Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 38 (1874)
- Issue
- Heft 17 (21.4.1874)
- Date
- 1874-04-21
- Page
- Seite 284 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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284 Beschränkungen auferlegt, indemsie der! Concurrenz die Thür verschließt- Sie . schafft da ein schlechtes Handelssystem, denn die serbischen! Handelsleute lieben es,. langsichtigen Credit mit ungeheurem Nutzen zu geben, während. die Juden gern schnell nhr Capital umsetzen und sich deshalb mit mäßigem Gewinn begnügen. Aber- .weder diese Verttunftgründe noch Humanitätsrückfichten finden da Eingang... Der Einfluß der Torgowatz, das heißt der Kaufleute von Belgrad und der kleineren Städte im Innern, ist. allmächtig, wie ich früher schon hervorhob." Im September 1869 wurden die.diplomatischen Agenten Oesterreich-Ungarns, Englands, Frankreichs.mnd Italiens von ihren, hohen- Regierungen' beauftragt, der fürstlichen . Regentschaft eine identische-Note zu überreichen, in welcher diese Mächte „mit Bedauern co.nstatiren, -daß; gleichzeitig mit der Verkündigung des Grundsatzes der Gleichheit unter den Bürgern man ausdrückliche frühere Acte aufrecht erhielt, in Folge deren die serbischen Unterthanen jüdischer -Religion sich.'in den- Bezirken nicht niederlassen und nicht frei Handel.betreiben dürfen. . Hat die öffentliche Meinung sich gegen eine . der Billigkeit wie der Richtung unseres Zeitalters so widersprechende. Maßregel lebhaft ausgesprochen, so wurden die Regierungen, deren Repräsentanten die Unterzeichneten sind, nicht minder - '.peintt$. baöon übe* rcifd)t." Die identische Note hebt sodann hervor, wie der bäuerlichen Bevölkerung. die Concurrenz nur zugute käme, .wie gering - die Zahl der jüdischen Bevölkerung Serbiens im Vergleiche zu der christlichen ist,, wie das Ausnahmsgesetz von 186.1 die Zahl der jüdischen Familien in Belgrad von . 450 auf 210. herabgebracht/ von denen 165 von der öffentlichen Wohlthätigkeit leben. ' Denn das verstehe sich von selbst, daß Israeliten aus anderen Ländernvon jenen Maßregeln nicht betroffen werden dürfen, da sie ihren -christlichen Mitbürgern in Betreff der Befugniß, Handel in Serbien zu treiben, vollkommen gleichstehen." Die identische Note forderte schließlich die serbische Regentschaft auf , „aus freien Stücken die Initiative, zu ergreifen zu einem. Acte der Toleranz, welche die Gesetzbücher der civilisirten. Staaten, aussprechen". - Die Eingabe der Wiener „Israelitischen Allianz" stellt dann dasselbe Gesuch an den Fürsten Milan, überzeugt,, daß' die Skupschtina. einen Regierungsvorschlag nicht ablehnen. werde, der nicht nur der Gerechtigkeit und der Humanität, - sondern auch den Interessen der überwiegenden. Mehrzahl > der christlichen Unterthanen entspricht, da.-kaufen .zukönnen-,/-wo sie am wohlfeilsten ihre Bedürfnisse erhalten. Es wird ferner darauf hingewiesen, wie in Folge der alten Capitulation zwischen Oesterreich, Ungarn, Rußland, Deutschland, Frankreich u. s. w. gegenseitige - volle Handels- -und Verkehrsfreiheit ffür Unterthanen allerConfessionen besteht, die gleicherweise den, Serben in. diesen Reichen zugute kommt, und wie in einer Periode-, in welcher das Princip der Handelsfreiheit'in. der., internationalen Politik aller Mächte der civilisirten Welt vorherrschend wurde, eine Aenderung dieser alten Ueberemkünste in -beschränkender Tendenz- -sicherlich außer aller Frage stehe., Nun scheint es -doch -nahezu undenkbar und allen gesunden politischen - Begriffen .'widerstreitend-! die Eingeborenen jüdischer Religion von den Rechten und Befugnissen auszuschließen, welche ihre Glaubensgenoffen -fremder Nationalität, kraft völkerrechtlicher Verträge, besitzen und aüsüben. Eure Hoheit haben — in der Audienz, die Sie unserer - Deputation zu gewähren geruhten — selbst die Gewichtigkeit dieses Motivs anerkannt, und so zweifeln wir nichtdaß Ihr,Ministerrath dem gesetzgebenden Körper die Aufhebung des. Ausnahmsgesetzes vom Jahre 186 t (welches überdies in der amtlichen Gesetzsammlung niemals promulgirt wurde), und die Rückkehr zn dem edlen Grundsätze bürgerlicher und religiöser «Freiheit Vorschlägen wird, die Ihr erlauchter Ahnherr, Fürst Milvsch, der,G.rnüdeE Ihrer Dynastie und Ihres jungen Staates verkündet- und vertheidigt hat. . Erlauben Sie uns noch eine ehrerbietige Bemerkung: Die serbischen Juden sind den gleichen Lasten, Abgaben.und Steuern unterworfen wie die übrigen Unterthanen und zahlen ihrem Vaterlande die „Blutsteuer" durch den Dienst in der Armee und. in der Miliz, ganz wie ihre christlichen - Mitbürger. Das. 'ist durchaus gerecht, und sie würden jede Befreiung von den öffentlichen Lasten und Pflichten zurückweisen. Aber indem die serbische Gesetzgebung. ihnen politische Rechte anerkennt, verweigert sie ihnen die einfachsten, unentbehrlichsten bürgerlichen Rechte:- sie ladet sie ein zu den Ehrenrechten, beraubt -sie aber des socialen Rechtes, sich zu ernähren, des jedem Menschen eingeborenen Rechtes für seinen und seiner Familie Unterhalt fürzusorgen. durch Betrieb seines Handwerkes, seines Gewerbes oder seines: Handels, da . wo er Aussicht hat, ehrlich fein Brod zu verdienen- und -sich.fortzubringen,-mit Unterwerfung unter die allgemeinen Landesgesetze. Für diese Anomalie ist in keinem anderen Staate ein Vorgang zu finden, noch Aehnliches in irgend einem Gefellschaftsverbande, was mehr als alles Andere beweist, daß sie gegen die Funoamentalsätze dev, socialen und staatlichen Ordnung verstößt, die unter allen Nationen der Welt in Kraft bestehen, rr-xho V - Was wir von Ihrer. Gerechtigkeit, von Ihren Humanitätsgefühlen für unsere Ihrer - Herrschaft unterworfenen - Glaubensgenoffen erbitten: die- Initiative einer Reform im- Sinnen der Gleichberechtigung aller Jhrer Unterthanen, Ihre armen, unglücklichen Juden nicht ausgenommen, die Abschaffung des' gehässigen Gesetzes vom : Jahre.1861 -—dieses Gesuch, seien Eure Hoheit davon überzeugt, wird - von - der. öffentlichen - Meinung allerrcivrlisirten Länder unterstützt. Diese wird Serbien, beurtheilen nach dem Grade der Toleranz, nach - den- Gefühlen),-der Gerechtigkeit, nach .seiner Geneigtheit, sich - den Anforderungendes neunzehnten Jahrhunderts anzufügen oder sich - ihnen zu ' widersetzen, und sicherlich werden ihre Wünsche und--Sympathiew nje nachdem Ergebnisse dieser . Prüfung Ausfallen. In. diesem Betreff.'.'ist Europa einstimmig, — das christliche Europa und --nicht'-nur dessen Bürger mosaischen Glaubens. - > °