kamen, welche die Erscheinungen längst vergangener Zeiten betreffen und es entweder mit den nebelhaften Gedanken, die damals in den Köpfen wirbelten oder mit der Gestalt der Sandalen und Schuhriemen an den Füßen.jener Männer zu thun hatten. Diesmal brängte

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