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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1874-04-21 · Heft 17 (21.4.1874) · p. Seite 282

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
38 (1874)
Issue
Heft 17 (21.4.1874)
Date
1874-04-21
Page
Seite 282 (sequence 8)
Language
German
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Gemeinden, handelt, -tritt bei.uns zu Lande die' Intoleranz stets unverholen zu Tage.' -Selbst .die Wahl' des Herrn Mendelsburg in Den - hiesigen: Gemeinderath war-nur mögliche Durch das feste Zusammenhalten: der-jüdischen Wähler, woran .sich -Herr Mendelsburg wohb noch zu -erinnern wissen wird.. Und jedesmal, wenn Derlei' Wahlen hier stattfinden, giebt denselben -in - der Regel das hiesige Jesuitenblatt boshafterweise einen confessionellen Charakter, so daß dann stets der Ausbruch -von Judenhetzen zu befürchten^ ist.' Und der Czas ist entschieden ' viel mehr der Repräsentant der bigotten -Polen, als Herr Mendelsburg mit seinen jüngsten-politischen Behauptungen jener der galizischen^ Juden, Wiein Krakau, so ergeht es den Juden in den übrigen Städten Galiziens, besonders in Lemberg; das beweisen-die kürzlich -stattgehabten letzten Gemeinderathswahlen und die bekannte Erklärung, daß-sämmtliche Gemeindeinstitutionen „christlich" feien. Und trotz alledem versicherte der jüdische Reichsrathsabgeordnete der Krakauer Handelskammer, „daß die Juden in Galizien völlige Gleichberechtigung haben", Wenn nun alle diese traurigen Thatsachen dem . Gedächtnisse des Herrn Mendelsburg seit seiner Wühl in den- Reichsrath und seinem Eintritte in den Polenclub daselbst plötzlich entfallen-sind, so haben dieselben die Juden Galiziens nichtvergessen , die freilich noch immer größtentheils „polnische Juden'", aber, eingedenk ihrer immerwährenden: Leiden und Rer-, geleien seitens der Nationalen, noch lange keine „jüdischen Polen«. ä: la . Mendelsburg sind. Ungerechtfertigt ist aber die Furcht des. Herrn Mendelsburg, daß die 600,000 Juden in Galizien als eigene Nation betrachtet werden könnten- Das fällt Niemandem ein. Die hierländischen Juden fühlen sich sogar eins — wie Herr Mendelsburg sich ausdrückte — mit der galizischen Bevöl-. kerung, aber nur mit dieser, nicht aber mit der klerikalen Schlachtaclique >im Reichsrathe, in die der jüdische Deputirte aus Krakau zu gerathen das Unglück hatte. Nun aber hört man so-viele christliche.Bürger über den--erbärmlichen Zustand der galizischen Schulen durch die Unterdrückung der deutschen Sprache laut klagen; ebenso wünschen die Juden, durchaus nicht als„Juden", sondern als treue Söhne des Landes die Hebung der Cultur durch größere Pflege der deutschen Sprache - im Interesse der heranreifenden Jugend, die gegenwärtig durch ihre einseitigen Studien in der ausschließlich privilegirten polnischen Sprache zu keiner universellen Geistesbildung gelangen kann. Dieser 'von den galizischen Juden ulld vielen anderen, christlichen Mitbürgerngehegte Wunsch trägt jedoch ebensowenig einen jüdisch-confessionellen als r einen polenfeindlichen Charakter an sich. . . Schweiz. Bern, im April. (Privatmitth.) In der. nächsten Zeit werden die schweizerischen Thierschutzvereine wieder einen Congreß halten. Mit Verwunderung sehend wir auf dem Programme der Versammlung nach einerv langen-Reihe von ^dringenden und schweren ^Uebelständen,' die -dem nCongreffe-,zü langem undlschwie-r rigen iDebatten> und meiner energischen - Wirksamkeit Beranlaffungr geben würden, wenn man sie erst betreiben würde; .wir. heben, z. B. nur die. grausame. Behandlung: des Schlachtviehs -bei, dem ■ Transporte, die durch die Eisenbahn nicht gemildert, sondern nuranders geartet- - ist, - hervor, das. für abgethan gehaltene Thema über das- -jüdische Schlachten wieder aufgeführt, es als grausam. bezeichnet, und das Verbot vorgeschlagen. Man wird sich erinnern, daß vor einigen .Jahren durch, die Bemühungen, des 1)r.Layser-. sing, damaligen Rabbiners der Aargau'schen Gemeinden, die voll-- gültigsten Zeugnisse ' der größten wissenschaftlichen Autoritäten,. Bemühungen, - denen sich auch 'der; Rabbiner; Dr. Engelbertr.in, St. Gallenanschloß, dieser Tendenz des Thierschutzvereinscongresses1 mit Erfolg -entgegengetreten wurde. Dies -scheinen aber die Leiterdesselben-schon wieder vergessen zu haben, .und es wird Sache der schweizer, Juden sein, es. ihnen wieder in'S Gedächlniß zu rufen:. Rumänien. Bukarest, 6. Aprl. -Ueber: das Spirituosengesetzi berichtete die ,>K. Z.«: Am 23, April tritt Das im vorigen Jahre 'beschlossene Spirituosenlicenzgesetz in Kraft. . Nach, diesem. Termine darf Niemand mehr den Handel mit Spirituosen, resp.-den Ausschank derselben auf dem Lande betreiben, der nicht auch das - politische. Wahlrecht besitzt. : Der allergrößte Theil der Spituosenhändler besteht aber aus Juden, welche in Rumänien kein Wahl- , recht genießen, also nach dem 23. April brodlos werden. Jepu-i reanu forderte nun in der Kammer zwar nicht' die - Aufhebung; des Gesetzes, welches er im vorigen Jahre aus allen Kräften - bekämpft hatte, sondern, nur einen.Aufschub, desselben..bis zum. nächsten Jahre,: damit; der betreffende Handel, allmälig in andere Hände: übergehen könne und die.betroffenen Israeliten Zeit hätten, sich nacheinem andern Erwerb; umzusehen. Der Finanzminister^ antwortete, daß er verpflichtet; sei, das Spirituosengesetz nach dem/ Artikel 8 des Gesetzes.am 23, April zur Ausführung zubringen, wenn aber die . Kammer für gut .fände, den. Art. 8 - zn ^ändern, r so - habe er gar : nichts dagegen, einzuwenden. . Die Kammer ging; darauf.nicht ein; somit tritt das Gesetz in Kraft-und wird-j^den- - falls den Israeliten des In- und Auslandes wieder-zu zahlreichen Recla'mationen Veranlassung geben. v. .?•;r:., ' . (Solchen Vorgängen gegenüber ist doch wohl-der.»Ausdruck: „Veranlassung geben" etwas sehr kühl. In der Türkei findet bekanntlich im bürgerlichen Gesetz keine Beschränkung nach Confessionen.statt, und es fällt Niemandem ein,, den Bekennern irgend einer Religion ein Gewerbe' zu verbieten.. Sollte aber einmal - eine derartige^ Beeinträchtigung gegen -irgend.> eine christliche Secte Vorkommen: welch', einen - Lärm würde die christliche Welt und ■ zwar mit vollem Rechte dagegen erheben, bis dies Großmächte eingeschritten und die Ausschließung wieder aufgehoben-worden, > Den Juden aber verargt wan es sogar, wenn sie.' gegen .die-'

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