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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1874-05-05 · Heft 19 (5.5.1874) · p. Seite 322

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
38 (1874)
Issue
Heft 19 (5.5.1874)
Date
1874-05-05
Page
Seite 322 (sequence 12)
Language
German
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wir/ die wir alle bloße Formen- und, Förmlichkeiten zu bekämpfen pflegen, sollten wir über diese unslange bedenken, wo es gilt, einer, heiligen Pflicht zu genügen? O dieses ewigen, mißverstandenen „Schibolet^ der Parteien! Um wie - viel würden wir besser sein, als diese-fanatisch frommen polnischen Glaubensbrüder, die sich so zähe, so ängstlich an die leeren' Aeußerlichkeiten anklammern, wollten wir in - ihrer Mitte über die Form ihrer Religionsübung viel-rechten. Es ist gewiß besser , so dachte ich weiter, mich darüber -ganz hinwegzusetzen; denn die Form ist doch immer nur bloße Form, ob roh oder edelund in der Hauptsache, in der Erfüllung einer wirklichen heiligen Pflicht, sind wir doch alle gleich. Mit ihnen will ich also in ihrer Form beten oder daran, wenigstens für-mich, keinen Anstoß nehmen. Solches oder Aehnliches müsien wohl auch die übrigen nichtbetheiligten Insassen unseres Wagens Lei dieser frommen Andachtsübung gedacht haben. Man hätte erwarten sollen, daß von drüben, aus dem „Lager Edoms", manch spöttische Bemerkung darüber laut werden oder irgend eine unlautere Störung vorfallen würde. Aber im Gegentheil. Sie wichen scheu und ehrfurchtsvoll zurück. Eine merkwürdige, feierliche Stille war bei unfern christlichen Reisegefährten emgetreten und nicht die geringste Störung ist während dieser ganzen Scene von ihrer Seite gekommen. Diese Wahrnehmung war für mich sehr erfreulich. Welch 'ein Glück für uns, so dachte ich in meinem Herzen, daß wir jetzt in schöner«, duldsamer» Zeiten leben , als unsere Altvordern. Wäre wohl im 11. oder 16. Jahrhundert eine solche Scene möglich gewesen? Muß nicht, wenn die hier versammelten Unze Lchrerstelle. Die israelitische Gemeinde zu Petershagen, Kreis Minden, sucht einen Elementarlehrer zum möglichst baldigen Eintritt. Gehalt 350 Thlr.außer Nebensporteln. — Gelegenheit Privatunterricht zu ertheilen. Meldungen an den Borstand der Synagogen-Gemeinde daselbst. Die bei uns vacante Stelle eines Cantors und Religionslehrers soll möglichst bald wieder besetzt werden. Musikalische Bildung und Befähigung zur Leitung des Chors sind erforderlich. Der Gehalt ist auf 600 Thlr. festgesetzt, kann indeß bei entsprechender Leistung sofort erhöht werden. Anerbietungen wolle man baldigst an den Unterzeichneten richten. Elberfeld, den 26. April 1874. Der Borstand der Synagogengemeinde. __S. Culp.___ Ich suche zu bald oder zum 1. Juni d. I. eine Stelle als Schächter, tüchtiger Vorbeter und Gemeindediener, sowie auch - Rai kora. lAuf Verlangen der Gemeinde unterrichte ich die Kinder hebräisch, unentgeltlich. Am hiesigen Orte war ich 6 Jahre hindurch als solcher thätig. Gute Atteste stehen zur Seite. Simon Letvy in Gülzow. jüdischen Beter in ihrer sonderbar fanatischen Betweise die alten Sitten - und ftommen Gebräuche jener längst dahingeKangenen Generationen unseres Stammes am getreuesten nachahmen, wie sie sich Hessen rühmen, muß nicht - gerade diese sonderbare und auffallende Weise am meisten dazu beigetragen haben, sie in den Augen des damaligen, ebenso fanatischen, als abergläubischen Pöbels als gefährliche Zauberer, Hexenmeister und Schwarzkünstler erscheinen zu lassen und als solche gleich gehaßt, als gefürchtet, zu machen?? — Wie viele Opfer, wie viel Blut, Verfolgung und Scheiterhaufen wären uns erspart geblieben, wenn diese es verstanden hätten, sich äußerlich der-allgemeinen Anschauung besser anzupaffen! Nun, die Zeilen sind vorüber und — Gott sei Dank! — besser geworden. (Fortsetzung folgt.) Vermischtes. Der Prof. vr. Rohling in Münster, welcher die berüchtigte, wenn auch vollständig widerlegte, doch von den Ultramontanen immer colportirte Broschüre „der Talmudjude" verfaßt hat, hat jetzt eine Abhandlung veröffentlicht, in welcher er. die wissenschaftlichen (!!!!) Beweise für die Wunder (!!!!) der stigmatisirten belgischen Jungfrau, die monatelang fastet, führen will. Es genügt dies um die wissenschaftliche Bildung und Befähigung, die Wahrheitsliebe und den Scharfsinn des Herrn Professors abermals zu belegen. i g e n. Vacanz. Die hiesige Gemeinde wünscht die hier vacante Stelle eines Rabbiners mit einem, auf einem deutschen Rabbinerseminar gebildeten, mit H6mn nnnn versehenen und zeitgemäßen deutschen Kanzelvorträgen befähigten jungen Mann, mit-einem festen Iahresgehalt von 360 Thlr. nebst Wohnungsentschädigung und gebührlichen Nebeneinkünften, baldmöglichst wieder besetzt werden. Bewerber wollen sich persönlich vorstellen. Reisekosten werden nicht vergütet. Wronke, den 16. April 1874. Der Corporationö-Borstand. M S. Treitel. Abraham Lewy. Die Har Sinai Gemeinde in Baltimore (Md.) sucht die vacant werdende Rabbinerstelle zu besetzen, und ladet hierauf Reflectirende ein, ihre Anmeldungen rechtzeitig an den Unterzeichneten einzusenden. Die Gemeinde huldigt dem entschiedenen Fortschritt; ihr Cullus stützt sich auf das von ihrem frühem Rabbiner, Dr. David Einhorn, während seiner hiesigen Amtsthätigkeit verfasste und in derselben zuerst eingeführte Gebetbuch. Der bisherige Gehalt beträgt 2500 Dollars per Jahr, ausschliesslich der Nebeneinkünfte. Bewerber, die auch der englischen Sprache mächtig sind, werden bevorzugt. “••• 8. 6: Putzei, Präs. d. H. S. G. Nr. 24. N. Entow Str., Baltimore, (Md.) U. S.

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